Heise 21.07.2026
11:43 Uhr

Wettbewerbsverfahren: Apple beginnt Gespräche mit US-Justizministerium


Es geht um Apples iPhone-Ökosystem: 2024 reichte das Department of Justice Klage ein. Nun gibt es Bestrebungen zu einer Einigung – mit ungewissem Ausgang.

Wettbewerbsverfahren: Apple beginnt Gespräche mit US-Justizministerium

Apple hat erste Versuche gestartet, ein großangelegtes US-Kartellverfahren abzuwenden. Laut einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg hätten vor kurzem „frühe Gespräche“ zwischen Apple und den klagenden Behörden begonnen. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass es zu einer außergerichtlichen Einigung komme. Ein Gerichtstermin wurde bislang noch nicht angesetzt. Die Bemühungen gingen offenbar von Apple aus. Das Unternehmen habe „mehrfach“ Angebote unterbreitet, den Fall beizulegen. Genauere Vorschläge kamen demnach in den vergangenen Wochen auf den Tisch – und zwar von beiden Seiten.

Nicht nur in der Europäischen Union, in Japan oder Indien hat Apple Ärger mit Regulierungs- und Kartellbehörden wegen möglicher Wettbewerbsverstöße, sondern auch in seiner Heimat. Das US-Justizministerium (Department of Justice, DoJ) verfolgt dort seit mehreren Jahren ein Verfahren gegen Apples gut integriertes Ökosystem, das seiner Ansicht nach Konkurrenten ausbremst. Die 2024 eingereichte Klage behauptet unter anderem, dass Apple den Markt für High-End-Smartphones „monopolisiert“ habe.

Zudem stoppe Apple im App Store sogenannte Super-Apps, also Programme, die im Sinne von WeChat diverse Funktionen in einer Anwendung zusammenfassen und auch Mini-Apps durch externe Entwickler erlauben. Der App Store und dessen Provision spielen in dem Verfahren hingegen nur eine Nebenrolle, da hierzu bereits Privatklagen laufen. Das DoJ wirft Apple allerdings vor, unter anderem externe Messaging-Apps und Wallets für Zahlungsmittel auszubremsen, zudem Computeruhren von Drittanbietern. Auch die Tatsache, dass die Apple Watch nur mit dem iPhone arbeitet, wird kritisch beäugt.

Laut Bloomberg gab es weder von Apple noch vom US-Justizministerium eine Antwort auf die Bitte nach einem Kommentar. Apple war es zunächst nicht gelungen, die Klage im vergangenen Sommer abweisen zu lassen. Die Klage war ursprünglich noch unter der vorherigen Administration unter US-Präsident Joe Biden eingereicht worden. Es ist denkbar, dass das DoJ unter Donald Trump die Situation anders sieht. Allerdings ist nicht nur die Bundesbehörde Kläger, sondern eine Gruppe von 19 Bundesstaaten samt District of Columbia (Washington, D.C.). Ob die Justizministerien der mitklagenden Staaten in die Gespräche eingeschaltet sind, blieb zunächst unklar.

Apple gelang es kürzlich, das Gericht davon zu überzeugen, das Sammeln von Daten bei US-Bundesbehörden zu erlauben, um zu belegen, dass es ausreichend Wettbewerb im Smartphone-Markt gibt. Apple darf demnach auch Informationen vom Heimatschutzministerium, dem US-Verteidigungsministerium sowie vom Geheimdienst CIA einholen.

(bsc)