SpOn 18.09.2026
10:07 Uhr

Friedrich Merz fährt manchmal S-Bahn


Der Bundeskanzler ein abgehobener Privatjetpilot? Ach, i wo! Friedrich Merz fährt in Berlin auch gern mal mit der S-Bahn. Wohin führt seine persönliche Mobilitätswende?

Friedrich Merz fährt manchmal S-Bahn

Als Friedrich Merz einst seinen Privatflieger höchstpersönlich nach Sylt zur Hochzeit von Christian Lindner pilotierte, da hielt ihm manch einer vor, ganz schön – nun ja – abgehoben zu sein. Gut für einen Piloten, nicht so gut für einen Kanzler. Jetzt, in der schweren politischen Krise, in der Merz sich befindet , will er sich offenbar auf seine Wurzeln besinnen, die Nähe zum Volk suchen: Nein, der Kanzler fliegt nicht nur Privatjet, fährt nicht nur Dienstlimousine. »Ich fahre nach wie vor hin und wieder mit der S-Bahn«, hat Merz jetzt im Wahlkampf in Berlin erzählt.

Unter der Mobilitätswende haben sich viele Deutsche etwas anderes vorgestellt, aber immerhin. Merz gibt sich damit nämlich nicht nur volksnah, sondern sogar rebellisch. Denn: »Es gibt viele Menschen in meinem Umfeld, die das nicht so gerne mögen«, sagte Merz über seine S-Bahn-Fahrten: »Aber ich mag das hin und wieder.«

Die Linien S1, S2, S25 führten ihn zum Ziel. »Und dann steige ich aus der S-Bahn am Pariser Platz aus, gehe durch das Brandenburger Tor.« Er nehme bewusst einen kleinen Umweg in den Bundestag und gehe, wenn Zeit sei, noch an einer kleinen Plakette zu Ehren des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan auf der Westseite des Brandenburger Tors vorbei.

»Und wenn es dann morgens so früh ist, dass noch nicht ganz so viel Verkehr ist, dann genieße ich einfach diesen historischen Ort und bin auch persönlich wirklich voller Dankbarkeit, dass ich heute durch dieses Brandenburger Tor gehen kann und darf«, sagte Merz. Er habe schließlich noch erlebt, als dies in der Zeit der deutschen Teilung nicht möglich war.

Wohin führt Merz' Mobilitätswende?

Ob Merz auf seinen S-Bahn-Fahrten auch mal die Füße auf den Sitz legt, wummernden Techno über seine Boombox laufen lässt oder gar schon mal ohne Ticket erwischt wurde, ist leider nicht überliefert.

Deutlich wird nun aber Merz' Strategie, wieder näher ans Volk zu rücken. Sollte die S-Bahn-Aussage die Beliebtheitswerte des Kanzlers nach oben treiben, wird er vielleicht noch mal umsteigen – und zwar aufs Motorrad. Da liegen nämlich seine Mobilitätswurzeln. Mit 14 im hochsauerländischen Brilon trug Merz »schulterlange Haare«, ist »mit dem Motorrad durch die Stadt gerast« und sein »Stammplatz mit zwei Freunden war die Pommesbude auf dem Marktplatz«. So hat er es im Jahr 2000 zumindest mal dem »Tagesspiegel« erzählt.

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ptz/dpa