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01.09.2026
16:10 Uhr
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Nach einem enttäuschenden Jahr in Newcastle wechselt Nationalstürmer Nick Woltemade zu Juventus. In Turin soll er es besser machen als prominente Vorgänger.

Weiterhin in Schwarz-Weiß: Für Stürmer Nick Woltemade geht es von Newcastle zu Juventus Turin.
Every Second Media/Imago
An neue Farben muss sich Nick Woltemade immerhin nicht gewöhnen. Schwarz-weiße Längsstreifen zieren nicht nur das Trikot von Newcastle United, sondern auch jenes von Italiens Rekordmeister Juventus Turin, das Design hatten sie einst zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom englischen Klub Notts County übernommen. Seitdem sind die Turiner als Bianconeri bekannt, im Juventus-Museum im Stadion kann man die ganze Geschichte detailliert nachlesen. Vielleicht ergibt sich für den neuen Stürmer der Juve in den kommenden Wochen ja die Gelegenheit für eine solche Museumstour. Dann, wenn endlich Ruhe einkehrt nach dem Ablauf der Transferfrist, an deren Ende mal wieder der 1,98 Meter große Deutsche die internationalen Schlagzeilen bestimmt.
Am 30. August 2025 war Nick Woltemade nach wochenlangen Debatten für eine sehr hohe Summe nördlich der 70-Millionen-Marke vom VfB Stuttgart zu Newcastle United gewechselt. Und nun, am 1. September 2026, ist Woltemade erneut gewechselt: per Leihgeschäft diesmal, nach Italien zu Juventus Turin. Und während die Trikotfarbe weitgehend gleich bleibt, verändern sich die Umstände in der Karriere des 24-Jährigen auf bemerkenswerte Art und Weise. Schon wieder.
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Im vergangenen Jahr erzählte der Woltemade-Transfer die Geschichte eines Aufstiegs. Nur ein Jahr beim VfB Stuttgart und eine hervorragende EM mit der deutschen U21 hatten damals ausgereicht für den großen Sprung. 2024 hatte Werder Bremen den Stürmer ablösefrei zum Ligakonkurrenten VfB ziehen lassen, zwölf Monate später stritten sich zwischen München, Tegernsee, Stuttgart und Großbritannien mehrere Vereinsbosse öffentlich um die Höhe der Zig-Millionen-Ablöse, auch Lothar Matthäus stritt mit. Am Ende entschied sich Woltemade für das vom saudi-arabischen Staatsfonds PIF finanzierte Newcastle United und legte dort mit beachtlicher Schaffensfreude los.
Bis ein Knick folgte: So wie Newcastle im Verlauf der Saison seinen Rhythmus verlor, so verlor ihn auch Woltemade. Irgendwann auf derart dramatische Art und Weise, dass ihn im Februar einer der vielen lautstarken britischen Pundits zum „schlechtesten Transfer der Premier-League-Geschichte“ erklärte.
Es war ein Zwischenfazit, das Woltemade bis zum Saisonende nicht mehr loswurde. Da half auch die sachliche Argumentation nicht, dass er in Newcastle auf Positionen ausweichen musste, die für ihn mehr als ungewohnt waren. Und so wie der U21-Sommer 2025 brillant verlaufen war, so wurde der WM-Sommer 2026 mit der A-Nationalmannschaft ein Debakel: Woltemade spielte nur wenige Minuten, verschoss einen Elfmeter beim Sechzehntelfinal-Aus gegen Paraguay und bekam in deutschen Boulevardmedien im Nachhinein noch einen Tritt, als er die WM als „geiles learning“ bezeichnete, in einem Sponsorengespräch mit Thomas Müller.
Von alldem war am Dienstagmorgen in italienischen Medien nichts zu lesen. „Die Welt von Woltemessi“, titelte die Gazzetta dello Sport lieber. Woltemades Spitzname aus dem vergangenen Jahr war Teil der üblichen Begrüßungslorbeeren, die in Italien gerne an prominente Zugänge der Serie A verteilt werden. Doch auch bei Juventus Turin kann ein scharfer Gegenwind aus den Alpen wehen, wovon unter anderem Woltemades Vorgänger berichten können. Der Stürmer Dusan Vlahovic etwa, einst für fast 80 Millionen Euro verpflichtet, der inzwischen bei Besiktas Istanbul spielt. Oder der Kanadier Jonathan David, dessen Wechsel zu Atlético Madrid erst den Weg frei machte für Woltemade. Vor einigen Tagen, beim 2:0 gegen Parma, wurde David für einen spektakulären Fehlschuss ausgepfiffen, von einem bisweilen unerbittlichen Publikum. Die Fans sehen Juventus immer noch als Macht im europäischen Fußball an, auch wenn der Klub in diesem Jahr nur in der Europa League spielt.
In Turin spielt Woltemade ab sofort bei einem Verein mit großer Vergangenheit und allerhöchsten Ansprüchen, aber einer Zukunft voller Fragezeichen. Trainer Luciano Spalletti, seit dem vergangenen Herbst im Amt, hat es bislang nicht geschafft, seine Mannschaft auf konstant hohes Niveau zu heben. Der Transfersommer war geprägt von einigen Unwägbarkeiten, ein klarer Plan war nicht immer erkennbar, obwohl die finanziellen Möglichkeiten weiterhin groß sind dank der wohlhabenden Eigner-Familie Agnelli und dem Konzern Stellantis im Hintergrund.
Nun sollen unter anderem zwei Offensivspieler Teil des Rettungs- und Aufbauprogramms sein, die gar nicht mal unähnliche Karrierewege gegangen sind. Ein potenzieller Sturmpartner für Woltemade wird Randal Kolo Muani sein, einst als Sensation bei Eintracht Frankfurt nach nur einem Jahr Bundesliga für viel Geld verkauft, dann gefangen in einer Spirale aus Leihgeschäften und schlechten Leistungen. Kolo Muanis Traum war es damals nicht, mit Juventus Europa League zu spielen, sondern mit Paris Saint-Germain die Champions League zu gewinnen. Woltemades Plan war bis vor wenigen Wochen noch, die Herausforderung in Newcastle unter dem neuen deutschen Trainer Matthias Jaissle anzunehmen, wie aus dem Umfeld des Spielers zu hören ist. Am Dienstag allerdings brachte ihn ein Jet nach Norditalien, in die neue Welt von Woltemessi. Zum nächsten Kapitel einer Karriere, die bisher von einem steilen Anstieg und von einer ernüchternden Erfahrung in England geprägt war.
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