SpOn 08.08.2026
13:16 Uhr

Kinderlosigkeit bei Männern: Immer mehr Deutsche ohne eigenen Nachwuchs


Lebensmodelle in Deutschland wandeln sich. Eine neue Auswertung beleuchtet die Situation der Männer: Vor allem zwischen 30 und 40 bleiben deutlich mehr von ihnen ohne Nachkommen.

Kinderlosigkeit bei Männern: Immer mehr Deutsche ohne eigenen Nachwuchs

In Deutschland bleiben viele Männer ohne eigenen Nachwuchs. Mittlerweile haben vier von zehn erwachsenen Männern im Land keine Kinder. Das zeigen Daten des GESIS-Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften, die exklusiv für die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« ausgewertet wurden.  Während 1980 knapp 34 Prozent der Männer ab 18 Jahren kinderlos waren, erreichte die Quote inzwischen 40 Prozent.

Besonders drastisch veränderte sich die Situation in jener Lebensphase, in der Menschen gewöhnlich Familien gründen. Bei den 30- bis 34-jährigen Männern kletterte der Anteil der Kinderlosen seit 1980 von 42 auf 69 Prozent. In der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen stieg die Quote von 22 auf 54 Prozent – somit ist mehr als jeder zweite Mann in diesem Alter kinderlos.

Ohne feste Partnerschaft durchs Leben

Parallel zur sinkenden Vaterschaft geht auch der Anteil fest gebundener Männer zurück. Laut einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden lebten 1986 noch 93 Prozent der Männer in einer festen Partnerschaft. Bis zum Jahr 2024 fiel dieser Wert um 14 Prozentpunkte auf 79 Prozent.

Soziologen sehen vor allem veränderte Rahmenbedingungen als Ursache für diese Entwicklung. Claudia Rahnfeld, Professorin für Angewandte Sozialwissenschaften an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach, verweist auf strukturelle Hürden bei der Familiengründung. Finanzielle Stabilität, eine gefestigte berufliche Position und geeigneter Wohnraum verlagerten sich bei vielen Männern zeitlich nach hinten. Das führe dazu, dass der Wunsch nach eigenen Kindern häufig unerfüllt bleibe. »Wenn wir Kinderwunsch und Realisierung des Kinderwunsches nebeneinanderstellen, muss man sagen, sind es schon oft die schwierigen Rahmenbedingungen, die es heute gibt«, sagt Rahnfeld.

Selektive Partnerwahl

Neben ökonomischen Faktoren spielt laut der Wissenschaftlerin auch ein gesellschaftlicher Wandel bei der Beziehungsanbahnung eine zentrale Rolle. Sowohl Männer als auch Frauen wählten ihre Partner heute deutlich selektiver aus. Mit einem höheren Emanzipationsgrad von Frauen steige erfahrungsgemäß die ungewollte Kinderlosigkeit unter Männern – eine Entwicklung, die sich bereits in skandinavischen Ländern gezeigt habe: »Emanzipierte Frauen wählen sehr, sehr bewusst aus, mit wem sie Kinder bekommen«, sagt Rahnfeld.

Wie Männer darunter leiden, keine Kinder zu haben, erfährt der Therapeut Matthias Stiehler in seinem Arbeitsalltag regelmäßig. Mehr dazu lesen Sie hier.  

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flg