FAZ 13.03.2026
16:17 Uhr

Unruhe bei der Eintracht: Beck zu Krösche-Spekulation: „Ich frage mich, wo das herkommt“


Wieder einmal gibt es Gerüchte um die Zukunft von Manager Markus Krösche. Präsident Mathias Beck beteuert in der F.A.Z., dass es keinen Dissens gibt. Wie attraktiv wäre ein Verbleib für Krösche?

Unruhe bei der Eintracht: Beck zu Krösche-Spekulation: „Ich frage mich, wo das herkommt“

Nun, da sich die Situation nach Wochen des Niedergangs durch den Ende Januar vollzogenen Trainerwechsel im sportlichen Bereich konsolidiert hat, ist Unruhe rund um das Team so ziemlich das Letzte, was sie bei Eintracht Frankfurt gebrauchen können. Auch daher war es das Bestreben maßgeblicher Herren, die am Freitag in ihrer Funktion als Mitglied des Aufsichtsrats am Campus des Klubs erschienen, den Eindruck zu vermitteln, dass von dieser Sitzung des neunköpfigen Gremiums, das sich turnusmäßig viermal pro Jahr treffen muss, keinerlei aufsehenerregenden Beschlüsse zu erwarten sind. Auf der Tagesordnung stünden übliche Businessberichte der vier Vorstände der Eintracht Frankfurt Fußball AG: Vorstandssprecher und Klub-Mastermind Axel Hellmann, Sportvorstand Markus Krösche, Philipp Reschke, der die Themen Recht, Fanangelegenheiten und Sicherheit verantwortet, sowie Julien Zamberk, der seit etwas mehr als einem Jahr für die Finanzen zuständig ist. Den Lizenzplan für die kommende Saison verabschiedeten die Aufsichtsräte einstimmig. „Wir halten an unserem Kurs fest und damit auch an unserem Geschäftsmodell“, sagte Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Mathias Beck der F.A.Z. Wie auch am Saisonziel Europa: Die Eintracht versucht weiterhin, mit allen Mitteln ins internationale Geschäft einzuziehen. Zuerst hatte die „Sport-Bild“ über ein „Bosse-Beben“ berichtet. Demnach sei „offener denn je“, ob Krösche seinen bis Mitte 2028 datierten Vertrag tatsächlich erfüllt; das Arbeitspapier hatte er im April 2024 vorzeitig verlängert. „Markus und ich haben eine Vereinbarung: Sollte es etwas geben, kommt er auf mich zu, und das ist nicht geschehen. Wir haben jedes Jahr um diese Jahreszeit diese Themen – das zeigt auch Markus’ gute Arbeit. Wir haben vollstes Vertrauen in ihn und setzen den eingeschlagenen Weg fort“, stellte Beck klar. Zur Situation mit Hellmann, dessen Vertrag verlängert werden soll, sagte der Präsident, dass er erst nach Ostern mit dem Vorstandsprecher zusammenkomme, um sich über Detailfragen auszutauschen. Und zum „Bosse-Beben“, dem Streit zwischen Hellmann und Krösche aufgrund einer Äußerung von Hellmann (“Kader falsch eingeschätzt“), betonte Beck: „Es gibt keinen Dissens. Gab es nie. Ich frage mich, wo das Ganze herkommt.“ Wie stellt sich die Eintracht in Zukunft auf? Dennoch ist klar: In vielen Bereichen sind die Kosten gestiegen, nicht nur auf dem Platz. Darum ging es nach F.A.Z.-Informationen am Freitag. Es scheint möglich, dass die Eintracht künftig weniger Geld für ihr Personal ausgibt. Wenngleich Beck das weder dementierte noch bestätigte. Er verwies auf seinen Kollegen, den Finanzvorstand Zamberk. Wie attraktiv wäre ein solches Szenario für Manager Krösche, der die Frankfurter auf dem Weg nach oben in den vergangenen Jahren begleitete? Vermutungen, der Fünfundvierzigjährige könne der Eintracht den Rücken kehren, kamen regelmäßig auf. Mal hieß es, Krösche, der seit seinen Profi-Tagen beim SC Paderborn mit seiner Familie Ostwestfalen als Lebensmittelpunkt behalten hat, kokettiere mit einem Wechsel zu Borussia Dortmund, dann wurde er als Nachfolger Max Eberls beim FC Bayern München ins Spiel gebracht. Ihm sei in diesem Metier bewusst, dass „er gewisse Dinge nicht verhindern kann“, sagte Krösche in einem F.A.Z.-Interview, „dazu gehören Spekulationen“. Wann immer es in der Vergangenheit zu Mutmaßungen um seine berufliche Treue zur Eintracht ging, an der er sich im Sommer vor fünf Jahren band, dauerte es nicht lange und er dementierte sie öffentlich. An diesem Samstag böte sich ihm dazu aufs Neue die Gelegenheit, wenn die Frankfurter um 15.30 Uhr auf den 1. FC Heidenheim treffen. Alles andere als ein Sieg hilft ihnen mit Blick auf die Tabellenkonstellation nicht weiter. Die Hessen haben in den fünf Partien unter der Regie Albert Rieras ein Abrutschen ins Niemandsland des Klassements verhindert, sind  der Absicht, sich abermals fürs europäische Geschäft zu qualifizieren, aber nur bedingt näher gekommen. Mit 35 Punkten nehmen sie vor diesem Wochenende den siebten Platz ein, der womöglich zur Teilnahme an der Conference League genügen würde; das wäre das Mindeste, was sie zu erreichen gedenken. Viel lieber wäre ihnen das Mitwirken an der Europa League, in der sie 2022 in Sevilla triumphierten und deren Champion in der Kampagne 2026/2027 am Finalstandort Frankfurt gekürt wird. Neun Spiele bleiben, um den Neun-Punkte-Rückstand auf Platz sechs und Bayer Leverkusen wettzumachen. Krösche soll seine Zukunft von der künftigen Transfer-Ausrichtung des Klubs abhängig machen, hieß es. Als „Millionen-Markus“, der für Profis wie Randal Kolo Muani, Omar Marmoush, Willian Pacho der Hugo Ekitiké zuvor in Frankfurt undenkbare Ablösesumme generierte, hat er sich einen in der Branche geschätzten Ruf verdient. Auch das teure Missverständnis mit Ellye Wahi oder die Verpflichtung des Freiburger Ritsu Dōan trugen dazu bei, dass die zurückliegenden Monate unerwartet holprig verliefen. Welche Optionen hätte Krösche? In Frankfurt verdienten die Vorstände im vergangenen Jahr zusammen knapp über zehn Millionen Euro. Es ist unklar, wie sich dieser Betrag auf das Quartett verteilt. Genauso unklar aber ist, bei welchem Klub die Topfunktionäre gerade mehr verdienen. Stuttgart und Dortmund zahlen ihren Vorständen weniger. Beim FC Bayern verdient Sportvorstand Max Eberl Medienberichten zufolge drei Millionen Euro. Wo lag das Epizentrum des „Chef-Bebens“? Das Epizentrum des „Bebens“ lag aber nicht nur in Frankfurt. Medienberichte in dieser Woche erhielten Verweise auf Dortmund. Dort laufen die Verträge zweier Entscheider im Sommer 2027 aus, Lars Ricken und Sebastian Kehl. Immer wieder heißt es, die Strippenzieher im Hintergrund seien nicht besonders angetan von deren Arbeit. Krösche steht F.A.Z.-Informationen zufolge beim BVB weiterhin hoch im Kurs. Gespräche, wie es sie in der Vergangenheit zwischen dem Frankfurter Manager und dem Dortmunder Klub gab, haben bisher noch nicht stattgefunden. In Dortmund käme Krösche in ein Umfeld, in dem finanziell zwar mehr möglich ist, in dem aber auch mehr Menschen mitsprechen. In Frankfurt hat er sich über die Jahre die Freiheit erarbeitet, den Kader frei planen zu können. Hellmann ist der Chef des Bundesligaklubs, zumindest was die Außenwirkung angeht. Aber Krösche ist das sportliche Gesicht. Wollte er beides sein, müsste er sich auch in der Klubstrategie und der Fußballpolitik stärker engagieren. Ob das in Dortmund möglich und gewollt ist, ist zumindest fraglich. Der BVB könnte ein Interesse daran haben, dass beim aufstrebenden Konkurrenten aus Frankfurt ein bisschen was ins Wackeln gerät. Auch in München wird Krösches Name gehandelt. Das Verhältnis zwischen Klubpatron Uli Hoeneß und Manager Eberl soll angespannt sein. Bliebe noch die Frage nach dem Geschäftsmodell und seiner Nachhaltigkeit. Die Eintracht schreibt aller Voraussicht nach in der zweiten Saison in Folge einen Millionen-Verlust. Einer Saison, in der sie Hugo Ekitiké nach England verkaufte und in der Champions League spielte. Der Ekitiké-Deal war der jüngste Verkauf, durch den Krösche bekannter wurde. Er handelte ihn mit einem Liverpool-Boss auf Kreta aus, während beide dort ihre Ferien verbrachten. Nach Muani und Marmoush war das das dritte Geschäft in der Nähe eines dreistelligen Millionenbetrags. Deals, die sonst nur jene Klubs machen, mit denen Krösche verhandelte: europäische Spitzenvereine wie Paris, Liverpool oder Manchester City. Es wäre verständlich, wenn Krösche gerne auch mal derjenige wäre mit dem dicken Portemonnaie.