FAZ 08.03.2026
19:03 Uhr

Wahl in Baden-Württemberg: SPD knapp im Landtag – FDP stürzt ab


SPD-Landeschef kündigt Rückzug an +++ Liberale und Linkspartei scheitern laut Hochrechnungen an Fünfprozenthürde +++ Wahlbeteiligung deutlich gestiegen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Wahl in Baden-Württemberg: SPD knapp im Landtag – FDP stürzt ab

Hagel gratuliert ÖzdemirCDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel gratuliert seinem grünen Gegner. Sein Ziel sei gewesen, die nächste Landesregierung zu führen. „Wir wollten stärkste politische Kraft werden. Nach allem, wonach es jetzt aussieht, ist das nicht der Fall. Die Grünen und Herr Özdemir haben deutlich zugelegt. Dazu gratuliere ich der Partei und auch Ihnen ganz persönlich, Herr Özdemir\", sagt er in Richtung des Grünen-Politikers. Ob er in eine Landesregierung unter Özdemir eintreten würde, lässt Hagel offen. 

Was sprach für Özdemir?Aus der CDU ist zu hören, wenn Özdemir gewinnt, dann vor allem, weil er seine Parteizugehörigkeit versteckt habe. Umfragedaten zeigen zumindest: Viele Baden-Württemberger sehen Unterschiede der Grünen in ihrem Land zu den Bundesgrünen – auch wenn sie selbst Grünen-Wähler sind.

Merz sagt bisher nichtsAus den meisten Parteien sind auch die Bundeschefs vor die Kameras getreten. Aus der CDU nicht. Bundeskanzler Friedrich Merz war noch nicht zu sehen. Dafür vertritt sein Kanzleramtsminister Thorsten Frei, selbst aus Baden-Württemberg, die Christdemokraten gerade. Er sagt: „Manuel Hagel war genau der richtige Kandidat und ist der richtige Landesvorsitzende für die CDU Baden-Württemberg.\" Hagel habe einen engagierten Wahlkampf geführt. „Daran kann es nicht gelegen haben“, sagt Frei. Aber man habe gesehen, dass die Grünen „deutlich unter die Gürtellinie gezielt haben und versucht haben, unseren Spitzenkandidaten madig zu machen.“ Im Wahlkampf hatten manche Grüne ein Video von Hagel verbreitet, in dem er sich wie er selbst später sagte, falsch über minderjährige Schülerinnen geäußert hatte.  

Noch ist die Stimmung bei der CDU gutBei der CDU-Wahlparty im Stuttgarter Geno-Haus ist die Stimmung um kurz vor 19 Uhr weiterhin erstaunlich gelöst. Frust scheint hier noch nicht wirklich aufgekommen zu sein, nach Niederlage fühlt es sich nicht an. Dabei ist laut ersten Hochrechnungen fraglich, ob es an diesem Abend noch zu einer großen Feier bei den Christdemokraten kommt. Denn die sehen die CDU zwischen 1,5 und 2,5 Prozentpunkten hinter den Grünen.

Linke bleibt wohl außen vorDie Linke hatte gehofft, in Baden-Württemberg erstmals in den Landtag einzuziehen. Aber in den Hochrechnungen steht die Partei bei 4,5 Prozent. Das dürfte kaum für den Einzug reichen. 

Die SPD tröstet sich mit einem Blick ins NachbarlandDie Sozialdemokraten haben schon eine Erklärung für ihre krachende Niederlage. „Es ging nur noch um die Frage Cem Özdemir oder Manuel Hagel. Das hat uns am Ende Stimmen gekostet“, sagt Bundesparteichef Lars Klingbeil. Und dann weist er auf die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz in zwei Wochen hin. Dort könnte der Fokus auf das Duell von Ministerpräsident Schweitzer (SPD) mit seinem CDU-Herausforderer Schnieder den Sozialdemokraten helfen, so die Botschaft.

Özdemir versöhnlich, CDU kämpferischCem Özdemir will sich noch nicht zum Wahlsieger erklären. Aber er spricht schon wie einer, der von seinem Wahlsieg ausgeht und nun einen Koalitionspartner gewinnen muss. „Der Wahlkampf ist zu Ende. Jetzt gilt es, dass wir gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen.“ Der CDU-Politiker und Kanzleramtschef Thorsten Frei sagt hingegen: Die Grünen hätten die falschen politischen Ziele. 

SPD-Landeschef kündigt Rückzug anSpitzenkandidat Andreas Stoch kündigt seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an, heißt es aus der Partei. Die SPD ist nur noch etwa halb so stark wie bei der letzten Landtagswahl, bei der sie auch schon unter den eigenen Erwartungen geblieben war. Heute Abend müssen die Sozialdemokraten sogar bangen, weiter im Landtag vertreten zu sein. 

Langer Jubel für ÖzdemirDer Grünen-Kandidat tritt vor seine Parteifreunde und feiert seine „fulminante Aufholjagd“. Von einem Sieg will er noch nicht sprechen. „Der Baden-Württemberger ist skeptisch“, ruft er. Deshalb wolle er abwarten Denn ganz sicher ist ein Sieg der Grünen noch nicht. „Das was wir schon wissen, darüber kann man sich wirklich freuen\", sagte Özdemir. Aber dann spricht er doch davon, wie er das „Land führen“ möchte. 

Liberale bangen in StuttgartFür die FDP ist Baden-Württemberg ein sehr wichtiges Bundesland. Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke hat angekündigt, die Verantwortung zu übernehmen, sollten die Liberalen in Stuttgart tatsächlich aus dem Landtag fliegen. In den ersten Hochrechnungen steht die FDP bei ARD und ZDF bei 4,5 Prozent. Rülke hatte von einer „Schicksalswahl“ gesprochen. 

Wer wird zusammen regieren?Die aktuellen Hochrechnungen lassen eigentlich nur eine neue Koalition zu: und zwar die alte. Grüne und CDU haben zusammen auch im neuen Landtag eine komfortable Mehrheit – das steht fest, auch wenn das genaue Ergebnis noch lange auf sich warten lassen wird. Eine rechnerisch mögliche Koalition von CDU und AfD haben die Christdemokraten ausgeschlossen. 

Grüne knapp vorneJetzt gibt es auch im ZDF Zahlen, die den Grünen gefallen dürften. Laut der ersten Hochrechnung liegt die Partei mit 1,4 Prozentpunkten vor der CDU: 31,7 Prozent zu 30,3 Prozent.  Gemäß den Zahlen der ARD liegen die Grünen mit 2,5 Prozentpunkten vor den Christdemokraten in der ersten Hochrechnung. Sehr eng wird es für die SPD. Sie liegt in dieser Hochrechnung bei 5,4 Prozent. Diese Hochrechnungen enthält erste Auszählungsergebnisse, beruht also nicht nur auf Umfragen. 

Hohe WahlbeteiligungEines ist übrigens schon klar bei allem Gezitter: Die Wahlbeteiligung ist gestiegen - auf über 70 Prozent laut Infratest dimap. Das ist das Unternehmen, das für die ARD die Zahlen erhebt.

Hagel spricht noch nicht von Sieg und NiederlageDer CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel dankt allen Wählern, die für die CDU gestimmt haben. Die CDU war davon ausgegangen, die Wahl zu gewinnen. Doch in den vergangenen Tagen holten die Grünen auf – und liegen nun in den Prognosen vorne. Entsprechend geknickt klingt Hagel. „Die letzten Wochen waren für meine Frau, meine Familie, für mich, eine enorme Belastung\", sagt Hagel.