SZ 01.09.2026
11:02 Uhr

(+) Film: „Ich sehe mich als thüringische Europäerin“


In ihrem neuen Film „Vaterland“ spielt Sandra Hüller Erika Mann, die mit ihrem Vater Thomas durch Nachkriegsdeutschland reist. Ein Gespräch über das Hadern mit der Heimat und den Trost der Kunst.

(+) Film: „Ich sehe mich als thüringische Europäerin“

Ein Sonntagmorgen im Sommer, Sandra Hüller war am Abend zuvor bei der Deutschland-Premiere des Films „Vaterland“ beim Münchner Filmfest zu Gast. Der Film von Paweł Pawlikowski ist in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet worden, er erzählt von einer Reise Thomas Manns zurück nach Deutschland, nach dem Krieg. Er hält Reden zu Goethes 200. Geburtstag, in Frankfurt am Main und in Weimar. Erika, seine Tochter, begleitet ihn. Ein konzentrierter, kluger Film über ein Land nach der Katastrophe, voller Wunden, voller Schuld. Sandra Hüller hält die Tür auf zu ihrem Zimmer im Bayerischen Hof, draußen steht ihr Frühstückswägelchen. Sie beobachtet, das ist ein bisschen einschüchternd. Aber freundlich ist sie, ja hilfsbereit: Man fängt schon mit der ersten Frage an, da sagt sie, aufs bereitliegende Smartphone deutend: „Wollen Sie nicht aufnehmen?“

Über 200 Jahre erkämpfte Deutschland sich ein demokratisches Grundgesetz – dann gab man es her, weil einige glaubten, die Regierung Hitler sei nur ein kurzer Spuk. Was ein Blick bis in die Zeit Goethes uns über die Gegenwart lehrt.

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