SZ 14.10.2026
15:52 Uhr

Prozessauftakt in Würzburg: Wer zündete die todbringende Rakete? Beweislage schwierig


Eine Silvesterrakete löst einen Brand aus, eine schlafende Seniorin stirbt. Der Angeklagte räumt das Zünden ein, zwei Zeugen beschuldigen jedoch seinen Freund.

Prozessauftakt in Würzburg: Wer zündete die todbringende Rakete? Beweislage schwierig

Eine schlafende, pflegebedürftige Frau stirbt in der vergangenen Silvesternacht in Würzburg durch ein Feuer, das eine Rakete auf ihrem Balkon ausgelöst haben soll: Gut zehn Monate später hat ein deswegen angeklagter Mann vor dem Amtsgericht Würzburg eingeräumt, die Rakete gezündet zu haben – aus der Hand und obwohl er gesehen haben will, dass sie beschädigt war. Es tue ihm leid, sagte der 42-Jährige vor dem Schöffengericht. „Ich wollte das nicht.“

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wusste der Mann, dass der Holzstab der Rakete gebrochen war. „Dies hatte, für den Angeklagten vorhersehbar und vermeidbar, zur Folge, dass die Rakete zunächst rund drei bis vier Meter gerade nach oben flog, dann die Richtung änderte und auf dem Balkon der Wohnung der Geschädigten landete“, sagte die Anklagevertreterin.

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Dort entzündeten sich den Ermittlungen zufolge verschiedene Gegenstände, der gefährliche Rauch zog in die Wohnung des Opfers in dem Mehrfamilienhaus. Beim Löschen fanden Rettungskräfte die 88 Jahre alte, gehbehinderte Bewohnerin bewusstlos in der Wohnung. Für sie kam jede Hilfe zu spät, sie starb an einer Rauchvergiftung.

Eine Zeugin des Abends und ihr Mann erklärten hingegen vor Gericht, ein Freund des Angeklagten habe kurz nach Mitternacht die todbringende Rakete gezündet und bewusst auf das Haus gezielt. Neben dem Angeklagten hatte es einen weiteren, 49-jährigen Verdächtigen gegeben. Seine Tatbeteiligung konnte aber nach Angaben der Ermittler bisher nicht hinreichend belegt werden.

„Ich habe nix gemacht“, sagte der 49-Jährige vor Gericht. „Soweit ich mich erinnern kann, ich war sehr angetrunken.“ Der Zeuge berichtete, er habe an dem Abend gefeiert und schon bis 22 Uhr mehr als eine Flasche Wodka getrunken. Ob er nach Mitternacht noch auf der Straße gewesen sei und Feuerwerk gezündet habe, wisse er nicht mehr. Er habe sich aber später auf Videoaufnahmen von Mobiltelefonen erkannt, die ihm die Polizei gezeigt habe. Darauf sind zwei Männer nach Mitternacht zu sehen, die mit Pyrotechnik hantieren.

Andere Zeugen berichteten der Kammer, sie hätten zwar zwei Männer mit Feuerwerk gesehen, seien aber unsicher, wer letztlich welche Rakete gezündet haben könnte.

Ein ermittelnder Polizist sagte zur Ursache für den Brand: „Ich bin mir sicher, dass es definitiv eine Rakete der beiden Personen gewesen sein muss.“ Letztlich ergebe sich aber aus den Videoaufnahmen nicht, wer es gewesen sei. Das Amtsgericht hatte ursprünglich nur einen Prozesstag angesetzt. Weil sich die Zeugenaussagen teils widersprachen und bisher nicht geklärt wurde, wer die entscheidende Rakete gezündet hat, sollen weitere Zeugen gehört werden. Der Prozess soll am 26. Oktober fortgesetzt werden.

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