Eine Landpartie über die Schwäbische Alb. Allerhand Gasthäuser säumen den Weg, Krone, Hirsch, Post, Krug, Linde, Sonne. Und wie sie alle heißen. Über dem Eingang Namensschilder mit Biermarkenreklame, man glaubt zu ahnen, was einen drinnen erwarten würde: Tresen, Zapfhahn, rustikale Bestuhlung, Stammtisch, Speisekarten in Kunstleder. Deutsche Gastlichkeit, deutsche Tradition, deutsche Gemütlichkeit.
Was sie alle eint: dunkle Fenster, splittrige Schindelwände, rostige Speisekartenkästen. Hier kehrt niemand mehr ein.
Dem deutschen Gasthaus geht es schlecht. Was jahrhundertelang fester Bestandteil der Alltagskultur war, ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt gerade im ländlichen Raum, droht zu verschwinden. Immer mehr Betriebe geben auf. Genaue Zahlen kennt niemand, aber die Schließungen gehen in die Tausende allein seit der Coronakrise. Den Wirtinnen und Wirten fehlen: die Nachfolger. Die Gäste. Das Geld. Das Personal. Die Ideen.
Was kann man gegen dieses große Gasthaussterben tun? Wer stemmt sich dagegen – und wie? Und: Sollte man überhaupt etwas dagegen tun? Oder hat sich das Konzept schlicht überlebt, weil die Lebensgewohnheiten der Menschen sich so verändert haben, dass sie das Gasthaus nicht mehr brauchen?
Ein Unternehmen mit Foodtruck, Kinderkochen, BBQ-Kurs
»Allein in unserer Gesamtgemeinde haben in den letzten zehn Jahren sieben Wirtshäuser zugemacht. Das ganze Jahr haben nur noch wir und ein weiteres Gasthaus geöffnet«, sagt Andreas Widmann, Koch und Inhaber von »Widmann’s Albleben« in Königsbronn, einer Gemeinde auf der Ostalb. Im Jahr 2007 feierte das Familienunternehmen sein 250. Jubiläum. Betrieben wird es in der neunten Generation – Andreas Widmann machte am Stammtisch des Gasthauses seine Schulaufgaben. Dass Widmann’s Albleben überlebt hat, liegt daran, dass es – anders als manche Konkurrenten in der Region – mit der Zeit gegangen ist. Darum ist »Gasthaus« auch nicht mehr der richtige Ausdruck für das Unternehmen. Vor knapp 20 Jahren trug sich der Betrieb mit Gasthaus und 7 Zimmern, heute sind es 28. Hinzugekommen sind Chalets, Sternerestaurant, Feinkostgeschäft, Onlineshop, Foodtruck, Kochschule und Cateringgeschäft.
Gerade findet ein BBQ-Kurs statt, den Andreas Widmann selbst gibt. Sogar Verpflegung für Kaffeefahrten testet er derzeit aus. Eine Mitarbeiterin hält ihm ein Kochbuch hin, das er für einen abreisenden Gast signieren soll. Um lukrativ zu wirtschaften, muss heute in vielen Geschäftsfeldern Geld verdient werden.
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