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12.05.2026
14:22 Uhr
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Im zurückliegenden Winterhalbjahr hat es im Freistaat ein Drittel weniger geregnet oder geschneit als im langjährigen Mittel. Die allermeisten Flüsse, Bäche und Seen haben so wenig Wasser wie selten. Auch beim Grundwasser ist die Lage bedrohlich.

Kies, Kies, Kies: Der Chiemsee hat aktuell extrem wenig Wasser. Der Pegel Stock meldete am Montag „sehr niedrig“ als Wasserstand. Foto: LfU/Niedrigwasserbericht
Die sonnigen, sommerlichen Tage sind erst einmal vorbei. Zumindest sagen das die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Nur an diesem Mittwoch soll es trocken bleiben und ab und zu sonnige Abschnitte geben. Schon in der Nacht zum Donnerstag zieht der Himmel wieder zu, von Nordwesten her setzen Niederschläge ein. Am Donnerstag selbst wird mit teils heftigen Schauern gerechnet, in den Bergen bis 1500 Metern Höhe sogar mit Schneefällen. In den Tagen darauf geht es wechselhaft und feucht weiter. Immerhin soll es wieder wärmer werden.
Die gemischten Wetteraussichten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es viel zu trocken ist im Freistaat. Die Wasserstände in den allermeisten Flüssen und anderen Gewässer hier sind niedrig oder sehr niedrig. Das Gleiche gilt für die Grundwasserstände, und zwar gleich, ob in den oberflächennahen Lagen, aus denen ein Großteil der Bevölkerung das Trinkwasser bezieht, oder in den tieferen Lagen. Umweltminister Thorsten Glauber sagt (FW) sagt, „die Behörden beobachten die Lage genau“. Die Biologin Christine Margraf, die sich für den Bund Naturschutz (BN) mit dem Wasserhaushalt Bayerns beschäftigt, spricht von einer „alarmierenden Situation“.
Seit Jahren nehmen die sommerlichen Niederschläge in einigen Regionen drastisch ab. Die Staatsregierung will mit dem Bau neuer Leitungen quer durch den Freistaat eine Trinkwasserknappheit verhindern.
Wer das nicht recht glauben will, der kann sich den aktuellen Niedrigwasserbericht des Landesamts für Umwelt (LfU) für das zurückliegende Winterhalbjahr ansehen. Nördlich der Donau fielen danach von Anfang November 2025 bis Ende April 2026 mit 245 Liter Niederschlag je Quadratmeter nur 67 Prozent des langjährigen Mittels von 1971 bis 1990. Südlich der Donau, wo es wegen der Berge immer etwas mehr regnet, waren es 283 Liter pro Quadratmeter oder 66 Prozent des Mittels dort. Der April 2026 war mit 17 Litern Niederschlag je Quadratmeter der zweittrockenste April in der bald hundertjährigen Messreihe. Südlich der Donau war nur der April 2007 – mit elf Litern Regen je Quadratmeter – noch trockener.
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Entsprechend gering sind die Wasserstände in den Bächen und Flüssen. „72 Prozent der Messstellen in Bayern weisen für die Jahreszeit niedrige Abflussverhältnisse auf“, heißt es in dem Bericht des LfU, „an 18 Prozent der Messstellen werden die Abflüsse (...) als sehr niedrig eingestuft“. In den Seen und Wasserspeichern ist die Lage nur geringfügig anders. Dort sind an knapp der Hälfte der Messstellen die Wasserstände niedrig oder sehr niedrig.
„Die Lage ist dramatisch“, kommentiert Margraf den Bericht. „Denn das Frühjahr war durch die Jahrhunderte immer eine wasserreiche Jahreszeit. Wegen der Schneeschmelze waren da die Bäche, Flüsse und Seen immer voll und haben lange in den Sommer hineingereicht.“ Im Zuge der Klimakrise ist es freilich mit dem winterlichen Schnee in Bayern immer öfter vorbei. In diesem Winter fiel eigentlich nur im Februar nennenswert Schnee, der aber schnell wieder dahinschmolz. Bereits seit Jahren meldet das LfU immer wieder viel zu trockene Winterhalbjahre.
Die Klimakrise hat nicht nur gravierende Folgen für die Wasserstände in den Bächen, Flüssen und Seen. Sondern außerdem für das Grundwasser. Die Lage dort bezeichnen sogar die ansonsten eher zurückhaltend formulierenden Experten des LfU offen als „angespannt“. Zwei Drittel der Messstellen im oberflächennahen Grundwasser verzeichnen teils ausgeprägte Niedrigwerte, in den tieferen Lagen sind es 62 Prozent der Messstellen.
Nach Einschätzung der LfU-Experten verheißt das wenig Gutes für den Sommer, in dem es in aller Regel deutlich trockener ist als im Winterhalbjahr. Die Grundwasserstände dürften weiter sinken. Dabei schrumpfen die Grundwasservorräte in Bayern bereits seit Jahren. Zwischen 2003 und 2025 habe das jährliche Defizit bei der Grundwasserneubildung ungefähr 15 Prozent betragen, schreiben die Experten. In anderen Worten: Das Defizit bei der Grundwasser-Neubildung summiert sich seit 2003 bereits auf mehr als drei Jahrgänge.
Daran hat auch das überaus nasse Winterhalbjahr 2024 nichts ändern können. Zwischen November 2023 und Ende April 2024 hatte es bayernweit etwa 40 Prozent mehr geregnet als im langjährigen Mittel. Die LfU-Leute hatten erstmals seit Jahren von einer „Erholung für das Grundwasser“ gesprochen. Zwei Jahre später herrscht Ernüchterung. Denn die Erholung ist nicht nur verpufft. Sondern das Defizit bei der Grundwasser-Neubildung hat sich erneut vergrößert, wie die LfU-Experten schreiben. Entsprechend pessimistisch ist ihr Fazit. Für die kommenden Wochen rechnen sie allenfalls mit geringfügigen Änderungen.
Umweltminister Glauber gibt sich derweil betont geschäftsmäßig. „Um Nordbayern mit ausreichend Wasser aus dem Süden zu versorgen, setzen wir in Bayern bei Bedarf auf unser Überleitungssystem“, sagt er. Das heißt, vor allem auf den Main-Donau-Kanal, über den bei Bedarf viele Millionen Liter Wasser aus der Donau nach Franken gelenkt werden können. Die Überleitung, über die pro Jahr ungefähr 150 Millionen Liter Wasser nach Franken fließen, soll nicht nur die Flüsse und Bäche dort stützen, sondern auch das Grundwasser. Aktuell werden laut Glauber noch keine größeren Mengen Wasser nach Franken gelenkt, da die Pegel dort noch nicht so weit gefallen sind, dass es nötig sei.
Zugleich verspricht der Umweltminister, dass der Freistaat die Trinkwasser-Versorgung stärken werde. Die Basis dafür habe man mit dem neuen Wassergesetz gelegt, das zu Jahresanfang in Kraft getreten ist. Außerdem prüfe man verschiedene Optionen zur Stärkung der Fernwasserversorgung.
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