Die Grünen haben die Wahl in Baden-Württemberg mit 30,2 Prozent zwar gewonnen und bekommen 56 Sitze im Landtag. Genauso viele Sitze kriegt aber auch die CDU, die mit 29,7 Prozent der Stimmen knapp auf Platz zwei liegt. Jens Spahn, der Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, hat deshalb das sogenannte israelische Modell ins Spiel gebracht. Die Idee: Die Koalitionspartner teilen sich die Amtszeit des Regierungschefs. Das Modell ist nach dem Land Israel benannt, weil es dort in den Achtzigerjahren erstmals für den Posten des Ministerpräsidenten genutzt wurde. Nach der Parlamentswahl 1984 teilten sich Schimon Peres und Jitzhak Schamir das Amt. Seitdem gab es in Israel noch zwei weitere Regierungen, die von zwei Ministerpräsidenten angeführt wurden – oder zumindest angeführt werden sollten. Regierung absichtlich zum Scheitern gebracht Um solche Rotationsvereinbarungen abzusichern, schreiben die jeweiligen Koalitionen in Israel den Wechsel des Regierungschefs eigentlich per Gesetz fest. Trotzdem wurden sie nicht immer eingehalten: Nach der Wahl 2020 verabredeten Benjamin Netanjahu und Benny Gantz, die Amtszeit zu teilen. Netanjahu übernahm die erste Hälfte. Bevor Gantz das Amt antreten konnte, brachte Netanjahu die Regierung jedoch zum Scheitern. Beobachter waren von dieser Entwicklung nicht überrascht – der Zeitpunkt war für Netanjahu günstig. In anderen Ländern kam das Modell auch schon zum Einsatz, erfolgreich war das etwa in Irland und Rumänien. In Nordmazedonien teilten sich die Koalitionspartner die Amtszeit von 2020 bis 2024 zu ungleichen Teilen. In Bulgarien scheiterte eine geplante Rotation nach der Wahl 2023, weil sich die Regierung über Personalien und Reformen zerstritt. Und auch in der Türkei scheiterte der Plan einer Amtszeitteilung nach der Wahl 1995, weil die Koalition aufgekündigt wurde. In Deutschland wurde das Modell auch schon einmal diskutiert: Aus der Bundestagswahl 2005 ging die Union mit 226 Sitzen als Gewinnerin hervor, aber die SPD lag mit 222 Sitzen nur knapp dahinter. Die Sozialdemokraten machten deshalb den Vorschlag, dass zuerst ihr Kanzlerkandidat Gerhard Schröder die Amtsgeschäfte übernehmen solle, bevor Unions-Spitzenkandidatin Angela Merkel Regierungschefin werden sollte. Die Union lehnte das aber ab.
