SpOn 30.09.2026
08:09 Uhr

HDI-Berufestudie: Deutsche haben weniger Lust zu arbeiten


Für viele Berufstätige zählt bei der Arbeit mittlerweile nur noch das Gehalt. Besonders ältere Arbeitnehmer würden laut einer Umfrage am liebsten schon heute kündigen, wenn sie könnten.

HDI-Berufestudie: Deutsche haben weniger Lust zu arbeiten

In Deutschland ist offenbar vielen Menschen die Lust an der eigenen Arbeit vergangen. Das zeigen die Zahlen einer YouGov-Umfrage für die neue Ausgabe der Berufestudie  des Versicherers HDI. Demnach arbeiten 59 Prozent der Befragten nur noch oder hauptsächlich des Geldes wegen. Das sind 17 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr, zugleich liegt der Wert fast doppelt so hoch wie vor der Coronapandemie im Jahr 2019.

Besonders von einem negativen Stimmungswandel betroffen sind die Jahrgänge, die kurz vor der Rente stehen. Fast zwei Drittel der befragten 55- bis 64-jährigen Berufstätigen stimmten laut der Erhebung der Aussage zu, dass sie mit ihrer Arbeit so schnell wie möglich aufhören würden, wenn sie nicht auf das Gehalt angewiesen wären. Für die Studie wurden vom 10. Juni bis 3. Juli insgesamt 3844 Erwerbstätige befragt. Die Ergebnisse sind laut HDI repräsentativ sowohl für ganz Deutschland als auch die einzelnen Bundesländer.

IT-Entwickler gefährdet

Vor einem Jahr waren es nur 42 Prozent aus dieser Altersgruppe, keine andere verzeichnete einen höheren Anstieg. Ausgerechnet in diesem Alterssegment könnten die Menschen künftig jedoch einem längeren Arbeitsleben entgegenblicken. Die Bundesregierung plant die Abschaffung der »Rente mit 63«, Kanzler Friedrich Merz bekräftigte die Pläne. In der Altersgruppe bis 54 gab zumindest noch eine Mehrheit von 54 Prozent an, ein Leben ohne Arbeit sei für sie nicht vorstellbar.

Ein weiteres Thema der Umfrage war künstliche Intelligenz, die demnach gemischte Gefühle in der arbeitenden Bevölkerung auslöst. Jeweils ungefähr ein Viertel erwartet demnach – oder erlebt bereits – in drei Feldern positive Effekte: Entlastung von Routinearbeiten, bessere persönliche Arbeitsergebnisse und höhere Produktivität. Auf der anderen Seite rechnen 42 Prozent damit, dass der Einsatz von KI Stellenabbau nach sich zieht. Neun Prozent haben diese Erfahrung demnach im eigenen Umfeld bereits gemacht.

Bei der Frage, wie sehr KI Berufe bedroht, gab es unter den Befragten keinen ganz großen Konsens, aber doch eine klare Richtung: 41 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die Technologie menschliche Entwickler in der Informationstechnologie überflüssig macht. In der Reihe KI-bedrohter Berufe folgten Finanz- und Steuerberater (38 Prozent), Werbung und Marketing (36 Prozent) und Verwaltungsangestellte (35 Prozent). Am wenigsten gefährdet sind demnach Köche und Köchinnen. Nur drei Prozent glauben, dass KI Männer oder Frauen am Herd ersetzen kann.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, Deutsche hätten immer weniger Lust zu arbeiten. Tatsächlich gab es laut HDI-Berufestudie in der Vergangenheit auch Jahre, in denen der Anteil an Menschen sank, die ihren Beruf aufgeben wollen.

jhg/dpa