FAZ 06.06.2026
12:07 Uhr

Wettbewerb für die Bahn: Wie Konkurrenz das Geschäft belebt


Die Deutsche Bahn soll Konkurrenz bekommen. In einem vollen Netz ist das nicht leicht. Deshalb müssen jetzt alle umdenken – auch die Politik.

Wettbewerb für die Bahn: Wie Konkurrenz das Geschäft belebt

Das deutsche Schienennetz ist zu voll. Vor den großen Metropolen stauen sich selbst an normalen Tagen die Züge vor den Bahnhöfen. Die knappen Kapazitäten sind ein Ärgernis, das sich nicht leicht beheben lässt – jedenfalls solange sich die Politik so leidenschaftlich wie in Niedersachsen gegen den Bau neuer Strecken wehrt. Deshalb haben es neue Anbieter wie das Eisenbahnunternehmen Italo schwer, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Aber unmöglich ist es nicht. Das zeigt schon ein Blick auf das dicht befahrene Streckennetz. Im Güterverkehr haben die Konkurrenten den alten Platzhirsch DB Cargo immer weiter zurückgedrängt; auch im Nahverkehr sind die Privatbahnen inzwischen ernst zu nehmende Konkurrenz. Die Konkurrenz macht sich breit Bald schon könnte sich auch im Fernverkehr mehr Wettbewerb breitmachen. Dafür ist es höchste Zeit. Flixtrain plant mit 65 neuen Hochgeschwindigkeitszügen eine milliardenschwere Offensive. Und auch der Anbieter Italo, im italienischen Markt alles andere als zimperlich, will in Deutschland lukrative Strecken bedienen. Dass Italo in Deutschland an seine Grenzen stößt, liegt nicht nur an der Deutschen Bahn, die als Platzhirsch wenig überraschend ihr Revier verteidigt, sondern an einem komplexen System, das viele Befindlichkeiten bedienen muss. Es rächt sich, dass Deutschland keine echten Hochgeschwindigkeitsstrecken hat. Ebenso große Schwierigkeiten bereitet der Wunsch der Politik, keine weißen Flecken auf der Landkarte zu erzeugen: Anders als in anderen Ländern steuern die Eisenbahngesellschaften auch kleinere Städte an. Flächendeckender Eisenbahnverkehr kostet Geht es nach der lokalen Politik, passiert das übrigens schon jetzt nicht häufig genug. Die horrenden Kosten eines flächendeckenden Eisenbahnverkehrs fallen dabei stets unter den Tisch. Kaum versucht die Bahn, IC-Strecken zu schließen, deren Nachfrage das Deutschlandticket auf die Regios umgeleitet hat, gehen Schockwellen durch das Land. Auch das politische Wunschkonzert ist eine ernsthafte Hürde für den Wettbewerb auf der Schiene. Deshalb ist es Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme der Konkurrenzhemmnisse. Alle Eisenbahnunternehmen, auch die neuen Anbieter, müssen ihren Beitrag für einen flächendeckenden Verkehr leisten. Aber mit politischem Willen und  mehr Realismus sollte es gelingen, der Deutschen Bahn auch im Fernverkehr Konkurrenz zu machen – im Interesse der Kunden.