Gut eine Woche nach einem mutmaßlichen Drohnenangriff im Schwarzen Meer sind erneut zwei Handelsschiffe vor der bulgarischen Küste angegriffen worden. Ein Schiff sei gesunken, schrieb Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew am Dienstag auf Facebook. Ein anderes Schiff sei offenbar von drei Drohnen getroffen worden. Die Besatzung sei gerettet worden. Die Ukraine und die EU verurteilten die Angriffe.
Um 1.30 Uhr in der Nacht zu Dienstag sei ein erstes Signal »über ein in Seenot geratenes Schiff empfangen worden«, erklärte Radew. Die 15-köpfige Besatzung der »Chelsea 3« – sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner – konnte demnach gerettet werden. Laut der Crew wurde das unter maltesischer Flagge fahrende und der Ukraine gehörende Schiff »von drei Drohnen aus der Luft« getroffen.
Radew zufolge wurde ein weiteres Schiff getroffen und sank. Ein Besatzungsmitglied sei gerettet worden. Weitere Angaben hierzu machte er nicht.
Zwar fehlten »eindeutige Beweise«, allerdings lege »die Logik nahe«, dass die Vorfälle Russland zugutekämen, schrieb Radew auf Facebook. Der bulgarische Regierungschef kündigte an, die russische Botschafterin einzubestellen. Auch die Nato sei informiert worden.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte sagte zu den jüngsten Angriffen, man werde weiterhin eng den unseren Verbündeten im Schwarzen Meer zusammenarbeiten. »Wir haben unsere Haltung entlang der östlichen Flanke bereits gestärkt und werden die Sicherheitslage weiterhin beobachten, unsere Abschreckungs- und Verteidigungshaltung bei Bedarf anpassen.«
»Eine weitere Front in der Eskalation des russischen Krieges in der Ukraine«
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha machte Russland für die Angriffe verantwortlich. »Das Schwarze Meer ist eine Lebensader für die globale Ernährungssicherheit«, schrieb er im Onlinedienst X mit Blick auf die Bedeutung des Meeres für die Getreideexporte. »Russland greift es an, um Hunger als Waffe einzusetzen und die Welt als Geisel zu halten.« Weiter rief Sybiha dazu auf, den Druck auf Russland zu erhöhen.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die jüngsten Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor der bulgarischen Küste »aufs Schärfste«. Es sei »inakzeptabel«, dass das Schwarze Meer zu »einer weiteren Front in der Eskalation des russischen Krieges in der Ukraine« geworden sei, schrieb sie auf X. »Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.«
Erst in der vergangenen Woche waren bei einem Drohnenangriff vor der bulgarischen Küste zwei Handelsschiffe getroffen worden. Dabei war eines der Schiffe gesunken, die gesamte Besatzung gilt als vermisst. Auf dem zweiten Schiff war nach Angaben der bulgarischen Behörden ein Feuer ausgebrochen, die 18-köpfige Crew konnte jedoch in Sicherheit gebracht werden.
Radew verurteilte diesen Drohnenangriff als »eklatanten Verstoß gegen das Seerecht und allgemein gegen die Regeln der Schifffahrt«. Die bulgarischen Behörden konnten nach eigenen Angaben aber zunächst nicht herausfinden, wer die Drohnen abgefeuert hatte.
Infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist das Schwarze Meer immer wieder Schauplatz von Drohnenvorfällen. Laut der türkischen Handelskammer für Seefahrt (IMEAK) wurden seit Beginn des Kriegs vor mehr als viereinhalb Jahren fast 230 zivile und Handelsschiffe im Schwarzen Meer angegriffen, der Großteil davon in diesem Jahr.

