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07.08.2026
10:48 Uhr
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Die Büste der Sängerin auf dem Montmartre ist so intensiv von Touristen angefingert worden, dass ihre Brüste gelb glänzten. Über Nacht erhielten sie ihre Farbe zurück, schnell hieß es: Die Stadtverwaltung war’s. Doch die wollte es nicht zugeben.

Es ist ja nicht so, dass die vielen Touristen, die sich von ihren Handys zur Place Dalida im 18. Arrondissement von Paris führen lassen, diesen Ort für eine durch und durch klassische Etappe ihres Stadtparcours hielten. Man tut da etwas, was man im richtigen Leben nicht tut. Weil es Glück bringen soll. Wenigstens steht das so in den Reiseführern und in den sozialen Medien, diesen Verführern.
Und so liegt auch an diesem schönen Sommermittag eine Schwade peinlicher Berührtheit über dem Platz auf dem Montmartre in Hommage an die wunderbare Sängerin und Schauspielerin Dalida, bürgerlich Iolanda Cristina Gigliotti, eine Italienerin, die in Kairo geboren wurde, sich in Frankreich einbürgern ließ und mit ihren Hits so ziemlich überall auf der Welt Erfolg hatte.
Die Place Dalida ist eine erweiterte Straßenkurve mit ein paar Bäumen, einer Parkbank und einer Statue, bis zur Sacré-Cœur sind es zweihundert Meter, den Hügel rauf. Der Bus der Linie 40 schafft die Kurve jetzt wieder nur mit Mühe. Die vielen Leute, die fürs Grapschen da sind, stehen ihm im Weg.
Ein älterer Spanier sagt zu seiner Frau. „Soll ich, darf ich?“ Dann fasst er an die bronzenen Brüste Dalidas, mit beiden Händen, er kommt fast nicht zu ihnen hoch –und lässt sich von seiner Frau fotografieren dabei. „Ich dachte, sie seien heiß, aber sie sind kalt“, sagt er und kichert. Das Paar ist mit einer Gruppe da, alle wollen mal, auch die Frauen. Bis sie durch sind, vergehen fünf Minuten. Dann sind die Südamerikaner dran, dann die Italiener, später vier Japaner.
So geht das schon seit vielen Jahren. Die Statue wurde 1997 eingeweiht, zehn Jahre nach Dalidas viel zu frühem Tod mit 54 Jahren, sie hatte ganz in der Nähe gelebt. Die Büste ist ein Werk des französischen Künstlers Alain Aslan. Aus Bronze also. Und Bronze entwickelt schnell eine dunkle, braungrüne Patina.
Mit dem ständigen Anfassen scheuern die Touristen diese Patina auf, und zwar natürlich nur genau da, wo sie hauptsächlich hinfassen – an den Brüsten eben. So kam es, dass Dalidas Brüste bald hell und golden über den Platz strahlten. Nur sie. Das Gesicht, die Haare, der Hals, sie blieben grünbraun.
Es gab nun Proteste von Feministinnen und Feministen. Sie sagten, da werde eine Frau reduziert auf ihre Brüste und hypersexualisiert. Zum jüngsten Internationalen Frauentag am 8. März waren Dalidas Brüste plötzlich von einem weißen Harnisch verdeckt, eine Aktion der bildenden Künstlerin Luz.
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Das brachte Nichtfeministen auf. Die fanden, das sei doch dummer Puritanismus. Sexuelle Belästigung gegen eine Statue? Lächerlich! Die Geste zähle, entgegneten jetzt die Feministen, und die werde da gefährlich banalisiert.
Vor ein paar Tagen passierte nun Unerhörtes, über Nacht. Ohne dass jemand informiert gewesen wäre, nicht einmal Dalidas Bruder und früherer Manager, der das Gedenken an seine Schwester verwaltet. Die Büste hatte wieder ihre ganze Patina, vom Scheitel bis unter die Brust. Nichts strahlte mehr, die polierten Stellen waren mit Lackfarbe übermalt.
Zunächst dachte man an eine feministische Protestaktion. Die Zeitung Le Parisien glaubte zu wissen, dass die Stadtverwaltung die Bemalung in Auftrag gegeben hatte. Doch die dementierte, nichts habe sie damit zu tun, wo man auch hindenke. Zwei Tage, dann räumte sie ein, ja, das waren wir. Wahrscheinlich hatte sie sich dem Vorwurf entziehen wollen, dass sie die Statue aus politischen Gründen nachfärben ließ. Aber warum sollte sie es sonst tun?
Technisch, da waren sich alle einig, war der Job perfekt ausgeführt, gut gewählter Farbton, gleichmäßig verteilt. Doch viel hat es nicht gebracht. Ein paar Tage ist es erst her, und schon ist die Farbe wieder abgewetzt. Dalidas Brüste leuchten zwar noch nicht so hell wie früher. Aber spätestens Ende August wird es wohl wieder so sein. Und der kleine Kulturkampf kann weitergehen.
Ein berühmtes Mosaik in der Einkaufspassage neben dem Mailänder Dom muss restauriert werden. Schuld daran sind vor allem Touristen – und ihre Fußtritte an heikler Stelle.
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