Heise 16.09.2026
06:00 Uhr

EWE-TEL-Chef zum Kupfer-Aus: „Wir müssen jetzt schon überlegen“


Zum 30. Geburtstag von EWE TEL zieht Geschäftsführer Norbert Westfal Bilanz: Er fordert fairen Netzzugang, die Kupferabschaltung und mehr Wettbewerb.

EWE-TEL-Chef zum Kupfer-Aus: „Wir müssen jetzt schon überlegen“

Als wir uns zum Interviewtermin in seinem Büro am Sitz von EWE TEL im niedersächsischen Oldenburg treffen, legt Norbert Westfal einen grauen Dokumentenordner auf den Tisch. Darin: ein Papier aus den Anfangstagen des Telekommunikationsanbieters. Genauer gesagt ein Vorstandsbeschluss des regionalen Energieanbieters. Ordner, Papier – das Stück Geschichte steht sinnbildlich dafür, welchen Weg die Informationstechnologie in den Jahren seit der Liberalisierung der TK-Märkte genommen hat. EWE TEL, das in diesen Tagen 30 Jahre alt wird, war von Anfang an mit dabei. Westfal ist heute zudem Präsident des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (BREKO). Unser Gespräch über Lehren aus 30 Jahren am Markt, über den langen Weg zur Glasfaser und weg von den Kupfernetzen sowie Westfals Begehren für gleichberechtigten Zugang zu den Mobilfunknetzen berührt folglich seine beiden Positionen.

EWE TEL wurde am 17. September 1996 in Oldenburg gegründet – mit gerade einmal vier Mitarbeitern. Heute beschäftigt die EWE-Telekommunikationstochter rund 1.300 Menschen (Stand 2021). Ihren eigenen Markenauftritt startete das Unternehmen 1998 als Call-by-Call-Anbieter, zum Zeitpunkt der Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes. Auch beim Netzausbau hat sich viel getan: Verfügte EWE 1996 noch über ein rund 8.000 Kilometer langes Telekommunikationsnetz, sind es heute mehr als 50.000 Kilometer, davon fast 40.000 Kilometer Glasfaserkabel.

Wir müssen sicherstellen, dass jeder, der in einem Abschaltgebiet einen Glasfaseranschluss haben möchte, auch die Möglichkeit dazu bekommt. Bei besonderen Einzellagen kann möglicherweise eine andere Anschlussvariante sinnvoll sein – etwa Mobilfunk oder Satellit.

Aber wir dürfen nicht den seltensten Einzelfall zum Maßstab für das gesamte technische Upgrade machen. Für jeden muss eine Lösung gefunden werden; das muss aber nicht in jedem Fall zwingend der Glasfaser-Hausanschluss sein.

(mki)