FAZ 25.09.2026
10:17 Uhr

Umgang mit Steuergeld: Finanzen zum Anfassen


Überall wird davon gesprochen, die Bürger mitzunehmen und nicht über ihre Köpfe hinweg zu regieren. Im hessischen Hofheim zeigt ein neues Portal, wie das aussehen kann.

Umgang mit Steuergeld: Finanzen zum Anfassen

Hofheim hat das Glück, engagierte Bürger zu haben. Von ehrenamtlichen Papierkorbleerern, Blumenpflanzern und Brunnenpaten war an dieser Stelle schon die Rede. Nun gesellt sich noch die Website hofheims-haushalt.de hinzu, die zwei örtliche Unternehmer in ihrer Freizeit programmiert und mit einem Video versehen haben. Das ehrenwerte Ziel ist es, Stadtverwaltung, Politik und Bürger miteinander ins Gespräch zu bringen und ein sperriges Thema wie den städtischen Haushalt so aufzubereiten, dass es jeder nachvollziehen kann. Viele Bürger haben angesichts einer exorbitant gestiegenen Grundsteuer und Sparbemühungen an allen Ecken und Enden verständlicherweise Fragen zur finanziellen Situation ihrer Stadt. „Frust entsteht erst, wenn sie keine Antworten bekommen“, sagt Bürgermeister Wilhelm Schultze (BfH), der im persönlichen Gespräch wie in den sozialen Medien sein Bestes tut, die Lage zu erklären. Transparent, digital und unter Beteiligung der Bürger wolle er regieren, so versprach er es vor seiner Wahl. Viel Bewegungsraum zum Regieren blieb ihm angesichts heillos überzogener Konten nicht, nun muss er seine Versprechen in Krisenzeiten umsetzen. Die Internetseite geht die Sache informativ, aber auch spielerisch an. Die Informationen, die dort versammelt sind, sind nicht neu, waren aber bisher über zahlreiche Berichte, Protokolle und Vorlagen verteilt. Wer den Haushalt wirklich verstehen will, musste sich in zahlreichen Gremiensitzungen und vielen Gesprächen die notwendigen Informationen holen. Auch Zeitunglesen hilft natürlich immer, sich zu orientieren. Doch nicht jede Detailfrage kann mit jedem geklärt werden. Nun sind die Daten verständlich aufbereitet, mit Erklärungen versehen und jedem zugänglich. Ein FAQ beantwortet die am häufigsten gestellten Fragen, ein Dashboard zeigt den Stand der Dinge. Manchmal sagt ein Diagramm mit strikt nach unten rutschender Kurve mehr als viele Worte – auch wenn das Modell stark vereinfacht und die Wirklichkeit noch einmal sehr viel komplexer ist. Wer möchte, kann bereits mit dieser Seite erstaunlich tief in die Materie vordringen. Für die Bürger macht es einen Unterschied, ob sie den Eindruck haben, die Stadt mauschelt an ihnen vorbei oder bindet sie ein. Auch Schulen sei ein Blick auf die Seite im Sinne der Demokratiebildung empfohlen. Informierte Bürger sind schließlich auch Bürger, denen es nicht mehr so leicht fällt, auf „die da oben“ zu schimpfen, extremistische Parteien zu wählen und die Demokratie abzuschreiben. Sie abzuholen, kostet Zeit und Ressourcen, aber es lohnt sich auch.