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23.04.2026
11:10 Uhr
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In China kann man sich für Geld einsperren lassen und kommt erst wieder raus, wenn die Pfunde runter sind. Eine Idee, die auch hierzulande Schule machen sollte.

Zumutung für Leib und Leben, so ein Dasein in der Demokratie. J. D. Vance hatte wirklich keinen blassen Schimmer, als er damals in München den Zustand des demokratischen Europas so beschrieb: „Was mir Sorgen bereitet, ist die Bedrohung von innen.“ Ach, wäre es nur so! Wo die Wahrheit doch lautet: Innerhalb des lässlich weit gesteckten Rahmens des Gesetzes ist hierzulande jede Tollheit erlaubt, wobei uns besonders die Bedrohung aus jenem Inneren zu schaffen macht, wo der Schweinehund hausiert und treibt, was er will.
Kürzlich erst haben wir beim Netflixen wieder eine ganze Packung Kartoffelchips aufgefressen. Auf halbem Weg natürlich der Hoffnungsblick unters Sofa; dort lag aber keiner, der uns die Völlerei verboten hätte. Ebenso wenig eilte ein Spezialeinsatzkommando mit Handschellen und Zwangsjacke zur Tür herein, als wir spontan entschieden, das Jivamukti-Yoga für diesen Abend sausen zu lassen. Der für viel Geld angeschaffte Fitness-Tracker: Hat er, als die Schrittfrequenz ab Jogging-Kilometer 10 schleppender wurde, mit erst zarten und dann nachdrücklicher werdenden Stromstößen auf diese Unbeherrschtheit aufmerksam gemacht?
Da loben wir uns die Diktatur. In China kann man sich für schlappe 600 Dollar 28 Tage lang in ein „Weight Loss Camp“ sperren lassen. Im Diät-Knast beginnt der Tag um halb acht mit Obst und Gurke und beinhaltet nicht unter vier Fitness-Einheiten, gekrönt vom abschließenden Gemeinschafts-Spinning. Wer abends auf der Waage nicht mindestens ein halbes Kilo verloren hat, schleicht als Verlierer in allen anderen Belangen aufs Zimmer.
Ja und, mag der eine oder die andere abwinken: Hüpfklassen und Gürkchen vom Sterne-Chef hab ich beim Slimming im Tegernseer Luxus-Retreat auch, sogar für das 28-Fache des Preises! Denkste. Diät-Knast in China bedeutet: Strafeinheiten, wenn du beim Hüpfkurs nur so halb hüpfst, martialischer Gemeinschafts-Dorm statt Suite mit Seeblick, vorzeitiges Ausbrechen vertraglich verboten. Die Reporterin der BBC hat sich vor Staunen nicht mehr eingekriegt, als sie eine ehemals übergewichtige Content-Kreatorin interviewte, die aus Australien unter die Fittiche von Big Brother China geflohen war und Content kreiert hatte: Wirklich, sechs abgeworfene Kilogramm in vier Wochen?! Wobei diktatorisch festzuhalten ist: Da wäre mehr drin gewesen.
Nicht auszudenken, wozu die freiheitsverzärtelten Europäer imstande wären, wenn das Beispiel Weight Loss Camp auch hierzulande Schule machte. Wir denken da etwa an die deutsche Wirtschaft (CEO-Knast bis zur Verdoppelung des Umsatzes) oder an die Koalition in Berlin (Kabinettknast im Kanzleramt, bis Lars Klingbeil und Katherina Reiche Freundschaftsarmbänder tauschen). Persönlich träumen wir schon lange von einem Kolumnisten-Knast, in dem SZ-Kolumnisten so lange an die Tastatur gekettet werden, bis die Kolumne fertig ist und nicht unter fünf Gags enthält. Wer sich vor Erreichen des Ziels von seinem Arbeitsplatz entfernt, wird mit „Achtung, Reichelt!“ nicht unter drei Stunden bestraft.
Die verängstigte Frau im öffentlichen Raum ist spätestens seit der „Stadtbild“-Debatte allgegenwärtig. Unsere Autorin hat ganz andere Erfahrungen gemacht und ist überzeugt: Die Angst-Erzählung schadet den Frauen – und nützt anderen.
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