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04.07.2026
15:37 Uhr
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Tino Chrupalla wird mit 70 Prozent im Amt bestätigt, Alice Weidel mit mehr als 80 Prozent. Tausende Menschen demonstrieren in Erfurt gegen den Bundesparteitag der AfD. Aktivisten blockierten die Autobahn.

„Ihr werdet uns nicht kleinkriegen“: AfD-Chefin Alice Weidel beim Bundesparteitag in Erfurt. Karina Hessland/REUTERS
Alice Weidel und Tino Chrupalla sind als Parteichefs der AfD wiedergewählt worden. Auf dem Bundesparteitag der in weiten Teilen rechtsextremen AfD in Erfurt stimmten am Samstagmittag 70,05 Prozent der Delegierten für Tino Chrupalla, 81,31 Prozent für Alice Weidel. Damit bestätigten die Delegierten die Parteispitze in ihrem Amt.
Trotz Tausender Menschen, die auf den Straßen in und um Erfurt gegen den Parteitag demonstrierten und versuchten, das Delegiertentreffen zu verhindern, begann die Veranstaltung in der Erfurter Messehalle pünktlich. AfD-Chef Tino Chrupalla eröffnete den Parteitag um kurz nach zehn Uhr. Co-Chefin Alice Weidel richtete in ihrer Rede am Morgen eine Kampfansage an die Protestierenden und die politische Gegenseite: „Ihr werdet uns nicht kleinkriegen! Ganz im Gegenteil, wir werden immer stärker und größer!“, rief sie unter großem Jubel in den Saal. Viele Delegierte schwenkten Deutschland-Fahnen.
Die in weiten Teilen rechtsextreme AfD trifft sich am Samstag und Sonntag zu ihrem 17. Bundesparteitag. Vor den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie der Abgeordnetenhauswahl in Berlin geht es der Partei zwar nach außen um ein Signal der Geschlossenheit. Allerdings galten die Vorstandswahlen als Programmpunkt mit Konfliktpotenzial. Hier zeichneten sich im Vorfeld mehrere Kampfkandidaturen ab – allerdings eher auf den Plätzen hinter Weidel und Chrupalla. Die beiden alten und neuen Parteichefs blieben ohne Gegenkandidaten.
In seiner Bewerbungsrede sagte Tino Chrupalla, die AfD sei „zu einer Volkspartei gewachsen“ und wolle regieren. Er richtete aber auch mahnende Worte an seine Partei. Der Übergang von der Opposition zur Regierung stelle die AfD vor „riesige Herausforderungen“, sagte Chrupalla. Und: Wer den Sumpf trockenlegen will, brauche selbst einen trockenen Keller. „Zuerst das Land, dann die Partei, liebe Freunde“, sagte Chrupalla.
Alice Weidel griff während ihres Auftrittes vor allem Bundeskanzler Friedrich Merz scharf an und bezeichnete ihn als „Vivaldi unter den Regierungschefs“. Was sie damit meinte? „Für alle vier Jahreszeiten eine Reformankündigung.“ Ansonsten wiederholte Weidel die Klassiker des AfD-Programms: Rückkehr zu fossilen Energien, EEG-abschaffen und „rigoros abschieben“.
Verglichen mit den Ergebnissen bei den vergangenen Vorstandswahlen auf dem Bundesparteitag 2024 in Essen schnitt Chrupalla in diesem Jahr deutlich schlechter ab: Damals holte er knapp 83 Prozent der Delegiertenstimmen. Weidel hingegen gewann leicht hinzu.
In und um Erfurt sind seit den frühen Morgenstunden Demonstrantinnen und Demonstranten unterwegs. Die Polizei sprach am frühen Nachmittag von gut 31 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Mehrere Demozüge haben sich am Morgen von der Erfurter Innenstadt auf den Weg in Richtung Messegelände begeben, wo eine große Kundgebung stattfindet.
Das Bündnis „Widersetzen“ hatte im Vorfeld angekündigt, den Parteitag verhindern zu wollen und sämtliche Zufahrtswege zur Messe zu blockieren. Am Morgen blockierten mehrere Tausend Demonstrantinnen und Demonstranten unter anderem die Autobahn 71 sowie die Bundesstraßen 7 und 4, wie die Polizei mitteilte. Außerdem wurden nach Angaben der Polizei ein Büro der AfD in der Erfurter Innenstadt sowie Polizisten mit Pyrotechnik und Farbbeuteln angegriffen. Nach Angaben der Polizei ist die Sitzblockade auf der A71 inzwischen beendet, die Autobahn sei aber noch nicht wieder freigegeben.
Außerdem sind laut Angaben der Polizei zwei Journalisten durch Flaschenwürfe verletzt worden. Das rechte Portal Apollo News berichtete, ein Reporterteam sei in Erfurt von Demonstranten attackiert worden. Ein Reporter sei dabei zu Boden geworfen und getreten worden. Die Polizei konnte den konkreten Vorfall auf Nachfrage der dpa zunächst nicht bestätigen.
Die Chefs Weidel und Chrupalla hoffen auf ihre Wiederwahl, Teile der Partei wollen sich noch weiter den Rechtsextremen öffnen. Und vor der Halle in Erfurt droht der Ausnahmezustand. Fragen und Antworten zum Bundesparteitag der AfD.
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