SZ 04.08.2026
23:25 Uhr

Weltfußballverband: Medien: Infantino beruft Fifa-Krisensitzung in Marokko ein


Berichten zufolge lädt Gianni Infantino am Mittwoch hochrangige Mitarbeiter zu einem Krisentreffen in Rabat ein. Der Präsident des jordanischen Fußballverbandes wirft dem Fifa-Präsidenten unterdessen „Erpressung“ vor.

Weltfußballverband: Medien: Infantino beruft Fifa-Krisensitzung in Marokko ein

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat offenbar hochrangige Mitarbeiter des Fußball-Weltverbandes zu einer Krisensitzung in die marokkanische Hauptstadt Rabat einberufen. Dies berichteten die Times und Sky UK am Dienstagabend übereinstimmend. Das Treffen im Co-Gastgeberland der WM 2030, in dem sich Infantino derzeit aufhält, soll demnach am Mittwoch stattfinden. Den Meldungen zufolge sei allerdings unklar, was der Schweizer genau besprechen wolle.

Der Druck auf den 56-Jährigen hat in der vergangenen Woche und spätestens seit dem Scheitern des von ihm anvisierten Investorendeals rapide zugenommen. Am Dienstagmittag erst distanzierten sich Fifa-Generalsekretär Mattias Grafström und Fifa-Direktor Arsène Wenger vom einst so unantastbar scheinenden Präsidenten. Grafström beklagte eine „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“ sowie einen „Aufruhr“. Infantinos enger Vertrauter und Berater Carlos Cordeiro war schon in der vorigen Woche aus Protest zurückgetreten.

Infantino hatte zuletzt für eine Welle der Empörung in der Fußballwelt gesorgt, als Pläne zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren bekannt wurden. Der Fifa-Präsident lenkte zwar ein und verwarf die Idee – dennoch aber formiert sich vor allem in Europa heftiger Widerstand gegen ihn. Möglicherweise bedeutet die aktuelle Krise das Ende von Infantinos Fifa-Präsidentschaft.

Im Kampf um die Zukunft von Fifa-Präsident Gianni Infantino folgt eine spektakuläre Entwicklung auf die nächste. Wie ist die Lage, und wie geht es jetzt weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Rücktritt wollte Infantino jedenfalls auch am Dienstagabend nichts wissen, in seiner Instagram-Story postete er in hoher Schlagzahl Fotos von Erinnerungen der zurückliegenden Weltmeisterschaft oder verbreitete Unterstützerschreiben einzelner Verbände.

In Rabat ist der regionale Hauptsitz der Fifa für Afrika. 2027 stehen dort der 77. Fifa-Kongress sowie die nächsten Präsidentenwahlen an. In der Hauptstadt des WM-Co-Gastgebers von 2030 war Infantino in der vorigen Woche als Gast von König Mohammed VI. öffentlich aufgetreten.

Unterdessen behauptete Prinz Ali bin al-Hussein, der Präsident des jordanischen Fußballverbandes, der Druck auf die Mitgliedsverbände, Infantino bei der Wiederwahl im kommenden Jahr zu unterstützen, komme „Erpressung gleich“. Er und sein Verband hätten „ihn früher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun“, schrieb der Gegenkandidat Infantinos bei der Fifa-Präsidentschaftswahl 2016 auf X.

Al-Hussein behauptet außerdem, dass seinen Auswahlspielern in den vergangenen Monaten von der Fifa Gelder vorenthalten worden seien. „Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze“, schrieb al-Hussein dazu. „Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun“, stellte der Prinz klar und ergänzte: „Aber die gesamte Situation läuft auf Erpressung hinaus und wir weigern uns, das zuzulassen.“ Der Weltverband wurde von der Deutschen Presse-Agentur für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen angefragt.

Gianni Infantino erleidet im Kampf um die Fifa-Präsidentschaft einen weiteren Rückschlag. Unterstützung für ihn kommt allenfalls aus Afrika.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: