Javier Milei wird nicht müde, über die Wahl in Brasilien zu posten. Schon am Abend nach dem ersten Wahlgang feierte Argentiniens Präsident das gute Abschneiden von Flávio Bolsonaro und gratulierte seinem „lieben Freund“ zu einer „historischen Wahl“, die er gegen den amtierenden brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva gewonnen hatte. Als die brasilianischen Finanzmärkte am Montag kräftig zulegten, legte Milei nach. Ein Linker verliere gegen einen Rechten und die Märkte feierten, schrieb er in einem Beitrag in den sozialen Netzwerken. Am Ende stand nur noch das Kürzel „MAGA“. Auch Kolumbiens neuer Präsident Abelardo de la Espriella mischte sich offen ein. Sein Herz sei bei Brasilien, schrieb er noch während der Auszählung. Der „wahre Wandel“ bestehe darin, die Linke zu besiegen. Venezuelas Oppositionsführerin María Corina Machado gratulierte Bolsonaro ebenfalls. Die letzte Lücke Für die neue Rechte in der Region ist Brasilien das noch fehlende Schwergewicht. In Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Kolumbien, Ecuador und Paraguay regieren inzwischen rechte oder konservative Präsidenten. Ein Sieg Bolsonaros würde den Rechtsruck in Südamerika nahezu vervollständigen. Auffällig zurückhaltend bleibt ausgerechnet Donald Trump. Der amerikanische Präsident lobte Bolsonaros Abschneiden nach der Wahl zwar als „großartig“ und „unglaublich“, vermied aber weiterhin eine ausdrückliche Wahlempfehlung. Dahinter steckt offenbar Kalkül. Nach Informationen der „Washington Post“ hält das Weiße Haus eine offene Unterstützung Bolsonaros für kontraproduktiv. Trumps frühere Eingriffe zugunsten der Bolsonaro-Familie hatten Lula ermöglicht, sich als Verteidiger der nationalen Souveränität zu inszenieren. Nun hält Washington sich zurück, um Bolsonaro nicht durch zu viel Nähe zu schaden. An den politischen Gemeinsamkeiten ändert das wenig. Milei, de la Espriella und mehrere andere Präsidenten der Region suchen demonstrativ die Nähe zu Trump. Ein wichtiges Bindeglied ist der von Washington aufgebaute „Shield of the Americas“, ein Bündnis zur Bekämpfung von Drogenkartellen und grenzüberschreitender Kriminalität. Lula lehnte einen Beitritt Brasiliens ab. Flávio Bolsonaro hat dagegen angekündigt, das Land im Fall eines Wahlsiegs anzuschließen und die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten auszubauen. Geopolitisches Gewicht Brasiliens Beitritt hätte besonderes Gewicht. Mit dem Land käme nicht nur die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas hinzu, sondern auch ein Staat mit enormen Rohstoffreserven – darunter strategische Rohstoffe wie Seltene Erden –, einem ausgedehnten Territorium, das an alle Länder Südamerikas außer Chile und Ecuador angrenzt, sowie einer 700 Kilometer langen Küste am Südatlantik. Das Sicherheitsbündnis bekäme damit zusätzliches geopolitisches Gewicht. Auch Peking dürfte deshalb genau nach Brasilien schauen. Während Lula außenpolitisch auf Eigenständigkeit zwischen den beiden Mächten USA und China setzt, will Bolsonaro Brasilien enger an die Vereinigten Staaten binden. Er hat angekündigt, die Mitgliedschaft in der BRICS-Gruppe zu überprüfen, wirbt für eine strategische Partnerschaft mit Washington bei kritischen Mineralien und will den Weg für ein bilaterales Handelsabkommen mit den USA öffnen. Wie weit eine solche Neuorientierung gehen könnte, dürfte sich allerdings weniger an Mileis Posts entscheiden als an Brasiliens wirtschaftlichen Interessen. China ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner und nimmt mehr als dreimal so viele brasilianische Exporte ab wie die Vereinigten Staaten. Bolsonaro betont deshalb inzwischen selbst, Brasilien müsse sich wirtschaftlich nicht zwischen Washington und Peking entscheiden.
