SpOn 13.03.2026
10:41 Uhr

EU-Topdiplomatin Kaja Kallas: »Die USA wollen Europa spalten«


EU-Topdiplomatin Kaja Kallas erhebt in einem Interview harte Vorwürfe gegen Washington: Die USA arbeiteten aktiv an der Zersetzung der EU. Und ihre Methoden seien die von regelrechten Gegnern.

EU-Topdiplomatin Kaja Kallas: »Die USA wollen Europa spalten«

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas macht sich keine Illusionen mehr über das jahrzehntelang partnerschaftliche Verhältnis zwischen der EU und den USA. »Das ist eine sehr komplizierte Beziehung, die wir haben«, sagte Kallas in einem Interview mit der »Financial Times« .

Die Brüsseler Spitzendiplomatin nahm dabei Bezug auf zwei Richtungspapiere, die das Weiße Haus im Dezember  und Januar veröffentlicht hatte: »Wenn man die nationale Sicherheitsstrategie und die nationale Verteidigungsstrategie liest, sollte man sich meiner Meinung nach keine Illusionen machen«, sagte Kallas.

Ihr Fazit ist eindeutig: »Was meiner Meinung nach für alle wichtig zu verstehen ist, ist, dass die USA ganz klar zum Ausdruck gebracht haben, dass sie Europa spalten wollen. Sie mögen die Europäische Union nicht.« Die Art und Weise, wie Washington vorgehe, erinnere dabei an die Taktik »unserer Gegner«, so Kallas.

Kallas plädiert für Zusammenhalt der EU

Die Bestrebungen Washingtons, die EU zu schwächen, indem US-Präsident Trump etwa EU-feindliche Kräfte wie den ungarischen Premierminister Viktor Orbán oder die AfD unterstützt, erfordern laut Kallas einen geschlossenen Ansatz. Die Reaktion auf das Vorgehen der Trump-Regierung solle demnach nicht sein, dass einzelne EU-Staaten sich auf den bilateralen Austausch mit den USA fokussierten, so Kallas. »Sie mögen es nicht, wenn wir zusammen sind, weil wir zusammen gleich stark sind.«

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Trump hat die EU in seiner zweiten Amtszeit ‌wiederholt ins Visier genommen. Er verhängte Zölle, sprach über eine Annexion Grönlands und schloss dabei auch militärische Gewalt nicht aus. In dieser Woche leitete ‌die US-Regierung zudem Handelsuntersuchungen gegen ​die EU ‌und andere Länder ein, was bis zum Sommer ‌zu ​neuen Zöllen führen könnte.

Die frühere estnische Regierungschefin erkannte zugleich jedoch die weiterhin hohe Abhängigkeit Europas von den USA etwa im Verteidigungsbereich an. »Wir müssen in Amerika einkaufen, weil wir nicht über die erforderlichen Vermögenswerte, Möglichkeiten oder Fähigkeiten verfügen«, sagte sie. »Gleichzeitig müssen wir auch in unsere eigene Verteidigungsindustrie investieren.«

Kallas hatte zuletzt bereits eine stärkere Europäisierung der Nato ins Spiel gebracht. Zwar strebe die EU weiterhin »starke transatlantische Beziehungen« an. Das Bündnis müsse sich jedoch »neuen Realitäten anpassen«, die durch die »grundlegende Neuorientierung« der US-Außenpolitik entstanden seien, sagte Kallas Ende Januar bei der jährlichen Konferenz der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) in Brüssel.

fek