SpOn 08.09.2026
14:59 Uhr

Angela Merkel: Das Leben mit Chatbot besprechen? »Um Gottes willen«


Wir sind nicht aufgeregt genug: So lautet eine Kernbotschaft der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Thema KI. Merkel sprach in Köln auch über eigene Erfahrungen mit Chatbots.

Angela Merkel: Das Leben mit Chatbot besprechen? »Um Gottes willen«

Angela Merkel, 72, ist offenbar keine Heavy Userin von KI-Tools. Ein langes Gespräch mit einem Chatbot jedenfalls habe sie noch nicht geführt, sagte die frühere Bundeskanzlerin auf der Kölner Digitalkonferenz Digital X, einer Veranstaltung der Deutschen Telekom. Sie tue sich schon schwer dabei, Fragen an die KI persönlich zu formulieren, erklärte der Stargast der Branchenkonferenz.

Auf die Frage der Publizistin Miriam Meckel, ob sie ihr Leben mit Chatbots bespreche, antwortete Merkel: »Nein, um Gottes willen.« Solange sie nette menschliche Gesprächspartner habe, brauche sie sich nicht mit einem Bot zu besprechen.

Auf das Schreiben von Reden habe sie sich aber bereits mithilfe von KI vorbereitet, verriet die CDU-Politikerin. Dabei habe sie gemischte Erfahrungen gemacht: So habe die KI eine Falschannahme von ihr über eine berufliche Station eines indischen Politikerkollegen zunächst einfach als Fakt behandelt und sogar mit weiteren Details ausgeschmückt. Erst bei einer im Anschluss zusätzlich angebotenen Faktenprüfung habe das Tool den Fehler bemerkt. »Man muss sehr aufpassen, dass diese Chatbots eigentlich einfach gefallen wollen«, so Merkel.

Miriam Meckel und Angela Merkel in Köln: Ein Gespräch über KI und Politik

Miriam Meckel und Angela Merkel in Köln: Ein Gespräch über KI und Politik

Foto: Daniel Grünfeld / epd

Merkel empfiehlt die KI-Enzyklika des Papstes

Merkel sprach sich in Köln für mehr KI-Regulierung aus. Es brauche mehr Aufregung, auch mehr Interesse der Politik für das Thema KI, lautete eine ihrer Kernbotschaften. Es gelte anzustreben, »dass der Mensch weiter Herr oder Frau über diese neue Technologie bleibt«. Zur Lektüre empfahl Merkel dem Publikum die KI-Enzyklika von Papst Leo XIV., die auch soziale Folgen des KI-Booms thematisiert.

Im Zuge ihres Interviews kommentierte Merkel auch das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. »Das ist ein Einschnitt, ein wirklicher Einschnitt, den wir in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erleben«, sagte sie. »Mir als CDU-Mitglied blutet das Herz, das muss ich wirklich sagen«. Sie verwies dabei auch auf die Erfolge der AfD in sozialen Medien, denen die anderen Parteien sich stellen müssten.

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Dem technikaffinen Kölner Publikum legte sie nahe, seine eigene KI-Nutzung zu reflektieren. Ihre Idee dafür: Man könne am Abend ja mal darüber nachdenken, wie viele Daten man der KI und amerikanischen Rechenzentren an diesem Tag geliefert habe. »Wäre ja schon mal schön, wir wüssten eigentlich, was wir alles persönlich beigetragen haben, indem wir dies und jenes gemacht haben«, so Merkel. Beim Füttern der KI finde ein geistiges Enteignungsprogramm statt, kritisierte sie. Damit schloss sie sich der Kritik vieler Autoren und Medien an, die sich daran stören, dass die KI-Firmen massenhaft Inhalte ohne vorherige Genehmigung ausgelesen haben, um ihre Chatbots anzulernen.

Merkel verriet bei ihrem Auftritt auch, dass sie gelegentlich durch Instagram scrolle. Dabei seien ihr schon rutschfeste Seniorenschuhe empfohlen worden, nachdem sie sich – offenbar digital – im Winter damit beschäftigt habe, dass sie auf bestimmten Schuhen ausrutsche, wenn es glatt sei. Am Anfang habe sie diese Personalisierung von Empfehlungen »total interessant« gefunden, so Merkel, »aber auch so ein bisschen spooky«.

mbö