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16.08.2026
15:02 Uhr
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Angesichts der heftigen Waldbrände in Deutschland und Belgien wird intensiv über den Umgang mit den Folgen des Klimawandels diskutiert. Ein Forderungskatalog der SPD könnte in der Bundesregierung neuen Streit auslösen.

Der Waldbrand auf dem Gebiet von Hürtgenwald gilt als größter in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Frank Ossenbrink/Imago
Lange wurden Wald- und Flächenbrände vor allem als Phänomen gesehen, das Südeuropa betrifft und in Deutschland nur punktuell auftritt. Nach Großbränden in Nordrhein-Westfalen und im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutschen Grenze gewinnt das Thema in der politischen Diskussion nun auch in Deutschland an Dringlichkeit.
Die Feuer waren nur gut 20 Kilometer voneinander entfernt ausgebrochen. In Belgien geriet nach Angaben lokaler Behörden eine etwa 3000 Hektar große Fläche in Brand. Weil sich die Feuerfront in der Nacht auf Sonntag nahe an die deutsche Grenze heranfraß, hatte die grenznahe Stadt Monschau Einwohner einzelner Ortsteile gebeten, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Als der Wind am Sonntag drehte, gab es vorsichtige Entwarnung. Die Feuerwehr in Monschau rechnete zunächst nicht mehr damit, dass die Flammen auf deutsches Gebiet übergreifen. Doch später änderte sich die Einschätzung: „Die aktuelle Entwicklung des Brandgeschehens im Hohen Venn erfordert eine sofortige Evakuierung folgender Straßenzüge in Kalterherberg: Ruitzhof und Geisberg“, teilte die Stadt Monschau am Sonntagabend auf ihrer Internetseite mit.
Die Löscharbeiten im Hohen Venn könnten noch lange andauern, da Torfschichten im Hochmoor in Brand geraten sind. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, werden die belgischen Feuerwehrleute von Kräften aus Deutschland und Luxemburg unterstützt sowie von der Armee und Landwirten. Über den EU-Katastrophenschutzmechanismus wurden am Samstag drei Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge nach Belgien entsandt.
In der nordrhein-westfälischen Gemeinde Hürtgenwald in der Nordeifel hatten sich Flammen seit Donnerstag in einem Wald ausgebreitet und eine Fläche von 300 Hektar erfasst. Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach vom „größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens“. In der Nacht zum Freitag waren 2000 Einwohnerinnen und Einwohner aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen. Am Samstagabend konnten sie zurückkehren. Laut der Deutschen Presse-Agentur waren bis zu 1800 Einsatzkräfte an den Löscharbeiten beteiligt, die durch Weltkriegsmunition erschwert wurden. Am Sonntag entspannte sich die Lage im Brandgebiet Hürtgenwald. Laut dem Kreis Düren gab es keine offenen Flammen mehr, die Löscharbeiten gingen aber weiter, um Glutnester zu bekämpfen.
Nordrhein-Westfalens Landesregierung rechnet damit, dass die Waldbrandgefahr langfristig zunimmt. „Extremwetterlagen sind längst keine Ausnahme mehr“, sagte Wüst. „Hitze, Trockenheit und Waldbrände führen uns auf tragische Weise vor Augen, dass die Folgen des Klimawandels real sind und Mensch und Natur bedrohen.“ Das Land habe 2022 ein Waldbrandschutzkonzept vorgestellt und wolle seine Fähigkeiten weiter ausbauen – etwa durch geeignete Löschfahrzeuge, aber auch durch den sogenannten Waldumbau, bei dem Monokulturen beseitigt und Wälder widerstandsfähiger gemacht werden.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe sich mehrfach nach der Lage erkundigt, teilte Wüst mit. In einem Post auf X dankte Merz „allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz“. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katharina Dröge, sieht den Kanzler nun in der Pflicht. „Friedrich Merz muss jetzt handeln und erklären, wie er die Menschen in Zukunft besser vor den Folgen der Klimakrise schützen will“, sagte sie der ARD. Die Grünen forderten die Bundesregierung auf, eine nationale Feuermanagement-Strategie zu erarbeiten.
In der Bundesregierung selbst bahnt sich derweil neuer Streit über die richtigen Antworten auf die Klimakrise an. Die SPD-Minister haben einen Forderungskatalog aufgestellt, den sie bei der Kabinettsklausur Ende August auf Schloss Neuhardenberg zur Diskussion stellen wollen. Wichtigster Punkt: Eine neue „Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und Naturschutz“ soll im Grundgesetz verankert werden.
Ziel sei, „noch in dieser Legislaturperiode die entsprechende Grundgesetzänderung auf den Weg zu bringen“, heißt es dem Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Zuerst berichtete der Spiegel. In der Union stößt das Vorhaben bislang auf Skepsis. Einen Vorstoß für eine Grundgesetzänderung hatte bereits Umweltminister Carsten Schneider (SPD) angekündigt. Im Bundestag wäre die Koalition dafür überdies auf Stimmen aus der Opposition angewiesen.
„Um den bestehenden Rahmen für eine wirksame Klimaanpassung weiter zu stärken, braucht es eine gesamtstaatliche Kraftanstrengung, die Prioritäten setzt, Ressourcen bündelt, Abstimmungen intensiviert und schnelles Handeln ermöglicht“, fordern die SPD-Ministerinnen und -Minister. Die Verfassungsänderung sei Voraussetzung dafür, dass der Bund sich an der Finanzierung von Kommunal- und Länderaufgaben beteiligen und somit „langfristig, rechtssicher und flächendeckend bei Maßnahmen der Klimaanpassung und des Naturschutzes mitwirken kann“.
Konkret nennen die Sozialdemokraten etwa den Hitze- und Gesundheitsschutz in sozialen Einrichtungen, die Entsiegelung und eine „klimaresiliente Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“. Aufgesetzt werden solle auch ein „nationaler Hitzeaktionsplan zum Schutz der Gesundheit“. Auch Beschäftigte sollten am Arbeitsplatz besser vor Hitze geschützt werden.
Das Feuer in der Eifel hat sich über Nacht nicht ausgebreitet, der schlimmste Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens wütet jedoch weiter. Weltkriegsmunition erschwert die Löscharbeiten. Bergepanzer schlagen Schneisen in den Wald.
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