»Mit der Enteignung müssen wir jetzt mal gucken, wie wir da einen Weg finden.«
»Also man könnte das Geld auch verbrennen meiner Meinung nach, hat den gleichen Effekt.«
Wenige Tage nach dem Erfolg der Linken geht es in Berlin weiter um das Thema dieser Wahl: die Vergesellschaftung von großen Wohnungsunternehmen. Die Linke will das umsetzen, die Berlinerinnen und Berliner sind sich dazu überhaupt nicht einig.
Im Café von Karin Lücker-Aleman ist die Stimmung super. Sie hat für die Linkspartei gestimmt, so wie rund 50 Prozent der Wähler hier im Kreuzberger Wahlkreis von Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp – ein Rekordergebnis für die Partei.
»Ich bin großer Fan von der Linken, ich habe die auch gewählt. Berlin wieder wohnbar machen, Mieten bezahlbar, dass sich wieder was bewegt.«
Um in Berlin regieren zu können, muss die Linke eine Koalition mit den Grünen und der SPD bilden. Die Sozialdemokraten lehnen die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne aber ab. Kann die Linke ihr zentrales Wahlversprechen überhaupt einhalten?
»Warum sollte das nicht eingelöst werden?«
»Genau. Also ich glaube, da muss jetzt etwas passieren. Wenn wir weiter auf die CDU warten und Mietendeckel, die nicht durchgehen, dann wird das hier ein Eldorado für Horrormenschen. Was es ja jetzt schon ...«
»Die SPD ist jetzt gefordert. Also wenn sich viele Sozialdemokraten hinstellen und sagen, da machen wir nicht mit. Dann frage ich mich, was aus der alten Arbeiterpartei geworden ist.«
In Berlin-Kreuzberg hat rund die Hälfte der Menschen einen Migrationshintergrund. Laden-Inhaber Moeiad Jabber ist vor 30 Jahren aus dem Irak nach Deutschland gekommen.
Stefan Hezel, SPIEGEL:
»Warum haben Sie die Linke gewählt?«
»Die Linke hat es gut gemacht. Die hat gesagt, sie hilft den Leuten und Ausländern. Und alle in Deutschland machen diese Miete runter.«
Doch den Wahlversprechen der Linken glauben in Kreuzberg nicht alle.
»Die sagen, dass sie dann enteignen. Dazu brauchen sie Milliarden oder Millionen Gelder dafür. Woher haben sie denn das? Die Stadt hat kein Geld. Das ist nur Lüge. Mehr ist es nicht. «
Ein paar Kilometer weiter, am Berliner Stadtrand in Zehlendorf, sehen das viele genau so.
»Man hat ja nicht eine einzige Wohnung mehr, wenn man enteignet. Also man kann das Geld auch verbrennen meiner Meinung nach, mit dem gleichen Effekt. Ich verstehe überhaupt nicht, wie jemand da auch nur ansatzweise darauf reinfallen kann, weil es einfach nicht funktioniert.«
Hier im Wahlkreis haben bei der Abgeordnetenhauswahl 37 Prozent für die CDU gestimmt. Die Linke hingegen erreichte nur zehn Prozent, die Positionen der Partei kommen hier nicht gut an.
»Vieles halte ich für zu radikal. Aber sie werden ja auch in eine Koalition müssen. Deswegen wird es wahrscheinlich nicht so heiß gegessen, wie es Wahlkampf gekocht wurde«
»Und die Linken, um in Berlin zu regieren, sind zu jung. Die Spitzenkandidatin so lalala«
Annelie Tietz betreibt hier am Mexikoplatz seit einigen Jahren eine Buchhandlung. Auch sie musste wegen Mietsteigerungen schon umziehen. Doch ist die Vergesellschaftung wirklich die Lösung?
»Es hat keinen Sinn, wenn man da jetzt zig Millionen ausgibt für was, was dann schlussendlich doch keinen neuen Wohnraum für die jungen Leute, die jetzt da sitzen, schafft.«
Auch die jüngsten Skandale auf der Wahlparty der Linken beschäftigen die Buchhändlerin und viele andere Berliner. Linke Abgeordnete feierten unter anderem mit Personen, die islamistischen Organisationen nahestehen. Auch Clan-Chef Issa Rammo war zu sehen.
Das bestärkt bei manchen die Sorge vor Kriminalität und Antisemitismus.
»Ich glaube denen das, dass die meisten da keine Antisemiten sind. Aber ich bin da sehr ängstlich, dass das nicht gut gehen wird.«
»Man kann Israel kritisieren, aber das geht wirklich zu weit. Und wenn ich mir angucke die Sympathien mit einigen sehr problematischen propalästinensischen Organisationen. Also das finde ich mehr als fragwürdig. Das finde ich, ehrlich gesagt, unterirdisch. Genauso die Verbindung zur Clan-Kriminalität«
Zurück im Kreuzberger Wahlkreis von Elif Eralp. Die Linken-Anhänger wischen die Vorwürfe schnell beiseite.
»Das ist für mich ganz klare Propaganda aus CDU-Richtung.«
»Ja und ich finde, die Kandidatin hat sich eindeutig geäußert. Keine antisemitischen Dinge in ihrer Partei dulden wird. Und unabhängig davon ist die Kritik an Israel, was dort jetzt geschieht, im Gazastreifen durchaus berechtigt.«
Ein Parteitag der Linken am Freitag soll nun entscheiden, ob es offizielle Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD geben soll.
