SZ 26.07.2026
16:05 Uhr

(+) Angriff auf Christopher Street Day: Mutmaßlicher CSD-Attentäter ist tot


In Berlin wird bei einer Terrorfahrt am Rande des Christopher Street Day eine Frau getötet. Der Verdächtige gilt als islamistischer Gefährder, flieht zunächst – und wird bei einem Polizeieinsatz am Sonntagabend erschossen.

(+) Angriff auf Christopher Street Day: Mutmaßlicher CSD-Attentäter ist tot
In der Nähe des Tatorts werden am Tag danach Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Am Samstagabend sind die Menschen in Deutschland von einem mutmaßlichen Terroranschlag in Berlin erschüttert worden. Am Rande des Christopher Street Day raste ein Kleintransporter in eine Menschengruppe. Eine Frau wurde getötet, nach Angaben von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sind 29 weitere Menschen verletzt worden, zum Teil schwer.

Der Tatverdächtige floh zunächst, am frühen Sonntagabend wurde er bei einem Polizeieinsatz in einer Gartenkolonie im Westen Berlins von der Polizei erschossen. Es handelte sich dabei um den 21-jährigen Abdul B., der nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR als islamistischer „Gefährder“ eingestuft ist und bereits als Jugendlicher in der islamistischen Szene Berlins aufgefallen war.

Laut Angaben der Polizei war der Kleintransporter am Samstag gegen 22 Uhr auf den Ahornsteig im Berliner Tiergarten gefahren und hatte dabei mehrere Personen umgefahren, bevor er einen Baum rammte und dadurch gestoppt wurde. Das Fahrzeug befindet sich noch am Tatort. Nach dem Ende der Fahrt ist B. laut Innenminister Dobrindt mutmaßlich mit einer Machete auf weitere Passanten losgegangen und habe diese ebenfalls schwer verletzt.

Der Tatverdächtige B. war nach offiziellen Angaben deutscher Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund. Seine Mutter sei 2002 eingebürgert worden, B. wurde 2005 in Deutschland geboren. Das Fahrzeug soll er über private Kontakte angemietet haben. Im Auto soll ein Mobiltelefon gefunden worden sein, das ihm zugerechnet wird. Bevor er am Sonntag erschossen wurde, soll B. versucht haben, die Polizisten, die ihn festnehmen wollten, mit einer Stichwaffe anzugreifen.

Bis Mai 2026 soll B. wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Straftat in Untersuchungshaft gesessen haben. Er wurde vom Jugendschöffengericht zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, diese ist Dobrindt zufolge zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil war noch nicht rechtskräftig, weil die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte. B. hatte die Auflage, an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen, und wurde nach seiner Freilassung zeitweise vom LKA observiert, außerdem wurde sein Telefon überwacht. Bereits im Februar 2022 war B. wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung verurteilt worden.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach nach dem Anschlag von einer „verachtenswerten Tat“, seine Gedanken seien bei den Opfern, den Familien und Freunden. „Diese Straftäter, diese Extremisten haben in der Mitte unserer Gesellschaft keinen Platz.“ Nach Angaben aus Regierungskreisen nahm Merz an mehreren Lagebesprechungen teil.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach bei einer Veranstaltung in Nordrhein-Westfalen ebenfalls von einem Angriff „auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“. Die Feiernden hätten für ein selbstbestimmtes Leben eingestanden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte im ZDF-Sommerinterview, es sei „zu früh“, um alles beurteilen zu können. Es sei ein Anschlag auf „die Freiheitsidee unseres Landes“, deswegen müsse mit „aller Härte dagegen vorgegangen werden“.

Am Samstagabend wurde der Christopher Street Day gegen 22 Uhr abgebrochen, die Besucherinnen und Besucher wurden gebeten, die Veranstaltung wegen einer „schwierigen Situation“ zu verlassen und nicht Richtung Siegessäule zu gehen. Berlins Regierungschef Kai Wegner (CDU) bedankte sich am Sonntag explizit bei den Organisatoren des Christopher Street Day, die im Rahmen der Krisenlage sehr professionell agiert hätten. Zum Zeitpunkt der Auflösung hätten sich noch Hunderttausende auf dem Festivalgelände befunden. Am Brandenburger Tor fand eine Solidaritätskundgebung statt, Menschen hielten Pride-Flaggen in die Höhe. Am Tatort legten Menschen Blumen ab.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch sagte, er wisse als schwuler Mann, wofür der Tag stehe: „Für Freiheit, für gleiche Rechte, für das Recht, einfach man selbst zu sein. All das wurde in Berlin auf abscheuliche Art angegriffen.“

Die Forderungen nach einem härteren Vorgehen gegen islamistische Gefährder mehren sich. Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm sagte der SZ, es dürfe „keine Milde, keinerlei Verharmlosung gegenüber Islamisten geben“, es müsse „bei jeder einzelnen Entscheidung bei Haft, Abschiebehaft und Präventivgewahrsam heißen: im Zweifel für die Sicherheit der Bevölkerung“, forderte er. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie die IP-Adressdatenspeicherung und die Reform der Nachrichtendienste müssten im Herbst schnell abgeschlossen werden.

Sowohl Wegner als auch Dobrindt wiesen darauf hin, dass das Festivalgelände selbst nicht getroffen worden sei, dieses sei durch die Polizei geschützt worden.

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