SZ 30.07.2026
11:17 Uhr

(+) Autoindustrie: BMW-Gewinn bricht drastisch ein


Der neue BMW-Chef legt seine erste Quartalsbilanz vor – und die fällt ziemlich düster aus. Vor allem China belastet das Geschäft – und schon bald kommen zusätzliche Kosten für den angekündigten Stellenabbau dazu.

(+) Autoindustrie: BMW-Gewinn bricht drastisch ein

Die Welt zerbricht gerade bei BMW. Nicht nur emotional – die Krise der Branche hat inzwischen auch den lange so stolzen Münchner Autokonzern mit Wucht erfasst –, sondern vor allem geografisch. Denn in den USA und Europa laufen die Geschäfte der Münchner eigentlich ordentlich, die Absatzzahlen lagen dies- und jenseits des Atlantiks im ersten Halbjahr deutlich über den Werten des Vorjahres, wie der Konzern am Donnerstag meldete. Und das zweite Quartal war demnach sogar noch stärker als das erste. Zugleich aber bricht das Geschäft am anderen Ende der Welt in dramatischem Tempo weg: Um gut 20 Prozent sanken die Verkaufszahlen auf dem weltweit größten Automarkt China von Januar bis Juni, allein im zweiten Quartal lag das Minus bei etwas mehr als 30 Prozent.

Dieses Auseinanderdriften hinterlässt tiefe Spuren. So sank der Vorsteuer-Gewinn von BMW im ersten Halbjahr auf gut vier Milliarden Euro, fast ein Drittel weniger als noch vor einem Jahr. Die Zahlen seien „nicht zufriedenstellend“, sagte Konzernchef Milan Nedeljković. Zusätzlich zum rasant schrumpfenden Markt in China leide BMW auch unter der Zollpolitik der USA sowie der Verunsicherung durch den Iran-Krieg. So sackte der operative Gewinn im zentralen Konzernbereich Automobile im zweiten Quartal um mehr als 60 Prozent ab; der Konzern verdiente damit an den Autos weniger als an seinen Finanzdienstleistungen.

Und dass es bald besser wird, damit rechnet Nedeljković offensichtlich nicht, im Gegenteil. „Wir wissen, dass der vor uns liegenden Weg harte Arbeit erfordert“, sagte der neue BMW-Chef. Zwar hat der Konzern seine Ausgaben im Automobilbereich im ersten Halbjahr bereits um 900 Millionen Euro reduziert, wie BMW mitteilte. Seine Aufgabe sei es nun aber, weiter Tempo zu machen, so Nedeljković. Dazu gehöre auch, „Kernprozesse und Strukturen, die bisher als unantastbar galten“, anzufassen und „Dinge, die man liebgewonnen hat, wegzulassen“. Es sind Sätze, die sich wohl auch als direkte Kritik an seinem Vorgänger Oliver Zipse lesen lassen. Der hatte sich immerhin noch im März gebrüstet, dass BMW „auf Kurs geblieben“ sei und nun „ideal positioniert, um die Früchte zu ernten“.

Die großen Autokonzerne streichen Tausende Stellen und wollen die Arbeitnehmer mit Abfindungen locken. Wie viel Geld für Beschäftigte drin ist – und worauf man achten sollte.

Der wichtigste Punkt für Nedeljković dürfte nun der anstehende Personalabbau sein: Bereits am Mittwoch hatte er den Beschäftigten ein Sparprogramm vorgestellt, das Management und Betriebsräte ausgehandelt hatten. Rund 8000 Jobs sollen demnach bis Ende kommenden Jahres bei BMW wegfallen, vor allem in Deutschland, vor allem abseits der Werkshallen – und damit wohl vor allem am Stammsitz in München. Dafür werde rund die Hälfte der zuletzt etwa 84 000 Mitarbeiter in Deutschland demnächst ein Abfindungsangebot erhalten. Der Konzern plant dafür allein für dieses Jahr zusätzliche Kosten in dreistelliger Millionenhöhe ein. Wie viel das Programm dann im kommenden Jahr kosten wird, lasse sich noch nicht sagen, hieß es am Mittwoch. „Die Auswirkungen werden ab 2027 sichtbar sein“, so Nedeljković.

Dass auch in den Werken bald Jobs wegfallen und Kapazitäten reduziert werden könnten – so wie es etwa der VW-Konzern vorhat –, schloss der BMW-Chef dagegen weitgehend aus. Die Standorte seien flexibel und „sehr gut ausgelastet“, auch über die kommenden Jahre. „Da mache ich mir die wenigsten Sorgen.“ Und Nedeljković müsste es wissen: Bevor er im Mai zum Konzernchef aufstieg, war der 57-Jährige jahrelang für die Produktion verantwortlich.

Ihre Zukunftshoffnungen setzen sie bei BMW nun vor allem in die Modelle der „Neuen Klasse“. Am Dienstag erst hatte BMW gemeldet, dass vom neuen Elektro-SUV iX3 bereits 50 000 Stück vom Band gelaufen seien, die Vorbestellungen würden zudem bald die Marke von 100 000 erreichen. Anfang Juli hatte Nedeljković zudem im US-Werk in Spartanburg das größere Schwester-Modell X5 vorgestellt, das in gleich fünf Antriebsvarianten gebaut werden soll. Und in diesen Wochen soll im Münchner Stammwerk die Serienproduktion der Elektro-Limousine i3 anlaufen. Zudem sollen Ende des Jahres die ersten China-Modelle der „Neuen Klasse“ auf den Markt kommen – und helfen, sich dem Abwärtssog zu entziehen, so die Hoffnung.

Zugleich wird man im „Vierzylinder“ offenbar zunehmend nervös ob der wachsenden Ambitionen chinesischer Hersteller. „Neue Wettbewerber“ drängten auf den Markt, sagte Nedeljković – und zwar nicht nur in Asien oder Südamerika, sondern auch in Europa. Auf elf Prozent Marktanteil kamen Hersteller aus der Volksrepublik laut einer Auswertung des Center of Automotive Management (CAM) hier im ersten Halbjahr bereits. Und offenbar merken sie in München, dass Marken wie Xpeng, Denza oder Zeekr mit Kampfpreisen auch das Premiumsegment knacken wollen. Zwar sei man von deren Wachstum hier bisher „noch nicht direkt betroffen“, so der BMW-Chef. Aber wachsam ist man doch.

So bestätigte BMW am Donnerstag auch die Prognosen für den Rest des Jahres – diejenigen freilich, die Nedeljković erst vor sechs Wochen in Form einer drastischen Gewinnwarnung herausgegeben hatte: Bei lediglich ein bis drei Prozent soll die operative Marge demnach liegen, auch beim Vorsteuerergebnis werde ein „deutlicher Rückgang“ erwartet. In wenigen Jahren aber, daran hält auch der neue Konzernchef fest, solle die Rendite vor Zinsen und Steuern wieder auf acht bis zehn Prozent steigen. Trotz China und aller anderer Sorgen.

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