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07.09.2026
13:29 Uhr
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In alten Pergamenten können Erreger von Tierseuchen nach hunderten Jahren nachgewiesen werden. Das hat ein Forschungsteam entdeckt und ein Virus erforscht.

Ein internationales Forschungsteam hat nachgewiesen, dass jahrhundertealte Pergamente bei der Erforschung von Tierseuchen helfen können. Wie die Gruppe jetzt öffentlich gemacht hat, sind sie für eine Rekonstruktion der Evolution des Erregers der Schafpocken unter anderem in wertvollen Pergamenten fündig geworden. In mehreren Fällen seien in Seiten von über 1000 Jahre alten Manuskripten aus britischen Archiven DNA des Erregers gefunden worden. Die dafür verwendete Haut stammte also offenbar von Tieren, die daran erkrankt waren. Die historischen Dokumente könnten damit als „einzigartiges Bioarchiv dienen, das den Gesundheitszustand der Tiere zum Zeitpunkt ihres Todes vor Jahrhunderten bewahrt“.
Herausgefunden hat die Forschungsgruppe unter anderem anhand der Spuren aus den Pergamenten, dass sich die drei Erreger der sogenannten Pockenseuche der Schafe und Ziegen (Capripoxvirus) vor 11.500 bis spätestens 3700 Jahren voneinander abgetrennt haben müssen. Das passe zeitlich zum Aufstieg der Domestizierung und der Verbreitung der Hausschafe aus der Steppe nach Europa, erklärt das Team. Gleichzeitig sei das Virus aber ungewöhnlich stabil, wichtige Veränderungen müsse es also vorher durchlaufen haben. Kombiniert wurde die Untersuchung der Pergamente demnach mit Analysen von Zähnen, in denen sich Spuren von Infektionen über Jahrtausende erhalten können. Für die jetzt vorgestellte Arbeit haben Forschende ganz unterschiedlicher Disziplinen kooperiert.
Die Analyse der Pergamente habe bestätigt, dass die Schafpocken die Menschheit und ihre Nutztiere seit Jahrtausenden befallen, fasst das Team noch zusammen. Die Tierseuche gehört zu den tödlichsten Pockenerkrankungen bei Tieren, bis zu 50 Prozent der Lämmer können daran sterben. In Deutschland gehört die Pockenseuche der Schafe und Ziegen zu den meldepflichtigen Krankheiten; letztmals aufgetreten ist sie 1920. Für den Menschen ist sie nicht gefährlich. Anderswo fordert die Seuche aber weiter zahlreiche Opfer unter Nutztieren, schreibt die Forschungsgruppe noch. So gebe es gegenwärtig einen Ausbruch in Griechenland, der großen Schaden anrichtet. Die Analyse der Evolution des Erregers wird jetzt im Forschungsmagazin Science Advances vorgestellt.
(mho)