SpOn 18.08.2026
05:16 Uhr

Einsatz britischer Drohnen in Russland: Russland reagiert empört


Die ukrainische Armee hat offenbar erstmals mit britischen Drohnen Ziele tief in Russland attackiert. Moskau schickt wüste Drohungen gen London. Und: Eine mutmaßlich russische Drohne zerschellt in der Republik Moldau. Der Überblick.

Einsatz britischer Drohnen in Russland: Russland reagiert empört

Nach einem Bericht über den Einsatz britischer Drohnen bei ukrainischen Angriffen in Russland hat Moskau die Regierung in London vor den »Konsequenzen« gewarnt. Das Vereinigte Königreich werde sich für die militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine »verantworten« und einen »Preis« zahlen müssen, erklärte die russische Botschaft in London. Ein britischer Regierungssprecher wies die Drohungen in der Nacht zum Dienstag zurück und betonte, dass sein Land die Ukraine weiter unterstützen werde.

Vorausgegangen war ein Bericht der »Sunday Times« , dass die ukrainische Armee erstmals britische Drohnen für Angriffe tief im russischen Staatsgebiet eingesetzt habe. Von zwei britischen Unternehmen hergestellte und an die Ukraine gelieferte Drohnen seien bei ukrainischen Angriffen auf militärische und industrielle Ziele innerhalb Russlands zum Einsatz gekommen, darunter auch Lager des Versenders Wildberries, berichtete die Zeitung. Laut BBC  bestätigte eine offizielle Quelle die Nutzung britischer Drohnen.

Lagerhaus bei Moskau: Feuerwehreinsatz nach ukrainischem Drohnenangriff am 16. August

Lagerhaus bei Moskau: Feuerwehreinsatz nach ukrainischem Drohnenangriff am 16. August

Foto: Anadolu Agency / IMAGO

Großbritannien habe sich durch den Drohneneinsatz zum »Komplizen und Mittäter« bei diesen Angriffen gemacht und sich »bewusst für eine Eskalation« des Konflikts entschieden, erklärte die russische Botschaft in London am Montagabend. »Je tiefer die Verstrickung in den Konflikt und je größer die Unterstützung für Kyjiws Terrorapparat, desto höher wird der zu zahlende Preis sein«, hieß es weiter.

Die Regierung in London wies die Erklärung der russischen Botschaft umgehend zurück. Großbritannien bleibe »entschlossen, die Ausrüstung bereitzustellen, welche die Ukraine zur Verteidigung gegen (Wladimir) Putins völkerrechtswidrige Invasion benötigt«, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. »Russland sollte keinen Zweifel an der Entschlossenheit dieser Regierung haben, der russischen Aggression die Stirn zu bieten.«

Marschflugkörper gegen russische Ziele

Im Jahr 2024 hatte die Ukraine bereits britische Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow gegen Ziele in Russland eingesetzt. Zuvor hatte die Ukraine bereits Atacms aus den USA genutzt.

Britischer Marschflugkörper Storm Shadow: Erster Einsatz 2024 gegen russische Ziele

Britischer Marschflugkörper Storm Shadow: Erster Einsatz 2024 gegen russische Ziele

Foto: John Keeble / Getty Images

Am Montag hatte bereits die Bundesregierung Drohungen aus Russland gegen Unterstützer der Ukraine zurückgewiesen. »Die Drohungen und Äußerungen gegenüber EU- oder Nato-Partnern sind nichts Neues«, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. »Die nehmen wir zur Kenntnis, von denen lassen wir uns nicht einschüchtern – und wir lassen uns auch in unserer Unterstützung für die Ukraine nicht einschüchtern.«

Die Sprecherin bezog sich auf eine Äußerung des russischen Außenministers Sergej Lawrow vom Freitag. Dieser hatte gesagt: »Wir werden unsere Methoden stark verschärfen, um all das zu zerstören, was Kiews Kriegsmaschine aus dem Westen speist. Und wir tun dies bereits.«

Lawrows Äußerungen ließen auch im Zusammenhang mit dem jüngsten Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle aufhorchen. Russland gilt als möglicher Auftraggeber der misslungenen Attacke auf ein ukrainisches Transportflugzeug, hat eine Urheberschaft jedoch bestritten (mehr hier ).

Russland kooperiert mit Nordkorea

Der Kreml empört sich immer wieder über die Unterstützung der Ukraine durch andere Länder – hat jedoch kein Problem damit, Soldaten aus Nordkorea in seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu schicken. 2024 entsandte Nordkorea Truppen, um Russland dabei zu unterstützen, Kursk von der Ukraine zurückzuerobern . Zudem liefert es Munition und soll laut ukrainischen Angaben auch eine Raketeneinheit bereitstellen.

Die staatliche nordkoreanische Agentur KCNA zitiert den russischen Außenminister Lawrow mit den Worten, beide Länder arbeiteten daran, eine »neue ​und gerechte Weltordnung« zu etablieren. Lawrow habe sich in einer Botschaft an die nordkoreanische Außenministerin Choe Son Hui entsprechend geäußert, so KCNA. Lawrow habe zudem erklärt, die von Nordkorea entsandten Soldaten hätten ‌dafür gekämpft, die »ukrainische Naziclique« aus der Region Kursk zu vertreiben.

Tote und Verletzte in der Ukraine

Bei russischen Angriffen sind am Abend in der Ukraine mehrere Menschen getötet und verletzt worden. In Saporischschja starben ein Mann und eine Frau bei einem Drohnenangriff auf eine Kleingartenanlage, wie der regionale Militärverwalter Iwan Fedorow auf Telegram mitteilte. Bei weiteren Drohneneinschlägen sei in einer Gemeinde von Saporischschja der Strom ausgefallen. Aus der südukrainischen Hafenstadt Odessa meldeten die Behörden mindestens neun Verletzte durch russische Angriffe.

Drohne in Moldau zerschellt

Eine vermutlich russische Drohne ist in den Luftraum von Moldau eingedrungen und auf einem Acker explodiert. Das unbekannte Fluggerät sei im Gebiet Ștefan Vodă im äußersten Südosten des Landes zerschellt und habe einen kleinen Brand ausgelöst, teilte die moldauische Polizei auf Telegram mit. Personen seien nicht zu Schaden gekommen.

Experten untersuchten den Absturzort. Nach Darstellung ukrainischer Medien war eine russische Drohne vom Typ Banderol beim Anflug auf den Hafen von Odessa vom Kurs abgekommen und über die Grenze nach Moldau geflogen.

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In einer ersten Reaktion erklärte Präsidentin Maia Sandu bei Radio Moldova, dass die Drohnen im moldauischen Luftraum eine Gefahr für die Menschen darstellten. Die Verantwortung für diese Risiken sah sie bei Russland, das »diesen Krieg gegen die Ukraine ausgelöst hat«.

Erst am Vortag war eine Drohne über Rumänien von einem spanischen Kampfjet im Rahmen der Nato-Luftraumüberwachung abgeschossen worden. Die Drohne war aus dem moldauischen Luftraum kommend über Rumänien bemerkt und dann zerstört worden, wie das Verteidigungsministerium via X mitteilte. Die Trümmer seien vermutlich im Bezirk Galați über unbewohntem Gelände abgestürzt. Das Ministerium machte keine Angaben zur Herkunft der Drohne.

»Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft«, heißt es in George Orwells dystopischem Roman »1984«. Russlands Präsident Putin scheint nach genau diesem Motto zu agieren und überzieht Europa mit Aggression .

hda/AFP/Reuters/dpa