Die mit Iran verbündeten Huthis haben im Westen des Jemen laut übereinstimmenden Berichten die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka unter ihre Kontrolle gebracht. Nach der Einnahme der Stadt bewegten sich die Huthi-Kämpfer nun weiter auf die Meerenge Bab al-Mandab zu, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Militärkreise.
Das für den Welthandel wichtige Nadelöhr am südlichen Ende des Roten Meeres befindet sich etwa 70 Kilometer südlich von Mokka. Augenzeugen schilderten AFP, sie hätten gesehen, wie Huthis unter dem Ruf »Tod für Amerika, Tod für Israel!« in Mokka einmarschierten.
Auch Videos in den sozialen Netzwerken sollen die Miliz innerhalb von Mokka zeigen. Die Aufnahmen konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden. Viele Anwohner sollen die Stadt aus Furcht vor einer weiteren Eskalation verlassen haben.
Militärkoalition zieht sich offenbar zurück
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet ebenfalls unter Berufung auf jemenitische Regierungskreise, dass die Huthis auch die der jemenitischen Küste vorgelagerten Hanisch-Inseln angegriffen hätten, während die Regierungstruppen und ihre Verbündeten sich nach Süden in die Stadt Dhubab zurückzogen. Deren Kontrolle gilt zusammen mit der nahe gelegenen Insel Perim als Schlüssel für die Vorherrschaft über den Bab al-Mandab.
Die wegen der gefährlichen Navigationsbedingungen auch als »Tor der Tränen« bekannte Schifffahrtsroute hat im Zuge des Irankriegs zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Sie zählt zu den weltweit wichtigsten Strecken für den Transport von Rohöl und Kraftstoffen aus der Golfregion über den Suezkanal ins Mittelmeer sowie in umgekehrter Richtung für Handelsgüter mit Ziel Asien, darunter russisches Öl.
Hunderte Tote bereits jetzt
Die Huthis haben in der Vergangenheit bereits mehrfach Schiffe im Roten Meer angegriffen und im Zuge der jüngsten Eskalation auch eine Blockade gegen saudi-arabische Schiffe ausgesprochen.
Im Jemen kämpfen die von Iran unterstützten Huthis gegen die mittlerweile in der Stadt Aden ansässige Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Seit 2022 herrschte eine inoffizielle Waffenruhe. Kürzlich flammten die Kampfhandlungen jedoch wieder auf, Huthis und Saudi-Arabien überzogen einander mit Luftangriffen.
Die Huthis nahmen dabei etwa saudi-arabische Energieeinrichtungen am Roten Meer ins Visier. Saudi-Arabien flog ebenfalls Dutzende Angriffe, nach Huthi-Angaben soll es allein am Donnerstag »etwa 40 Angriffe« in den Provinzen Taizz, Hodeida, Al-Dschauf und Marib gegeben haben. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Bei den Kämpfen wurden bislang mehr als 500 Menschen getötet.

