SZ 28.07.2026
17:32 Uhr

(+) Fußball-Weltverband: Fifa will WM teilweise an private Investoren verkaufen – Uefa erwägt wohl Boykott


Fifa-Präsident Gianni Infantino plant, Anteile der Männer-, der Frauen- und der Klub-WM an private Investoren abzugeben – mit Hilfe aus dem Trump-Umfeld. Die Uefa reagiert entschieden.

(+) Fußball-Weltverband: Fifa will WM teilweise an private Investoren verkaufen – Uefa erwägt wohl Boykott
An den Plänen von Gianni Infantino (li.) ist Berichten zufolge auch der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn interessiert. Technologie-Investor Joshua Kushner will wohl mit seinem Fonds einsteigen. Jose Breton/NurPhoto/Imago

Fifa-Präsident Gianni Infantino plant, dass der Fußball-Weltverband Anteile an Weltmeisterschaften an private Investoren veräußert. Hierfür soll ein Unternehmen namens Fifa Forward Enterprise (FFE) gegründet werden, das die kommerziellen Rechte an den wichtigsten Fifa-Wettbewerben übernimmt: Neben der Männer-WM betrifft das auch die Frauen-WM und die Klub-WM. Einen entsprechenden Bericht der Times bestätigte die Fifa am frühen Dienstagabend.

Die Fifa beteuerte, sie würde nach der Gründung eines solchen Unternehmens, der Kongress und Council zustimmen müssen, Mehrheitsgesellschafter bleiben. Nach ihren Angaben sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an der neuen FFE erwerben können. Laut Times soll es auch den 211 Fifa-Mitgliedsverbänden ermöglicht werden, Anteile zu erhalten, die sie entweder behalten oder verkaufen können. Ein solcher Deal könnte den Druck erhöhen, das Teilnehmerfeld einer WM weiter auszubauen oder die WM häufiger als bisher auszutragen, um den Gewinn zu steigern.

Fifa-Präsident Gianni Infantino soll vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses aussagen sowie die gesamte Kommunikation mit der Trump-Regierung offenlegen.

Die Europäische Fußball-Union Uefa reagierte mit scharfer Kritik auf das angebliche Vorhaben. Nach SZ-Informationen soll morgen Nachmittag ein (digitales) Dringlichkeitstreffen aller europäischen Nationalverbände stattfinden, um über weitere Reaktionen auf die Pläne zu beraten. Laut anderen Medien wie Sky, ESPN und Bloomberg könnte dort auch über einen möglichen Boykott der Weltmeisterschaft gesprochen werden.

„Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, teilte der Europa-Dachverband mit. Die Uefa nehme die Sache sehr ernst. „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsware – erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiert. Niemand von uns ist Eigentümer des Fußballs. Er steht der Fifa nicht zum Verkauf“, hieß es in dem Statement weiter.

Enorme Bedenken kommen aber auch vom Nord- und Mittelamerikaverband Concacaf. Insbesondere den aus ihrer Sicht intransparenten Prozess rückt man dort in den Fokus: „Wir sind zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens“, teilte die Concacaf, zu der auch die Karibik gehört, dem englischen Guardian mit.

„Als Führungskräfte im Fußball sind wir die Hüter des Sports“, hieß es zudem in der Erklärung, „gemeinsam tragen die Fifa, die Konföderationen und jeder Mitgliedsverband die Verantwortung, stets im besten Interesse des Sports zu handeln.“ Jede Entscheidung müsse von guter Führung, soliden Prozessen und langfristiger Verantwortung geleitet sein, erklärte der Verband, „dies ist der Rahmen, innerhalb dessen die Concacaf agiert. Wir vertrauen darauf, dass alle innerhalb der Fifa-Familie in gleicher Weise handeln werden.“

In die Fifa-Pläne sind nach den Recherchen der Times auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Donald Trump einbezogen worden. Die Fifa bestätigte, dass die Holding Thrive Eternal von Technologie-Investor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet ist, die vorgeschlagene Investorengruppe für FFE führen soll. Die Investitionspläne würden bereits seit mehreren Monaten vorbereitet und müssten noch genehmigt werden, hieß es. Die Fifa arbeite bei ihren Plänen mit der Investmentbank JP Morgan zusammen.

Ein solcher Deal hätte auch Auswirkungen auf Infantinos Aufgaben bei der Fifa: Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte der 56-Jährige nach dem Ende seiner bis 2031 erwarteten letzten Amtszeit als Fifa-Präsident das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten. Ähnliche Pläne hatte Infantino schon im Jahr 2018 verfolgt, als er für die Klub-WM und eine weltweite Nations League einen Milliarden-Deal unter Beteiligung saudi-arabischer Investoren anstrebte. Dieses Geschäft erhielt innerhalb der Fifa aber keine ausreichende Unterstützung und kam daher nicht zustande. An der Spitze eines privaten WM-Unternehmens könne Infantino ein hohes zweistelliges Millionengehalt pro Jahr erwarten, heißt es.

Mbappé, Haaland, Kane und allen voran Messi haben diese Weltmeisterschaft geprägt. Aber das wahre Vermächtnis dieser WM wird nach Trumps Eingriff sein, dass man jetzt alles und damit nichts mehr glauben kann.

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