Altbundeskanzler Gerhard Schröder steht nach seinem Besuch der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau massiv in der Kritik.
Bundeskanzler Friedrich Merz sei »zutiefst empört« über das Treffen, sagte Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer. »Putin allein« sei für den Krieg in der Ukraine verantwortlich und seine Befehle sorgten täglich für »unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete«. Der Bundeskanzler empfinde es vor diesem Hintergrund »als geradezu unmoralisch«, dass Schröder gemeinsam mit Putin feiere.
»Scham ist kaum noch ein Ausdruck«, schrieb CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann am Freitag im Internetdienst X. »Schampus, Kaviar und Bomben« – während Schröder mit Putin gefeiert habe, seien in der Ukraine Kinder durch russische Angriffe gestorben.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands frechsten Rentner. »Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burn-out), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zu Hause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.«
»Ein Bärendienst für Frieden«
Die Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt schrieb zu Schröders Besuch bei Putin auf der Plattform X: »Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.« Aber leider habe sie schon nichts anderes mehr von ihm erwartet.
Nach Kreml-Angaben hatte Schröder am Mittwoch mit Kremlchef Putin dessen 74. Geburtstag gefeiert.
Schröder und Putin am 8. Oktober
Foto: Kremlin.ru / REUTERSDer Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte auf X ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und »eine frische Ladung Rubel«. Er fügte hinzu: »Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder«. 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.
Vor der Party hatte Schröder am Morgen eine Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in der russischen Hauptstadt besucht und eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des Unternehmens gehalten. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.
»Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker«
Der SPD-Außenpolitiker Stegner sagte hingegen dem »Tagesspiegel«, man müsse »in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen.« Stegner fügte hinzu: »Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg.«
Der Altbundeskanzler sei einer der wenigen Menschen, die Zugang zu Putin hätten. Diesen Zugang müsse man nutzen, sagte der Bundestagsabgeordnete. »Gerhard Schröder ist gegen den Krieg. Er wird Putin bestimmt nicht ermuntert haben: »›Mach weiter mit dem Krieg!‹«, sagte Stegner weiter.
Dem Nachrichtenportal »T-Online« sagte der SPD-Abgeordnete: »Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altbundeskanzler nach Moskau reist.«
Im Mai hatte Putin Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung waren Putins Äußerungen aber auf deutliche Skepsis gestoßen.
