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12.08.2026
15:22 Uhr
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Am Deutschen Museum in München warten die Menschen in einer Riesenschlange auf das Accessoire der Stunde. Für alle, die nichts bekommen, gibt es eine Hintertür.

Vor dem Deutschen Museum in München hielten sogar die Radfahrer an und fragten sich: Was ist denn hier los? Gibt es hier etwas umsonst? Auch Gerrit Faust war überrascht von dem, was sich vor dem Haus abspielte. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte der Pressesprecher des Museums. Die Schlange reichte über die Ludwigsbrücke bis hinunter zum Radweg in der Zeppelinstraße, berichtet er. Schon um 8.45 Uhr standen Menschen für die Sonnenfinsternis-Brillen an, so Faust.
Mehr als 2500 Brillen wollte der Shop heute noch mal verkaufen – und die Leute pilgerten in Scharen in die Stadt. Florian Simet ist extra aus Rosenheim nach München gefahren. „Dort gibt es nirgends mehr die Brillen, und ich hoffe, dass ich hier noch etwas bekomme“, sagt er. Dazu hat er die Leute vor sich grob gezählt: Sollte passen. Abends will er sich die Sonnenfinsternis dann am Chiemsee anschauen.
Andere in der Schlange wollen von 5000 Brillen erfahren haben, die es hier noch gibt. Ganz so genau weiß es keiner, aber bevor man das Spektakel am Himmel wegen fehlenden Augenschutzes verpasst, lieber stundenlang anstehen.
Ein Doppelpack Brillen, CE-Kennzeichen, das Online-Angebot klingt super. Einziger Haken: Schnellste Lieferung ist nächsten Dienstag. Was brillenlose Kurzentschlossene noch probieren können.
„Hier wird auch vorn kontrolliert, dass sich niemand vordrängelt“, weiß Petra aus München, die seit eineinhalb Stunden ansteht und es immerhin schon bis zur Mitte der Brücke geschafft hat. Das Ziel ist nun in Sichtweite. Amerikaner laufen vorbei, fragen sich, was denn hier los ist. Und eine Frau ruft ins Telefon: „Also für alle kann ich jetzt keine Brillen mehr besorgen!!“
Jennifer Leiphold gehört auch zu den Kurzentschlossenen, die sich nicht schon vor Wochen um das nötige Material gekümmert haben, „Ich habe meine Hausaufgaben nicht rechtzeitig gemacht“, sagt sie lachend. Falls sie nun doch noch zwei Brillen ergattert, möchte sie die Sonnenfinsternis aus ihrer Wohnung im zehnten Stock verfolgen. Einen zweiten Massenauflauf zum Beispiel am Olympiaberg erspart sie sich damit auf jeden Fall.
Auch an anderen Orten in der Stadt standen die Menschen Schlange in der Hoffnung, noch eine Sofi-Brille zu ergattern – etwa in der Weißenburger Straße nahe dem Ostbahnhof. Bei einem Optiker gab es noch Brillen, die Schlange der Wartenden reichte bis auf den Orleansplatz.
In Pasing standen die Menschen ebenfalls Schlange, um die speziellen Brillen zu kaufen. Dort konnte man noch welche in einem Laden namens Oberhammer ergattern, der normalerweise Jagdartikel verkauft. Wer mehr als nur eine Brille kaufen wollte, bekam Mengenrabatt. „Wir hatten gestern Abend gezählt und noch 28 000 Stück auf Lager. Jetzt kann ich nur schätzen, vielleicht ist die Hälfte weg“, sagte der Geschäftsführer des Ladens am Mittwochnachmittag. Auch die Polizei musste aufgrund des hohen Andrangs anrücken, da einige Kunden im Halteverbot geparkt hatten.
Auch halb Berlin scheint auf Schutzbrillen-Jagd zu sein. Vor dem Zeiss Großplanetarium in Prenzlauer Berg bildete sich eine lange Schlange. Acht Minuten dauerte es, die Schlange zügig abzulaufen. Deutlich mehr Zeit mussten diejenigen einplanen, die sich in die Schlangen gestellt haben, um noch eine der kostenlosen Brillen für die Sonnenfinsternis am Abend zu ergattern.
In vielen Münchner Apotheken, die zum Teil auch Brillen im Angebot hatten, sind sie ebenfalls ausverkauft. Wer keine Schutzbrille mehr bekommen konnte, muss zwar live, aber nicht im Fernsehen auf das Spektakel verzichten. Einige Sender übertragen die Sonnenfinsternis in Sondersendungen, neben privaten Sendern wird auch das ZDF übertragen: von 20 Uhr an im Streaming unter sonnenfinsternis.zdf.de, ab 20.15 Uhr auf 3sat und im ZDF selbst zwischen 20.25 und 20.35 Uhr. Alternativ kann man auch auf den Youtube-Kanal „Terra X Lesch & Co“ gehen.
Zum ersten Mal seit 27 Jahren ist wieder eine totale Sonnenfinsternis in Europa zu sehen. Hierzulande kommt es auf den Standort an, ob man überhaupt etwas beobachten kann. Worauf man achten sollte.
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