SZ 20.09.2026
09:51 Uhr

(+) Promis auf dem Oktoberfest an Tag 1: Cavanis schlägt zu, die Geissens ganz zahm


Günter Netzer findet einen Partner zum Fachsimpeln über Fortuna Düsseldorf, Nicola Cavanis rettet ihre Schürze und Oliver Pocher serviert Blumen. Die Wiesn-Promis am Samstag.

(+) Promis auf dem Oktoberfest an Tag 1: Cavanis schlägt zu, die Geissens ganz zahm

Ob sich die beiden Herren wohl über Fortuna Düsseldorf unterhalten? Günter Netzer, am Samstagabend mit seiner Frau Elvira im Schützenzelt, war ja einer der führenden Raumdeuter der deutschen Nationalsportart Fußball, während der Mann neben ihm sich auf andere Läufe versteht, und zwar die am Bass. Andreas Meurer ist Bassist der aus Düsseldorf stammenden Toten Hosen und damit dem Traditionsclub, der aktuell in der Dritten Liga spielt, sehr verbunden. Die Band rettete einst den Verein sogar vor der Insolvenz. Ein anderes mögliches Gesprächsthema wäre die Borussia aus Mönchengladbach, das ist Netzers Herzensverein. Erfreuliche Themen sind das allerdings nicht: Die Fortuna kickt nur noch in der Dritten Liga, die Borussia ist Letzter in der Bundesliga. Dieser Sonntag bringt aber noch mehr Fußball-Glamour: Der in München heimische aktuelle Deutsche Meister wird an diesem Sonntag wieder auf dem Oktoberfest erwartet, in Mannschaftsstärke.

Auch hier geht es um Fußball und Bier, auch wenn das auf diesem Bild nicht gleich ersichtlich ist. Nicola Cavanis, Model und Freundin von Ex-Kicker Mats Hummels, posiert am Samstagmorgen auf dem Dach des Bayerischen Hofs, wo traditionell der Schmuckhersteller Tiffany zum Frühstück lädt, ehe man die Gäste zum Oktoberfestanstich bringt. Cavanis hatte die Ehre, das erste Fass im Schützenzelt anzuzapfen, wofür sie drei Schläge brauchte und nur etwa einen Liter Bier verspritzte.

Die Geissens vor einer Kamera, das ist so wie eine Mass Bier im Bierzelt. Die Familie gibt es seltener ohne ein aufzeichnendes Medium als mit. Und da es bei der Familie, die seit Jahren ihr Luxusleben im TV vermarktet, besonders zugehen sollte, sind hier auch die Insignien der Wohlhabenden zu sehen. Schmuck ohnehin, dazu aber auch personalisierte Gefäße, in denen sich eher kein Bier, sondern mutmaßlich Champagner befindet. Ob da gefeiert wird, dass ihr Leben in Zukunft nicht mehr von RTL 2, sondern von Pro7 begleitet wird? Fast beruhigend ist da die Mimik von Tochter Davina Geiss, 23, zwischen ihren Eltern Robert und Carmen. Die ist ganz so wie bei Normalos, wie man eben schaut, wenn man in dem Alter noch mit den Eltern zusammen auf die Wiesn gehen muss.

Es gibt Dinge, die können selbst Legenden nicht haben. Und sogar Bayern-Legenden nicht. Die haargenaue Analyse dieses Bildes zeigt klar und deutlich: Giovane Élber, seines Zeichens früherer Weltklasse-Stürmer in den Diensten des FC Bayern, ist noch vor dem Anstich im Paulaner-Zelt. Keine Mass weit und breit zu sehen, dafür Élber in bester Christus-Pose, wie sie das Wahrzeichen von Rio nicht besser könnte. Aber es gibt hier keine Extrawurst. Bier ab 12 Uhr, vorher nur Fotos. Was will uns der Mann auf diesem sagen? Vielleicht: Wo ist die Fotografentraube, die mich früher oft umgeben hat? Am wahrscheinlichsten ist aber eher, dass er seinen Spezl gerade wieder getroffen hat, mit dem er seit gestern Nachmittag am Eingang gewartet hat, um morgens gleich ins Zelt zu kommen.

Dies ist kein dystopisches Wiesn-Mode-KI-Bild für das Oktoberfest 2036. Nein, so geht man offenbar schon heute auf ein Volksfest. DJ Ötzi ist dabei ja noch ganz harmlos unterwegs, das Umhängeband weist ihn als Zugehörigen der hiesigen VIP-Kaste aus, zu welcher auch immer. Und kein Wunder, dass der Mann ein Handtuch braucht, wenn man mit Mütze zum Zelt marschiert. Da kommt er dem offenbar live-sendenden Abfahrts-Skifahrer mit Ansteckmikro gerade recht. Wahrscheinlich telefonieren sie gerade mit irgendeinem Anton aus Tirol, Trainingspartner vom Ski-Ass. Leoparden-Jacke: „Hey, das ist der, der das Lied für dich geschrieben hat.“ Ötzi: „Hi Anton, kannst du deinen Freund fragen, warum er einen Rückspiegel im Gesicht hat?“

Irgendein Bodybuilder muss offenbar jedes Jahr als Maskottchen den Wiesn-Start im Marstall-Zelt begleiten. Und wenn Arnold Schwarzenegger ausnahmsweise mal nicht kann, weil er auf Kuba auf einem Zigarren-Retreat sein muss, dann kommt eben sein Body-Buddy Ralf Möller, 67. Die beiden sind eng befreundet, das ist bekannt. Der Beziehungsstatus zu Laura Engelmann, 25, eher noch nicht. Der Boulevard führt sie als seine Freundin. Engelmann war Polizistin, ehe sie die Polizei verließ, um als Model zu arbeiten. Nun sind sie ja auf dem Oktoberfest, einer zweiwöchigen Veranstaltung, die schon Hunderttausende Beziehungsstatus verändert hat. (Doch, so schreibt man den Plural von Beziehungsstatus.)

Wenn es eine Ausnahme zur oben genannten Beziehungsstatus-Regel gibt, dann natürlich die von Marianne und Michael, die nach Fix und Foxi vielleicht das berühmteste noch lebende Namenspaar sind, zumindest an diesem Samstag auf dem Oktoberfest. Die Freude in ihren Gesichtern wirkt aufrichtig und authentisch. Darüber, dass sie wieder im Schottenhamel, also im Chef-Zelt des Anstichtages, feiern dürfen. Und vielleicht auch darüber, dass sie noch immer von den Fotografen erkannt und abgelichtet werden, obwohl die Konkurrenz aus dem Trash-TV-Sektor seit Jahren härter wird. Aber von ihnen stammt nun einmal eine der 78 offiziellen Wiesn-Hymnen: „Jung san ma, fesch san ma“.

Da kann einer wohl nicht aus seiner Moderatorenrolle. Einem Model zeigen, in welche Kamera es nun schauen soll? Das ist wie Eulen nach Athen oder VIP-Bändchen ins Käferzelt tragen. Florian Silbereisen macht es trotzdem für Anna Ermakova. Der Schlager-Moderator und die Boris-Becker-Tochter posieren auf dem Balkon, der auf dem gesamten Festgelände der mit Abstand meistfotografierte Ort ist. Bavaria im Hintergrund, Käferzelt vor Augen, da wird es noch einige Bilder und Posts geben. Am Ende werden vielleicht sogar die Geranien noch berühmt.

Bildinterpretation wird im ersten Semester eines jeden Klatschreporterstudiums gelehrt, und dieses Motiv ist ein gefundenes Fressen. Zum einen gibt's offenbar für Moderatorin Andrea Kaiser und Moderator Oliver Pocher kein gastronomisches Angebot in der Wildstuben, man muss die armen Nelkenblätter abgrasen. Zum anderen wird angeknabbert, aber was sonst wiesnstatistisch oft eher die Männer bei den Frauen versuchen, geschieht hier andersherum. Kaiser begegnet der Blumengeste ihres Moderatorenkollegen mit einer interessanten Reaktion. Die rote Nelke, die immerhin auch unter anderem für Zuneigung stehen soll, wird von Kaiser nicht angenommen, sondern weggeschnappt. Oder ist es doch eher ein Anbeißen?

Claudia Obert, Reality-TV-Größe und Unternehmerin, hat schon gewagtere Posen gezeigt auf dem Oktoberfest. Wobei es ja erst Tag eins ist. Vor zwei Jahren führte Obert in Vollendung vor, wie man die Wiesn zur Klarstellung nutzen kann. Sie schnappte sich ihren jugendlichen Freund Max Suhr, der damals 27 Jahre jünger war und es mutmaßlich noch heute ist, stellte sich vor die Geranien, die längst einen eigenen Insta-Account verdient hätten, und küsste ihn, als müsse ein Kaugummi mündlich übergeben werden. Diesmal starten die Klatschfotografen-Dompteurinnen Obert und Freundin und Moderatorin Verena Kerth ganz gemäßigt.

Die Antwort auf so eine Frage könnte selbst einen über Jahrzehnte geübten Oktoberfest-Profi wie Franz Herzog von Bayern wohl interessieren, der neben Lahav Shani und einem Brotzeitbrett Platz gefunden hat: Die Frage der dpa an den neuen Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker lautete, ob er dem Mix aus Schlagern, Blasmusik und Party-Hits wirklich etwas abgewinnen kann? Die Antwort an die Kollegen: „Privat höre ich Beethoven.“ Gut, das machen wahrscheinlich doch viele andere auch, nur eben nicht in einem Bierzelt. Es hört ja auch niemand im Konzertsaal DJ Ötzi, also bis auf den Skifahrer vielleicht.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir den Plural von Status falsch geschrieben, das haben wir korrigiert.

Sie filmen heimlich unters Dirndl und stellen die intimen Aufnahmen auf Onlineplattformen: Allein beim Facebook-Konzern Meta sind 32 000 derartige Clips zu finden. Über die bislang unbekannte Dimension der Vorfälle auf dem Teufelsrad – und die Masche, mit der Profit gemacht wird.

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