FAZ 01.10.2026
18:52 Uhr

Wettkampf mit china: VW setzt für Roboterautos auf Partner aus Großbritannien


China und Amerika sind im autonomen Fahren enteilt. Nun will Volkswagen einen Pakt schließen, der auch der Souveränität Europas dienen soll – mit einem Start-up aus London.

Wettkampf mit china: VW setzt für Roboterautos auf Partner aus Großbritannien

Es ist noch nicht lange her, dass Volkswagen einen Rückschlag in der Entwicklung selbstfahrender Autos in Europa wegstecken musste. Die mit viel Aufwand betriebene Partnerschaft mit dem Autozulieferer Bosch wurde beendet, auch weil es in etlichen Fragen offenbar unterschiedliche Vorstellungen zur Strategie gab. Jetzt bahnt sich eine Lösung an, denn VW wird die nötige Technik wohl bald von einem Partner aus Großbritannien beziehen. Das Start-up Wayve mit Sitz in London hat schon 2,8 Milliarden US-Dollar von internationalen Investoren eingesammelt und könnte bald die Lücke schließen, die durch die Auflösung des Bündnisses mit Bosch entstanden ist, wie in Konzernkreisen bestätigt wird. VW hatte in den vergangenen Wochen viele Optionen geprüft und die Technik von rund einem Dutzend verschiedener Anbieter abgeklopft. Wie die F.A.Z. schon berichtet hatte, war darunter auch der Chipspezialist Nvidia, derzeit das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt. Möglicherweise wird Nvidia auch in der jetzt angepeilten Konstellation eine Rolle spielen: Der US-Konzern gehört zu den Investoren von Wayve und könnte auch spezielle Chips liefern, so die Überlegung. Allerdings ist offenbar noch vieles im Fluss, sodass sich der Abschluss wohl noch einige Wochen hinziehen wird. Zuerst hatte der „Spiegel“ über das Thema berichtet. Alternative zu dominanten Anbietern aus China Autonomes Fahren gehört zu den heißen Themen der Autoindustrie. Amerikanische Unternehmen wie die Google-Gesellschaft Waymo haben schon große Fortschritte in der Entwicklung von Robotaxis gemacht. In China verbreiten sich Fahrassistenzsysteme, die regelmäßig das Steuer übernehmen können, auch in günstigeren Autos. In Europa hingegen ist die Entwicklung überschaubar, und die Suche hiesiger Unternehmen nach Partnern läuft auf Hochtouren. So war zuletzt bekannt geworden, dass in China produzierte Autos des italienisch-französisch-amerikanischen Mehrmarkenkonzerns Stellantis künftig auf der ganzen Welt mit Software des chinesischen Unternehmens Momenta fahren sollen. Im VW-Konzern hebt man nun hervor, dass der avisierte Pakt mit Wayve eine europäische Lösung sei, die auch auf die Souveränität der hiesigen Branche einzahle. Wie immer im stark mitbestimmten Wolfsburger Konzern hat das Thema eine beschäftigungspolitische Dimension. Hätte VW sich etwa für eine alleinige Zusammenarbeit mit Nvidia entschieden, wären wohl noch mehr Stellen in der eigenen Softwaregesellschaft Cariad weggefallen. Denn der amerikanische Chipkonzern bietet ein Rundum-sorglos-Paket an, das auf mittlere Sicht wohl das Ende von Cariad eingeläutet hätte. Die Lösung von Wayve hingegen soll sich in schon entwickelte Architekturen einfügen, die auch durch Cariad weiterentwickelt und gepflegt werden sollen. Weder VW noch Cariad äußerten sich am Donnerstag zu dem Thema. So oder so wird Cariad weiter verkleinert. Gestartet war die Einheit einst mit großen Ambitionen unter dem früheren Vorstandschef Herbert Diess, der die Mannschaft auf 10.000 Beschäftigte oder mehr ausbauen wollte. Heute sind nach einem schmerzhaften Umbau noch etwa 4300 Beschäftigte übrig, und im nächsten Schritt dürften weitere 1000 Arbeitsplätze wegfallen, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Grund ist der verschärfte Sparkurs von VW-Konzernchef Oliver Blume, der alle Konzernmarken und Tochtergesellschaften betrifft. In informierten Kreisen werden die Sparpläne für Cariad bestätigt. Es seien nun Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen möglichst sozialverträglichen Abbau geplant. Zentrale Tarifvereinbarungen wurden in dieser Woche aufgekündigt.