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16.07.2026
04:30 Uhr
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Das Halbfinale zwischen England und Argentinien ist auch das Endspiel zwischen ARD und Magenta TV. Trotz der Rolle des Underdogs gewinnt der Öffentlich-Rechtliche dabei gegen die müde gespielte Konkurrenz.

Spiele gewinnt man in der Offensive, Meisterschaften in der Defensive, das ist eine alte Sportweisheit, die nicht nur Sir Alex Ferguson vertrat, legendärer Trainer von Manchester United. Für das WM-Halbfinalspiel England gegen Argentinien hat damit die ARD qua Aufstellung die Nase vor der Konkurrenz bei Magenta TV: Beide Teams schicken jeweils einen deutschen Weltmeister ins Rennen, ARD die Mittelfeld-Legende Bastian Schweinsteiger, Magenta den Ruhepuls-Innenverteidiger Mats Hummels.
Das Spiel der ARD ist dementsprechend offensiver, die Übertragung wird mit einem Vorspann mit schneller Passquote eröffnet. Für die ARD ist es das letzte ihrer 30 Spiele, die sie mit begnadeter Underdog-Taktik absolvierte. Wie immer lehnt das Moderationsduo, Schweinsteiger mit Esther Sedlaczek, am Tisch vor den Live-Monitoren, Maschinenraum-Ästhetik, wie immer sind sie knapp unters Stadiondach geklemmt, dazu ein bisschen grelles Licht von oben, ein bisschen Glanz auf den Gesichtern, alles im Indie-Stil, so, als hätte man sich erst kurz vor dem Spiel dazu überwunden, das Equipment doch auszupacken. Eine charmante Aufstellung der ARD.
Auf der gegenüberliegenden Seite ist die Ausleuchtung der Gesichter zwar schmeichelnder, auch scheint der Standort im Stadion repräsentativer, dafür sieht man dem Duo Hummels und Laura Wontorra die gigantische Menge an Live-Sendungen an, die sie hinter sich haben. Für Magenta ist es die 102. Übertragung. Hummels, in lässiger olivgrün-beiger Kombination, hat gestern schon das erste Halbfinale moderiert und hat vermutlich eben noch den Flat White aus dem Bild stellen können, bevor die Kamera live ging. Seine Taktik heute: Restverteidigung. Das merkt man schon im Anlaufen: Wontorra: „Wann hast du dich das letzte Mal so sehr auf ein Fußballspiel gefreut?“ Hummels schnörkellos: „Gestern?“
Schweinsteiger greift also für die ARD an. Als er über die beiden heutigen Mannschaften spricht, die nur so hoch springen würden, wie sie müssten, leitet er das Thema auf seine Mitmoderatorin um: „Du machst das ja ganz anders bei den Sendungen. Du schwebst da über die Balken wie der Ludger Beerbaum früher.“ Belustigt und vermutlich auch ein wenig verwirrt blockt Sedlaczek mit dem Lob seiner „wunderschönen Bildsprache“ ab. Darauf Schweinsteiger: „Du glaubst gar nicht, was da alles durch den Kopf geht.“ Uff. Die Fahne ist oben. Er stand im Abseits. Sedlaczek pariert dennoch – Gott sei Dank – hervorragend: „Ich will’s auch gar nicht wissen.“
Bei Magenta TV geht es da gerade um den deutschen Trainer der englischen Nationalmannschaft: Thomas Tuchel, bekannt für seine ehrliche bis zu ehrliche Art. Nach dem letzten Sieg im Viertelfinale gab sich der Perfektionist so gar nicht zufrieden mit seiner Mannschaft. Bei Bellingham und Co. war die Antwort darauf eher frostig, dafür soll Tuchel auf der Insel ganz gut angekommen sein. Zumindest schrieb zuletzt eine Autorin im britischen Telegraph, Tuchels „Tough Love“ ließe englische Frauen in Ohnmacht fallen. „Wer kann es ihnen verübeln?“, so die Überschrift. Die Bild-Zeitung nahm sich dem Thema der neuen Springer-Kollegen an und titelte: „Tuchel verzaubert englische Frauen!“
Beide Blätter bezogen sich dabei auf den Blog mumsnet.com, in dem eine Userin schrieb, Tuchel sei „strangely attractive“. Der hier kurzfristig in die Rolle des Investigativjournalisten schlüpfende Nachtkritiker begibt sich also in die Untergrund-Recherche (Suchbegriffe: Mumsnet + Tuchel) und deckt Sagenhaftes auf: Auf den Forumsbeitrag, Tuchel sei „strangely attractive“, reagieren nur 18 Prozent mit Zustimmung! Bei den 40 abgegebenen Stimmen sind das etwa sieben Personen. Neue Schlagzeile also: „Tuchel verzaubert sieben englische Frauen“. Egal. Zurück zum Spiel.
Der Titel für die beste Taktikanalyse ist leider schon vergeben, Christian Streich (ZDF) hat das Ding schon vor Monaten nach Hause geholt. Magenta TV unterliegt hier haushoch und spielt sich mit der Schlussfolgerung „Die Stars müssen heute performen“ ins Aus. Magenta-Mannschaftskollege Hummels bewertet das, wie damals das Referat seines Schulkumpels: „Ja, ich fand das richtig dargestellt mit guten Bildern.“
Derweil läuft der Tuchel-Berichterstattungsblock in der ARD. Im Lauf einer Pistole erscheint er, im Hintergrund das bekannte 007-Thema von John Barry. Eine Stimme sagt: „Es wirkt wie ein neuer Bond: der Kampf um das Gute für das Königreich.“ Die ARD geht hier deutlich emotionaler rein, die Underdog-Taktik, die müssen aus den Emotionen kommen. So schaltet man auch zu Außenreportern einmal ins euphorische, argentinische und einmal ins besoffene, englische Fanlager. Interessant ist in der Berichterstattung um die Rivalität der beiden Länder, dass Magenta das Thema der Falklandinseln eher umschifft, während bei der ARD der gar nicht lang zurückliegende Krieg (1982) zwischen Argentinien und Großbritannien mehrfach Erwähnung findet. Tor für den öffentlich-rechtlichen Auftrag!
Endstand: Die ARD gewinnt das Spiel durch den offensiven Spielstil. Dafür spricht auch der ferienlaunig aktive Kommentator Tom Bartels (ARD) im Vergleich zum ebenfalls müden, fast verwegen raunenden Wolff Fuss (Magenta TV). Wer den Titel schließlich mit nach Hause nimmt, wird allerdings erst am Wochenende entschieden. Dann stehen sich ÖRR und Magenta im Finale (Spanien vs. Argentinien) gegenüber. Der Öffentlich-Rechtliche hat mit der Aufstellung vorgesorgt. Wir erinnern uns: Turniere gewinnt man mit der Abwehr. Deshalb bleibt die ARD mit dem offensiven Schweinsteiger auf der Bank. Dafür bestreitet das ZDF das Endspiel und stellt zwei andere deutsche Weltmeister auf. Zwei aus der Defensive.
Zwei Wochen nach dem Ausscheiden des DFB-Teams zeigt sich: Der Expertenkader ist mindestens so wichtig wie der Spielerkader. Beim ZDF sind die Einsatzzeiten schließlich bis zum Finale garantiert.
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