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26.07.2026
20:05 Uhr
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Wie kann man eine Tour de France kommentieren, in der Tadej Pogacar alles dominiert und Doping unweigerlich zum Thema wird? ARD und Eurosport zeigen: indem man nicht nur auf die Gewinner schaut.

Da lief es noch: Der deutsche Florian Lipowitz bei der 16. Etappe der Tour de France 2026. Anne-Christine Poujoulat/AFP/dpa
Schon nach der Pyrenäen-Etappe in der ersten von drei Wochen der Tour de France ließ sich Eurosport-Experte Robert Bengsch zu der Äußerung hinreißen, die Tour sei entschieden – der Slowene Tadej Pogacar gewann den Abschnitt souverän. So mancher Radsportfan hielt kurz die Luft an: Wie konnte dieser Mann, der mit seiner faszinierenden Liebe zum Detail jede taktische Situation der Mannschaftssportart Radfahren analysiert, laut aussprechen, was viele nicht hören wollten – und doch selbst dachten?
Wie bringt man Spannung in die Livereportage einer Tour de France, die nach der ersten Bergetappe schon entschieden zu sein scheint? Und wie umgehen mit dem Dopingverdacht, der über dem Peloton liegt? Wer in diesen Tagen das wichtigste Radrennen der Welt kommentiert, sieht sich einigen Herausforderungen ausgesetzt. Und zwar in einem Ausmaß, das vielleicht an jenes der Jahre heranreicht, in denen der systematisch gedopte Lance Armstrong siebenmal am Stück siegte. Das hat damit zu tun, dass mit Pogacar derzeit ein Mann die Tour ähnlich dominiert wie der Amerikaner, sie an diesem Sonntag zum fünften Mal gewann - und damit genauso oft wie Jacques Anquetil, Eddy Merck, Bernard Hinault und Miguel Indurain.
Es ist ein kaum aufzulösendes Dilemma: Was bringt es, verdächtige Leistungen jedes Mal unter Dopingverdacht zu stellen, solange es keine Beweise gibt? Pogacar raste bei seinem fünften Etappensieg in Rekordzeit nach Alpe d’Huez hinauf – unterbot die Bestmarke des Italieners Marco Pantani aus der Hochzeit des Dopings um mehr als eine Minute. Als Pogacar sich anschickte, die drei führenden Fahrer einzuholen, um sie kurz vor Ende abzuhängen, war Ex-Profi Fabian Wegmann und Kommentator Florian Naß (ARD) anzumerken, wie zerrissen sie waren zwischen der Show des Slowenen und der Hoffnung, es möge einer der drei Ausreißer den Vorsprung ins Ziel retten.
Für die Sommerinterviews ging das Fernsehen traditionell ins Freie – und suchte die Politiker an ihrem Ferienort auf. Inzwischen leidet das Urlaubsfeeling. Nicht nur, weil die ARD ihre Gespräche ins Studio verlegt hat.
Auch wenn Pogacars Sieg in der Gesamtwertung nie gefährdet wirkte, gelang es den Kommentatoren, die Zuschauerinnen und Zuschauer mit ihrer Begeisterung abzuholen. Jede Etappe ist ein Rennen für sich, und jeder Etappensieg bedeutet unendlich viel, gerade für jene Mannschaften, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben wie Pogacars UAE-Emirates-Team oder die Mannschaft Red Bull-Bora-Hansgrohe des deutschen Topfahrers Florian Lipowitz.
Das Thema Doping kam in der Livereportage immer wieder am Rande zur Sprache – wenn auch meist mit Bezug zur Vergangenheit. Natürlich schien immer wieder die Sehnsucht nach einer Neuauflage des einzigen deutschen Tour-Triumphs von Jan Ullrich im Jahr 1997 durch. Kurz vor seinem schweren Sturz raste Lipowitz über Asphalt, den Fans mehrfach mit dem riesigen Schriftzug „ULLE“ verziert hatten.
Wenige Tage zuvor hatte die ARD ebenjenen Jan „Ulle“ Ullrich interviewt. Moderator Michael Antwerpes stellte einem gut gelaunt und befreit wirkenden Ullrich, der zum ersten Mal seit seinem Karriereende die Tour besuchte, gleich vier Fragen zu den Fehlern seiner Vergangenheit. Es war ein journalistischer und sehr verzeihlicher Trick, die Problematik mit einem prominenten Kronzeugen ins Programm zu bringen. Auch Eurosport, wo der ebenfalls geständige Dopingsünder Rolf Aldag als Experte arbeitet, widmete dem Thema einen Teil einer Diskussionsrunde. Kommentator Karsten Migels sagte, er würde auch heute für keinen Profi die Hand ins Feuer legen. Jens Voigt, vom ehemaligen Armstrong-Teamkollegen Tyler Hamilton des Dopings verdächtigt, wenngleich er nie positiv getestet wurde und alle Vorwürfe stets bestritt, sagte, er glaube zumindest nicht, dass heute noch systematisch gedopt werde.
Wenn nun alle ständig unter Dopingverdacht stehen müssen, warum überhaupt übertragen? Vielleicht, weil die Tour mehr zu bieten hat als Rekorde. Das gelbe Trikot war früh vergeben, die Plätze dahinter waren allerdings umkämpft, genauso wie das grüne Trikot des besten Sprinters und das gepunktete für den besten Bergfahrer. Dass diesen Sport ohnehin nicht nur die Sieger prägen, zeigte am vorletzten Tag der deutsche Pascal Ackermann. Mit Schmerzen musste der Sprinter die Königsetappe aufgeben und begann im Interview zu weinen bei dem Gedanken, das ersehnte Ziel in Paris nicht zu erreichen.
Auch als der Zweitplatzierte Jonas Vingegaard nach einem Sturz die Tour vorzeitig beenden musste, als Lipowitz im Zeitfahren in einer Kurve wegrutschte und gegen den Bordstein prallte – das Aus für den besten Deutschen –, da bewiesen die Kommentatoren privat wie öffentlich-rechtlich großes Einfühlungsvermögen für diese tragischen Figuren eines Sports, der wie kaum einer Schmerz und Leid auf der einen und Heldentaten auf der anderen Seite gegenüberstellt.
Einmal geriet Bengschs Vorhersage ins Wanken, als Pogacar in jener Kurve, die Lipowitz’ Träume beendete, fast selbst zu Fall kam. Es kann eben ganz schnell vorbei sein. Sicher hätten Bengsch, Naß und Co. auch hier die richtigen Worte gefunden – sie sind schließlich Profiradsport-Kommentierprofis.
Bei der Königsetappe der Tour de France mit 5450 Höhenmetern sichert sich Richard Carapaz den Tagessieg und das Bergtrikot. Während Sepp Kuss einen gefährlichen Sturz überstehen muss, hilft Tour-Dominator Tadej Pogacar einem Teamkollegen.
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