FAZ 18.03.2026
08:02 Uhr

Sylvia von Metzler: Mäzenin, Freundin, Gastgeberin


Sylvia von Metzler bringt Leute zusammen und findet die richtigen Mittel, um Kunst und Gesellschaft der Stadt Flügel zu verleihen. Jetzt ist die Frankfurter Mäzenin 70 Jahre alt geworden.

Sylvia von Metzler: Mäzenin, Freundin, Gastgeberin

Das Erste, was den meisten Gesprächspartnern zu ihr einfällt, ist ihre Bescheidenheit. Nie drängt sich Sylvia von Metzler in den Vordergrund, nie hält sie lange Reden. Stets stellt sie die Sache, stellt sie andere und deren Leistungen freundlich und fröhlich in den Mittelpunkt. Und sie ist unermüdlich am „Metzlern“, wie man seit Otto von Bismarck das weit über Frankfurt hinaus wirkmächtige Netzwerken der Metzlers nennt. Vor 20 Jahren, im November 2006, ist Sylvia von Metzler, die das „von“ in aller Regel weglässt, wenn sie sich vorstellt, Vorstandsvorsitzende des Städelvereins geworden. Mit mehr als 10.000 Mitgliedern hat er seine Größe inzwischen verdoppelt. Untergruppen wie die „Damengesellschaft“, ein reines Frauennetzwerk, sind entstanden. Das Städelkomitee, das mit, wie es heißt, „substanziellen“ jährlichen Spenden den Kauf zeitgenössischer Kunst fördert, hat Metzler gleich zum Amtsantritt 2007 als eine Gruppe gegründet, die Kunst, Geld und Geselligkeit auf eine besondere Weise verbindet. Nun, da der Direktor des Städel-Museums, Philipp Demandt, das „Städel Endowment“ angekündigt hat und ein Grundvermögen von 100 Millionen Euro zusammenbekommen will, um das Museum auch in Zukunft unabhängig und handlungsfähig zu halten, dürften Charme und Überzeugungskraft der Städel-Doyenne noch mehr gefragt sein. Treibende Kraft an der Spitze des Städel-Vereins In diese Rolle ist Sylvia von Metzler hineingewachsen. Sie wurde am 18. März 1956 als Sylvia Wirth in Erbach im Odenwald als Tochter eines mittelständischen Unternehmers geboren, ihre Zwillingsschwester Sybille lebt ebenfalls in Frankfurt. Nach dem Abitur am Gymnasium in Michelstadt hat sie eine kaufmännische Lehre in Düsseldorf absolviert, danach hat sie im elterlichen Unternehmen gearbeitet. 1984 heiratete sie den Bankier Friedrich von Metzler. Das Mäzenatentum gehört zur DNA der Bankiersfamilie Metzler. Sylvia, Mutter dreier Kinder, ist im Lauf der Jahre immer aktiver geworden, sie tut ungeheuer viel für Frankfurt, ob im Vorstand des Literaturhauses oder nun seit 20 Jahren als treibende Kraft an der Spitze des Städelvereins, oft als private Förderin von hiesigen Künstlern, die ohne sie ihre Projekte nicht verwirklichen könnten. Nicht minder intensiv ist ihr Einsatz für die 1998 gegründete und 2005 in Albert und Barbara von Metzler-Stiftung umbenannte Stiftung, in der sich die Familie sowie Mitarbeiter der Metzler-Bank engagieren. Sie widmet sich vor allem Kindern und Jugendlichen, sozialen und Bildungsprojekten. Dazu zählen Präventionsprogramme wie  STEEP für junge Eltern oder „Stark!“ für Kinder suchtkranker oder psychisch erkrankter Eltern. Wie hart das Leben zuschlagen kann, weiß Sylvia von Metzler selbst nur zu gut. Im Jahr 2002 wurde ihr jüngster Sohn Jakob im Alter von elf Jahren entführt und ermordet. Die ganze Stadt trauerte mit der Familie und bewunderte die Haltung Metzlers und ihres Mannes. Metzler ist im Vorstand des Patronatsvereins der Bühnen, wo sie, deren Talent als Gastgeberin weithin gerühmt wird, als Mitausrichterin der Operngala Jahr für Jahr trotz ihrer Bescheidenheit eben doch Furore macht. Denn Mode, vor allem ungewöhnliche Mode, ist eine augenfällige Leidenschaft der schlanken, sportlichen, überaus agilen Metzler. Die bildende Kunst ist aber vielleicht doch die Lieblingskunst Metzlers, die in der Familienvilla Hohenbuchen an der Mörfelder Landstraße auf geradezu kühne Weise die altmeisterliche Malerei aus dem Metzler'schen Familienbesitz mit zeitgenössischen Arbeiten in einen Dialog bringt. Einen Dialog, den die Gästescharen ihrer vielen Einladungen zwischen all dieser Kunst höchst angeregt fortführen. Denn Menschen mag Sylvia von Metzler, und sie öffnet ihnen gern das Haus für Begegnungen höchst unterschiedlicher Personen. Ihr Mann Friedrich, der im November 2024 gestorben ist, war stets sichtlich stolz auf die Talente seiner Frau. Mit ihrem Mann hat Metzler 2011 die Georg-August-Zinn-Medaille des Landes Hessen erhalten, 2015 bekam sie die Arthur-von-Weinberg-Plakette der Stadt. Mit dem Namensgeber Weinberg ist Sylvia von Metzler auf besondere Weise verbunden: Er hat jene Villa Hohenbuchen errichtet, die 1993 von den Metzlers bezogen wurde. Die Kinder Elena und Franz, beide mittlerweile selbst Eltern, übernehmen auch dort immer öfter in derselben Haltung die Aufgaben, die ihre Eltern vorgelebt haben.