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16.08.2026
11:39 Uhr
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„Die Strecke war furchtbar“: Amanal Petros gewinnt auf dem komplizierten Marathon-Kurs von Birmingham den EM-Titel – und berichtet hinterher von seinen Einreiseproblemen nach England.

Großer Jubel: Amanal Petros gewinnt souverän den Titel auf den Straßen von Birmingham. Andrew Boyers/Reuters
Amanal Petros verpasste die erste Fahne seines Heimatlandes, die zweite schnappte er sich dann aber, gereicht von den Zuschauern am Rand des Zieleinlaufs in Birmingham. Dann lief Petros auf dem Victoria Square neben dem Rathaus ins Ziel – und stoppte kurz vorher noch einmal ab. Für seinen charakteristischen Handkantenschlag-Jubel musste schon noch kurz Zeit sein: 2:09:11 Stunden leuchteten auf der Anzeigetafel auf, Meisterschaftsrekord. Der Italiener Pietro Riva (2:09:18 Stunden) wurde Zweiter, Gashau Ayale (2:09:21 Stunden) aus Israel Dritter.
Petros, 31, ist erst der zweite deutsche Marathon-Europameister, nach Richard Ringer, der vor vier Jahren in München Gold gewann und in Birmingham Platz zehn belegte. Ringer hatte noch versucht, Petros zu folgen, als dieser nach rund 25 Kilometern an einer Steigung aus der Führungsgruppe ausriss. Aber Ringer wurde wieder eingeholt, während Petros seinen Vorsprung zwischenzeitlich auf etwa eine Minute ausbaute. Und letztlich knapp ins Ziel rettete.
Die Sprintstaffel der Frauen ist seit Jahren einer der deutschen Erfolgsgaranten – in Birmingham scheidet sie im Vorlauf aus. Für Gina Lückenkemper endet die Leichtathletik-EM auch aus persönlicher Sicht enttäuschend.
Aber was war das für ein harter Marathon gewesen mitten in Birmingham, vor Tausenden Zuschauern – manche von ihnen dürften am Sonntagmorgen direkt aus den Pubs und Clubs von der nahen Partymeile Broad Street an die Strecke gestolpert sein. Petros sagte jedenfalls, als er kurz durchgeatmet hatte, auf die Frage, ob das das härteste Rennen seines Lebens gewesen sei: „Die Strecke war furchtbar, eine riesengroße Herausforderung. Mehr als 120 scharfe Kurven, so viele Berge, hoch und runter.“
Nicht wie 2025 in Tokio, als Petros mit Silber das bislang beste deutsche WM-Ergebnis in einem Marathon erreicht hatte, aber kurz vor dem Ziel in einem Fotofinish noch um eine Handkantenlänge abgefangen wurde. „Ich wollte aus dieser Erfahrung lernen, ich habe mir vorgenommen, das dieses Mal besser zu machen. Es war alles unter Kontrolle“, sagte Petros nun.
Er erzählte auch noch von Einreiseproblemen nach England: „Es hat sehr, sehr lange gedauert und es war furchtbar, wir waren zwei Tage lang unterwegs. Der DLV (Deutscher Leichtathletik-Verband, d. Red.) hat das dann geklärt. Danke dafür, dass sie so viel Arbeit geleistet haben.“ Die Geschichte von Amanal Petros ist größer als jeder Marathon, sie weist über das Sportliche hinaus, man sieht das auch wieder an seiner schwierigen Einreise, die er thematisierte.
In seiner gesamten Jugend war Petros ein Suchender, er hat die Geschichte schon so oft erzählt. Wie er in Assab, Eritrea, geboren wurde, mit zwei Jahren mit der Mutter vor dem Krieg nach Tigray, Äthiopien, flüchtete. Wie er dort im Hochland von Tigray mit den anderen Kindern zur Schule lief. Der Krieg verfolgte ihn auch dorthin, als 16-Jähriger entschloss er sich dann, allein mit dem Flugzeug nach Deutschland zu flüchten. Seine Mutter und die beiden Schwestern ließ er zurück, sie wussten nichts von seinen Plänen. Er kam in eine Bielefelder Flüchtlingsunterkunft, spielte Fußball beim TuS Senne 08, aber drehte vor allem seine Laufrunden, immer und immer wieder. Bis er einen Vereinsläufer kennenlernte, der ihn mitnahm zum Turn- und Sportverein Einigkeit 1890 Bielefeld. Dort fand Petros seine Welt, die ihm später viele Türen öffnete.
Inzwischen ist Petros das Gesicht des deutschen Marathons, und so möchte er auch gesehen werden, als Sportler, nicht als eine Figur, die für Integrationspolitik steht. Am 7. Dezember 2025 stellte Petros in Valencia einen neuen deutschen Rekord auf: 2:04:03 Stunden. Am 29. März 2026 verbesserte Petros den deutschen Halbmarathon-Rekord in Berlin auf 59:22 Minuten. Auf den EM-Marathon in Birmingham bereitete sich Petros in Kenia vor, im Hochland, wo er sich oft aufhält vor Großereignissen. Zweieinhalb Monate war er dort, erzählte er nach seinem Goldrennen, er lief dort rund 200 Kilometer pro Woche. „Es hat sich gelohnt“, sagte Petros.
Am Ende seines zweiten Marathons, der ihn unter der Queen-Victoria-Statue durchs Medienzelt führte, musste er wieder Kurven und einen klitzekleinen Anstieg Richtung Chamberlain Square bewältigen. Jubel brandete auf, als Petros sich in Richtung Call Room begab, dorthin also, wo er sich vor dem Start umgezogen hatte. Petros umarmte Freunde, ließ Selfies mit sich machen. Rechts neben einer Statue des englischen Universalgelehrten Joseph Priestley verschwand er dann im weißen Zelt, um wieder etwas zu Atem zu kommen. Petros und Priestley, dieses Bild passte nicht schlecht an diesem entbehrungsreichen Morgen: Denn Priestley gilt als Entdecker des Sauerstoffs.
Lange hatte Julian Weber seine Probleme bei Speerwurf-Großereignissen. Jetzt holt er Gold in Birmingham – in einem Moment, in dem er gar nicht damit gerechnet hat.
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