Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen sind, wenn sie an die Weimarer Republik denken, küchenpsychologisch drei Großängste eingeprägt: die Angst vor einer Inflation, die Angst vor einer Weltwirtschaftskrise und die Angst vor Minderheitsregierungen. Zwölf von 19 Regierungen der 14 Weimarer Jahre waren nicht von einer Parlamentsmehrheit getragen. Die Parteien der demokratischen Mitte oder besser die Anhänger der Demokratie an sich waren zu wenige, sowie die antidemokratischen linken (KPD) und rechten (DNVP, NSDAP) Ränder am Ende zu stark, um die nötige Stabilität zu gewährleisten. Wer heute den Deutschen also eine Minderheitsregierung schmackhaft machen will, braucht sehr gute Argumente, selbst wenn längst bekannt ist, dass die Minderheitsregierungen zwischen 1920 und 1932 keine Ursache für den Zusammenbruch des Parlamentarismus gewesen sind.
