|
06.06.2026
08:00 Uhr
|
Was macht man mit einem CD-ROM-Spiel, das schon 1993 eher altmodisch wirkte? Neu bauen, sagt „The 7th Guest Remake“. Und trotzdem altmodisch bleiben.

Wie gut waren eigentlich CD-ROM-Spiele mit echten Schauspielern? Wenn man sie heute spielt und schonungslos urteilt: Nicht besonders. Die Laufwerke waren langsam, die Auflösung niedrig, das Format neu. Statt fernsehreifer Unterhaltung gab es Experimente und Trash. Allzu oft wurden Produktionen ohne professionelle Schauspieler, Kameraleute, Set-Designer oder Autoren durchgezogen.
Vergleichsweise ambitioniert wirkte dagegen „The 7th Guest“. Vielleicht der größte Pluspunkt des linearen Rätsel-Adventures war die augenzwinkernde Inszenierung. Schauergeschichten um sechs getriebene Gäste in einem Spukhaus waren schon damals ein eher nostalgisches Vergnügen. Dazu war das Interface langsam, aber simpel. Um die Rätsel zu lösen, brauchte man nur Grips, kein Geschick. Alle konnten mitspielen – wenn sie einen leistungsstarken Gaming-PC hatten. Das Original galt als Killer-App für ein neues Format. Heute ist es ein Artefakt aus einer verlorenen Zeit. Was kann man daraus noch übernehmen?
„The 7th Guest Remake“ übernimmt die Idee, den groben Plot und das grundsätzliche Game Design. Ansonsten ist es aber eine komplette Neuentwicklung. Für VR-Fans ist sie bereits vor über zwei Jahren erschienen, als „The 7th Guest VR“. Sie kam sehr gut an, und so gibt es nun endlich eine Version, die man normal am Computer spielen kann. Die Steuerung mit Maus und Tastatur oder Gamepad funktioniert absolut problemlos.
heise medien
Dem Remake merkt man an, dass hier Fans und Kenner des Originals am Werk sind. Die Rollen mögen neu gecastet sein, doch sie orientieren sich stark an ihren Vorbildern, teilweise werden sogar Dialoge übernommen. Dazu kann das Haus endlich zeitgemäß bereist werden: Statt mit der Skeletthand zu klicken, um vorgerenderte Kamerafahrten zu bestellen, darf man sich frei in der Egoperspektive durch das Spukhaus bewegen. Anfangs sind allerdings fast alle Türen verschlossen.
Neu sind auch die Rätsel. Schon der Kuchen in der Küche sieht völlig anders aus. Ehrlicherweise waren die Kopfnüsse von damals aber nicht brillant, sondern austauschbare Knobelaufgaben. Nun wurden sie wirklich ausgetauscht und wirken auf uns etwas leichter und besser zusammengestellt als im Original. Mit solchen Urteilen muss man aber vielleicht vorsichtig sein, wenn man die Urfassung mit 13 Jahren und einem nicht ganz ausgewachsenen Gehirn gespielt hat. Die neuen Rätsel variieren sehr anschaulich zwischen verschiedenen Logik-, Schau- und Kombinationsaufgaben, könnten mehrheitlich genauso in einem Escape Room auftauchen. Schwierigkeiten hatten wir beim Test am ehesten, die grundsätzliche Aufgabe eines Rätsels zu verstehen. Das eine oder andere haben wir versehentlich gelöst, als wir noch herumprobiert haben. Ein paar Lösungswege waren langwierig auszuführen, nachdem man die grundsätzliche Aufgabe längst verstanden hatte.
Doch im Kern geht es nicht um die wechselnden Spielereien mit Labyrinthen, Schiebemöbeln, Zahlen und Buchstaben, sondern um ein bisschen Reibung. Die Rätsel sind eine stressfreie Tätigkeit, die man nebenbei erledigt, während man die liebevoll gestalteten Räume des Hauses erkundet. Dazu kann man üppig Münzen einsammeln und gegen Tipps oder komplette Rätsellösungen eintauschen, wenn man mal nicht weiterweiß.
Die Knobeleien strukturieren das Spiel und verhindern, dass man es in allzu wenigen Stunden durchspielt. In jedem Raum des Hauses werden eine Handvoll Rätsel gelöst; sind die neu zugänglichen Räume abgehakt, rückt die Uhrzeit weiter, es gibt die eine oder andere neue Videosequenz, und neue Räume öffnen sich.
Und dann ist der interaktive B-Movie vorbei. Uns hat er durch zwei unterhaltsame Abende geführt, durch ungefähr sieben Stunden Spielzeit. „The 7th Guest Remake“ ist also nicht besonders lang, das war aber das Original auch nicht. Es verzichtet auf stupide Wiederholungen. Und wer die SteamVR-Version besitzt, der kriegt es ohne Aufpreis dazu.
Überhaupt: Wer VR mag, dem kann man die Version empfehlen. Inhaltlich ist sie weitgehend identisch. Das merkt man auch der Version für den flachen Bildschirm an. Einerseits sehen die Räume mit ihrem natürlichen Maßstab überzeugend echt aus, andererseits wirken sie technisch veraltet. Das VR-Original ist auch auf der mobilen Meta-Quest-Brille erschienen, und das trägt womöglich zu den matschigen Texturen der neuen PC-Fassung bei. Das ganze Haus ist vollgeräumt mit Gegenständen, die man in die Hand nehmen und betrachten kann. Viele davon sehen aus der Nähe ganz schön verpixelt aus. Allerdings lernt man beim Spielen auch, nicht alles in die Hand zu nehmen. Wer alle Schubladen aufreißt, findet die eine oder andere Münze, und gelegentlich sucht man bestimmte Gegenstände. Doch hier wird kein Inventar vollgepackt.
Auch die Inszenierung mit frei im Raum herumstehenden Schauspielern erkennt man noch als VR-Idee. Ganz überzeugend ist die technische Lösung nicht, vor allem erkennt man bei dem volumetrischen Video, dass sich Texturen über Polygone spannen. Das sieht dann aber auf eine etwas unheimliche Art wieder nostalgisch aus – es passt zur Neuinszenierung eines altmodischen Schauerspiels.
„The 7th Guest Remake“ ist kein Meisterwerk für alle, sondern eine smart inszenierte interaktive Geisterbahn mit kleinen Kopfnüssen. Wer gern allein oder zu zweit auf dem Sofa bei Krimis miträt, Escape Rooms oder alte Schauergeschichten mag, der wird von diesem Titel gut unterhalten. Das Vergnügen wird größer, wenn man sich an das Original erinnert. Doch das „7th Guest Remake“ funktioniert auch für sich.
The 7th Guest Remake ist ab dem 04.06. auf Windows und Linux (Steam Deck), Playstation 5 und Xbox Series X/S für 20 Euro erhältlich. Versionen für Nintendo Switch und Switch 2 sollen noch im Laufe des Jahres erscheinen.
(dahe)