SpOn 11.03.2026
17:31 Uhr

Iran-Krieg: Mahmud Ahmadinejad hat Luftschlag überlebt und lebt offenbar im Untergrund


Vom Präsidenten zum Aussätzigen: Das iranische Regime hat Mahmud Ahmadinejad politisch marginalisiert. Mitten im Krieg mit Israel und den USA gibt es Gerüchte über seinen Verbleib.

Iran-Krieg: Mahmud Ahmadinejad hat Luftschlag überlebt und lebt offenbar im Untergrund

Mahmud Ahmadinejad ist bei einem Luftangriff in Teheran getötet worden – diese Nachricht ging gleich zu Beginn des Irankriegs um die Welt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Ilna befand sich der 69-Jährige zum Zeitpunkt des Angriffs umgeben von zahlreichen Leibwächtern in seinem Haus im Osten der Hauptstadt.

Es dauerte nicht lange, bis die Partei des ehemaligen iranischen Präsidenten die Todesmeldung dementierte. »Dolate Bahar gibt hiermit bekannt, dass die Berichte über den Märtyrertod von Dr. Ahmadinejad bei den amerikanisch-israelischen Angriffen falsch sind«, hieß es in einer Mitteilung auf der Internetseite der Partei.

Nun hat »The Atlantic« eine Recherche veröffentlicht , die einen ganz anderen Blick auf die Geschehnisse wirft. Das US-Magazin schreibt, der Angriff sei möglicherweise eher eine Befreiungsaktion gewesen.

Mehr zum Thema

Ein kurzer Rückblick.

Ahmadinejad führte Iran von 2005 bis 2013. Zu Beginn galt er als Favorit des herrschenden schiitischen Klerus sowie der Hardliner und Konservativen im Parlament. Gegen Ende seiner Amtszeit wuchs die Kritik an seinem Kurs. Seine harte Linie in der Atompolitik löste internationale Sanktionen aus. Die Folge: eine schwere Wirtschaftskrise.

Obwohl Ahmadinejad als Ziehsohn des jetzt getöteten Ajatollah Ali Khamenei galt, entwickelte er sich gegen Ende seiner Präsidentschaft und darüber hinaus zu einer unberechenbaren Opposition innerhalb des Systems.

Sein Versuch, die Befugnisse des gewählten Präsidenten gegenüber dem Klerus zu erweitern, führte zum Bruch mit dem Obersten Führer. In den Folgejahren wurde er politisch marginalisiert; der Wächterrat schloss ihn 2017, 2021 und 2024 von den Präsidentschaftswahlen aus.

Der Staat wusste nicht so recht, was er mit ihm machen soll – es war nur allen klar: Ahmadinejad weiß viel. Ein Ex-Verteidigungsminister hat ihn 2018 mit »der Tür einer Moschee« verglichen, »die nicht verbrannt oder weggeworfen werden kann«, ohne das Gotteshaus selbst in Brand zu setzen.

Bis Januar dieses Jahres soll er nur von einigen Bodyguards bewacht worden sein. Mit der brutalen Niederschlagung der Massenproteste habe das Regime aber die Zahl massiv aufgestockt, schreibt »The Atlantic« und nennt die Zahl von 50 Personenschützern. Die sollten ihn vermutlich nicht nur beschützen, sondern auch jeden seiner Schritte überwachen. Denn auch sein Handy soll ihm weggenommen worden sein.

Der Militärschlag der US-Amerikaner und Israelis soll demnach vor allem die Bodyguards zum Ziel gehabt haben. In dem darauffolgenden Chaos soll Ahmadinejad mit seiner Familie die Flucht in den Untergrund gelungen sein. Der Ex-Präsident hat sich seither nur einmal kurz zu Wort gemeldet  und den Tod von Khamenei Senior betrauert. Wo er sich nun aufhält, weiß das Regime offenbar nicht.

dop/dpa