Sei es der umstrittene Platzverweis für US-Spieler Folarin Balogun , die Hand vor dem Mund von Paraguays Miguel Almirón oder die Bestrafung des Schweizers Breel Embolo für dessen Schwalbe gegen Argentinien: Die WM 2026 ist auch eine WM der besonderen Roten Karten. Den Anstoß für dieses Instrument im Fußball gab der Argentinier Antonio Rattín – mit seinem legendären Streit mit dem deutschen Schiedsrichter Rudolf Kreitlein bei der WM 1966.
Die Szene war ausschlaggebend für die Einführung Gelber und Roter Karten. Nun ist der frühere Mittelfeldspieler nach Angaben seines langjährigen Vereins Boca Juniors im Alter von 89 Jahren gestorben.
»Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Antonio Ubaldo Rattín, dem Idol und Aushängeschild unseres Vereins«, teilte Boca Juniors auf seinen Social-Media-Kanälen mit.
Der Vorfall, der Rattín berühmt machte, ereignete sich beim Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1966. Die Argentinier trafen auf Gastgeber England, der das Spiel 1:0 gewann. Kreitlein hatte Rattín zuvor zweimal verbal verwarnt. Als der Südamerikaner den Unparteiischen erneut beschimpfte, verwies dieser ihn vom Platz.
Unter starkem Polizeischutz verlässt der deutsche Schiedsrichter Rudolf Kreitlein das Spielfeld des Londoner Wembleystadions, nachdem er Argentiniens Kapitän Antonio Rattín des Feldes verwies
Foto: dpaRattín weigerte sich minutenlang, das Spielfeld zu verlassen. Am Ende mussten englische Polizisten eingreifen. Beim Abgang zerknüllte er zudem eine englische Flagge. Als Konsequenz führte die Fifa die Gelbe und die Rote Karte für Verwarnungen und Platzverweise ein.
Für die argentinische Nationalmannschaft spielte Rattín insgesamt 34-mal. Bei dem Turnier in England war er Kapitän. Im Vereinsfußball war er ausschließlich für Boca Juniors aktiv. Dort kam er von 1956 bis 1970 in 353 Spielen zum Einsatz und gewann vier Meisterschaften sowie einen Landespokal. Nach seiner Laufbahn arbeitete Rattín als Trainer und engagierte sich in der Politik. Von 2001 bis 2005 saß er als Vertreter einer kleinen konservativen Partei in der Abgeordnetenkammer.
