Die frühere Außenministerin Italiens und EU-Kommissarin Emma Bonino ist tot. Die Politikerin starb im Alter von 78 Jahren, das teilte ihre Partei Più Europa (zu Deutsch: Mehr Europa) mit. Bonino war von 1995 bis 1999 EU-Kommissarin für Verbraucherschutz, Fischerei und Humanitäre Hilfe. Später wurde sie in Italien Handels- und Europaministerin im zweiten Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten Romano Prodi. In der Regierung von Enrico Letta war sie von April 2013 bis Februar 2014 Außenministerin.
»Heute verlieren wir nicht nur unsere Vorsitzende, wir verlieren eine der klarsten, mutigsten und freiesten Persönlichkeiten in der politischen Geschichte unseres Landes und der freien Welt«, erklärte die Partei in den sozialen Medien.
Boninos Kampf für die Legalisierung der Abtreibung
Bekanntheit erlangte Bonino in den Siebzigerjahren als prominente Vertreterin der Partei Radicali Italiani (Italienische Radikale), die radikal-liberale Positionen vertrat. Im damals stark katholisch geprägten Italien kämpfte sie erfolgreich für die Legalisierung der Abtreibung und wurde so zur Ikone des radikalen Liberalismus. Mit 26 Jahren wurde sie schwanger und ließ selbst eine damals illegale Abtreibung vornehmen.
Nach einer Krebsdiagnose im Jahr 2015 hatte sich Bonino in der Öffentlichkeit fast immer mit farbenfrohen Kopfbedeckungen gezeigt. Mehrere Jahre nach der Diagnose und verschiedenen Therapien hatte sie erklärt, vollständig geheilt zu sein. In letzter Zeit hatte sich ihr gesundheitlicher Zustand jedoch wieder verschlechtert. Anfang der Woche musste sie wegen Atemnot in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert werden. Bis Donnerstag wurde sie auf der Intensivstation behandelt und in eine private Einrichtung verlegt. Medienberichten zufolge basierte diese Entscheidung auf einer Übereinkunft ihres privaten Arztes und der Ärzte im Krankenhaus.
2013 hatte sich die hoch angesehene, proeuropäische Politikerin darum bemüht, als erste Frau italienische Staatspräsidentin zu werden. In den Umfragen lag Bonino sogar lange Zeit vorn. Schließlich wurde jedoch der damalige Amtsinhaber Giorgio Napolitano wiedergewählt. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni würdigte Bonino mit einem Post in den sozialen Medien: Auch wenn die Hintergründe und Sichtweisen unterschiedlich gewesen seien, »hat mich das nie daran gehindert, ihre Bedeutung und ihre Rolle im öffentlichen Leben unserer Nation anzuerkennen«.
