SZ 28.04.2026
14:02 Uhr

(+) Dingolfing in Niederbayern: Mutmaßlicher Brandanschlag auf Bürgermeister: Ermittlungen eingestellt


Nach dem Brand seines Dienstwagens finden die Ermittler keine Hinweise auf Täter oder politisches Motiv. Auch ein Zusammenhang mit Drohungen gegen den früheren Bürgermeister Dingolfings wurde untersucht.

(+) Dingolfing in Niederbayern: Mutmaßlicher Brandanschlag auf Bürgermeister: Ermittlungen eingestellt

Der Fall löste deutschlandweit große Bestürzung aus: Im November 2025 trat Armin Grassinger, der Bürgermeister von Dingolfing, überraschend von all seinen Ämtern zurück. Als Grund für seinen Rücktritt führte er Drohungen gegen ihn und seine Familie an, kurz zuvor war sein Dienstwagen ausgebrannt. Vergangene Woche nun hat die Polizei die Ermittlungen eingestellt. Einen Zusammenhang zwischen Grassingers Amt als Bürgermeister und dem Brand konnten die Beamten nicht herstellen.

In einer Mitteilung des Polizeipräsidiums Niederbayern heißt es: „Trotz mehrmonatiger und umfangreicher Ermittlungen wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandlegung (…) ergaben sich weder Hinweise auf einen möglichen Tatverdächtigen noch Hinweise auf eine mögliche politische Motivation.“ Auf Nachfrage der SZ bei der Polizei erklärte ein Sprecher weiter, dass nach derzeitigem Stand weder eine technische Ursache noch ein vorsätzliches Brandgeschehen ausgeschlossen werden. Die bisherigen Ermittlungen hätten jedoch keine Hinweise „auf einen Zusammenhang mit den Amtsgeschäften“ ergeben. Zudem habe sich „kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Brand und den Drohbriefen“ nachweisen lassen.

Neben den zuständigen Fachkommissariaten für Branddelikte war auch der Staatsschutz sowie die digitale Forensik in die Ermittlungen eingebunden. Die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe „Herbstlaub“ umfasste zeitweise zwischen zehn und 15 Einsatzkräfte. Unterstützung erhielten die Landshuter Ermittler zudem vom Bayerischen Landeskriminalamt sowie vom Polizeipräsidium München.

Wenige Wochen vor Grassingers Rücktritt im November 2025 kam es zu einem Brand, bei dem dessen Dienstwagen, eine Scheune und eine Lagerhalle zerstört wurden. Der Schaden wurde auf einen Betrag im sechsstelligen Bereich geschätzt. Die Ermittler gingen zu diesem Zeitpunkt von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Schon zuvor hatte Grassinger immer wieder anonyme Drohbriefe erhalten, die er zur Anzeige brachte. Er teilte damals mit, dass er sich „nach intensiven Gesprächen mit meinem engsten Umfeld“ zu diesem Schritt entschlossen hatte. Grassinger saß seit Mai 2020 für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Chefsessel der 20 000-Einwohner-Stadt in Niederbayern.

Der Landrat von Dingolfing-Landau, Werner Bumeder (CSU), zeigte sich vergangenes Jahr betroffen über Grassingers Rücktritt und hoffte, dass die Verantwortlichen ermittelt werden. Auch der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Markus Pannermayr, sprach von einem Alarmsignal. Beleidigungen und Hetze hätten in der politischen Auseinandersetzung keinen Platz, zugleich seien Kommunalpolitiker zunehmend Anfeindungen ausgesetzt.

Amtsträger und Politiker sehen sich immer wieder mit Anfeindungen, Hetze und teilweise auch Gewalt konfrontiert. 2024 ist die Zahl der Straftaten gegen Amtsträger zwar gesunken – verblieb jedoch auf einem hohen Niveau. Insgesamt registrierten die Behörden im Freistaat 886 Delikte, wie aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Landtags-Grünen hervorging. Im Jahr zuvor waren es 1013 gewesen. Neben Politikern zählen auch Richter, Staatsanwälte und Gerichtsvollzieher zu den betroffenen Amtsträgern. Die Zahl der Gewaltdelikte ging in dieser Zeit von 55 auf 40 zurück.

Julius Herf kümmerte sich als Staatsanwalt in den bayerischen Entnazifizierungsverfahren um die großen Namen. 1950 verlor er nach einer Rufmordkampagne seinen Job.  Eine Spurensuche.

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