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29.07.2026
12:33 Uhr
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Winamp will 2027 einen neuen Player mit eigenem Streaming-Abo veröffentlichen. Die Technik und den Katalog liefert Deezer – vieles andere bleibt vage.

Der Medienplayer Winamp bekommt ein eigenes Musik-Abo: Technik und Katalog dafür kommt vom französischen Streaming-Anbieter Deezer, teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit. Das Abo ist Bestandteil eines von Grund auf neuen Winamp Players, der im ersten Halbjahr 2027 verfügbar werden soll.
Deezer stellt dafür seine Streaming-Technik und seinen weltweiten Musikkatalog bereit, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. Verkauft wird das Abo aber unter der Marke Winamp. Heißt: Winamp baut keinen eigenen Streamingdienst und verhandelt auch keine eigenen Lizenzverträge mit Plattenfirmen. Wer ein WinAmp-Abo abschließt, hört Deezers Katalog über Deezers Infrastruktur – nur eben in einer WinAmp-Oberfläche. Deezer wiederum bekommt einen weiteren Vertriebskanal, ohne selbst neue Kunden werben zu müssen.
Das ist Teil eines neuen Versuchs von Winamp, sich für das Streaming-Zeitalter erfolgreich aufzustellen. Der neue Winamp-Player soll aber nicht ausschließlich Streaming anbieten, sondern mit lokalen Musiksammlungen, Internetradio, Podcasts und in der Cloud abgelegten Musikdateien kombinieren. Dazu verspricht Winamp eine weitreichend anpassbare Oberfläche und soziale Funktionen.
Offen bleiben mehrere entscheidende Punkte, darunter Preis, Audioqualität und unterstützte Plattformen der neuen App. Weitere Details will Winamp in den kommenden Monaten nachreiichen. Die klassische Winamp-Anwendung für Windows bekommt das Abo laut der Mitteilung erst nach dem Launch des neuen Players. Laut Winamp benutzen diese Anwendung noch mehr als 40 Millionen Menschen.
Für Deezer ist ein solcher Deal fester Bestandteil des Geschäftsmodells. Das Unternehmen vermietet seinen Katalog und seine Technik an mehrere Partner, die daraus eigene Angebote bauen. Zu den Kunden zählen unter anderem Sonos, dessen Radio-Angebot seit 2023 auf Deezer-Technik läuft, sowie Telekommunikationsanbieter wie Orange und TIM. In Deutschland nutzt RTL die Technik für den Musikbereich von RTL+.
Für Winamp ist es der nächste Versuch, zurück zu alter Stärke zu kommen. Der 1997 veröffentlichte MP3-Player war jahrelang die Nummer 1 auf dem Windows-Desktop, verpasste dann aber den Wechsel ins Streaming-Zeitalter. 2023 baute das Unternehmen den Player zu einer Art Patreon für Musiker inklusive Abo-Bereich für einzelne Künstler um. Das damals ausgegebene Ziel von 250 Millionen Nutzern hat Winamp nicht erreicht.
2024 folgte der nächste Anlauf: Winamp legte den Quellcode des Desktop-Players auf Github offen, allerdings unter einer selbst geschriebenen proprietären Lizenz, die Forks zunächst untersagte. Dieser Schritt brauchte dem Unternehmen vor allem Kritik ein. Hinter der Marke steht die börsennotierte Winamp Group mit Sitz in Brüssel, die bis Oktober 2025 noch Llama Group hieß und zu der auch die Rechteverwaltung Bridger und die Lizenzplattform Jamendo gehören.
(dahe)