SZ 29.07.2026
07:02 Uhr

(+) Waldbrände in Südeuropa: Tausende Touristen müssen Badeort Lacanau verlassen


4000 Urlauber werden an der französischen Atlantikküste in Sicherheit gebracht. Eine neue Hitzewelle könnte die Löscharbeiten erschweren. Auch auf der griechischen Insel Paros brennt es.

(+) Waldbrände in Südeuropa: Tausende Touristen müssen Badeort Lacanau verlassen

Angesichts einer neuen Hitzewelle in Frankreich versucht die Feuerwehr mit allen Mitteln, die an der Atlantikküste wütenden Waldbrände in den Griff zu bekommen. Während der größere der beiden Brände bei Bordeaux punktuell wieder aufloderte und zu Evakuierungen führte, die Tausende weitere Touristen betrafen, bekam die Feuerwehr den flächenmäßig kleineren Brand südwestlich von Bordeaux am Vorabend unter Kontrolle. Dort konnten 15 000 Menschen nach vorheriger Evakuierung zurück in ihre Häuser.

Mit einer erneuten Hitzewelle werden jedoch ein Anstieg der Temperaturen und ein Absinken der Luftfeuchtigkeit erwartet. Wie die Feuerwehr am Dienstag erklärte, erschweren Hitze und Wind den Kampf gegen die Flammen, die sich seit dem Wochenende zwar nicht weiter ausgedehnt haben. Der Großbrand könne dennoch noch „mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate andauern“, ehe er vollständig gelöscht sei, sagte Feuerwehroffizier David Annotel vom französischen Feuerwehrverband dem Sender France Info.

Seit Mittwoch wurden bereits mehr als 220 000 Menschen in der auch bei Deutschen beliebten Urlaubsregion an der Atlantikküste in Sicherheit gebracht, darunter viele Touristen. Das Feuer hat sich inzwischen auf bis zu 15 Kilometer der Großstadt Bordeaux genähert und rund 42 000 Hektar Wald und Buschland zerstört. Das sind 420 Quadratkilometer, eine Fläche größer als die Stadt Köln. Seit der Nacht zum Montag hat die Feuerwehr allerdings eine weitere Ausbreitung verhindern können, die Lage habe sich stabilisiert, hieß es.

Die EU unterstützt Frankreich und Spanien derweil mit Löschflugzeugen, Hubschraubern und Feuerwehrkräften. Über den EU-Katastrophenschutzmechanismus stellen andere europäische Länder sowie die EU selbst 13 Flugzeuge, vier Hubschrauber sowie 41 Fahrzeuge und rund 130 Einsatzkräfte, wie die EU-Kommission am Montag in Brüssel mitteilte.

Auch Deutschland beteiligt sich: Die Bundeswehr unterstützt Frankreich mit Hubschraubern bei der Bekämpfung der Waldbrände im Südwesten des Landes. Zwei CH-53-Transporthubschrauber seien am Vormittag ⁠auf dem Weg zum französischen Militärflugplatz Cazaux, teilte das Verteidigungsministerium am Montag mit. Ein A400M-Transportflugzeug ‌bringe zudem Löschgerät ‌und weiteres Material in die Region.

Frankreich und Spanien werden laut EU-Kommission außerdem mit Satellitenbildern des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus versorgt, um die Löscharbeiten zu unterstützen. Nach Angaben der Kommission mussten wegen der Brände in beiden Ländern zusammen mehr als 300 000 Menschen ihre Häuser verlassen – eine der größten Evakuierungen jemals in Europa. EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib sagte, kein Land müsse eine Katastrophe dieses Ausmaßes allein bewältigen.

In Spanien zeichnet sich eine leichte Entspannung der Lage ab, die Behörden warnen jedoch vor verfrühter Entwarnung. Besonders betroffen bleiben die Provinz Ávila westlich von Madrid sowie die benachbarten Regionen Madrid und Toledo, wo die Brände zusammen knapp 80 000 Hektar Wald- und Buschland verwüstet haben. Seit dem Wochenende hat sich die Ausbreitung der Brände deutlich verlangsamt, die Feuerwehr meldet Erfolge.

Der Brand in Ávila wurde nach ersten Erkenntnissen der zuständigen Behörden vermutlich durch landwirtschaftliche Arbeiten ausgelöst. Nach Medienberichten wurde dort ein Mann unter dem Vorwurf der fahrlässigen Brandstiftung festgenommen. Er soll trotz eines wegen der Hitzewelle geltenden Verbots schweres Gerät benutzt und dadurch das Feuer ausgelöst haben.

Die in Ávila vom Feuer erfasste Fläche entspricht etwa 65 000 Fußballfeldern. Sollten sich die vorläufigen amtlichen Schätzungen bestätigen, wäre der Brand der größte seit Beginn der Erfassungen durch die Zentralregierung im Jahr 1968.

Der Waldbrand auf der griechischen Urlaubsinsel Paros ist derweil unter Kontrolle. Die Lage habe sich deutlich verbessert, sagte ein Sprecher der Feuerwehr dem Nachrichtensender ERT News. Zuvor hatten die Einsatzkräfte die ganze Nacht gegen die Flammen gekämpft, mehrere Ortschaften waren vorsorglich evakuiert worden. Dutzende Einsatzkräfte waren im Einsatz, Unterstützung erhielten sie von den umliegenden Inseln wie Naxos und Syros sowie vom Festland.

Vollständige Entwarnung gab die Feuerwehr jedoch nicht - wegen der starken Winde in der Region. Zwar gebe es praktisch keine aktive Feuerfront mehr, doch verbleibende kleine Brandherde müssten weiterhin überwacht werden, sagte der Sprecher.

Laut der Zeitung Kathimerini herrscht in mehreren Landesteilen hohe Waldbrandgefahr. So sei die Feuerwehr am Dienstag auch zu Feuerherden in der nordöstlichen Region Evros ausgerückt. Auf Kreta und den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Ikaria und Psara gelte inzwischen Warnstufe vier von fünf. In der Hauptstadtregion Athen und im nordöstlichen Teil der Halbinsel Peloponnes gilt demnach Warnstufe drei.

Die Gesellschaft zittert, Amtsinhaber verzichten sogar auf die Simulation von Kontrolle, und das Monster entfaltet ungerührt sein Chaos. Über die Brände in Frankreich und das soziale Vertrauen, das überraschend intakt bleibt.

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