SpOn 15.07.2026
12:46 Uhr

Kita-Rechtsanspruch: Studie zeigt mehr Elternzeit bei Vätern und schnellere Rückkehr von Müttern


Seit 13 Jahren haben Eltern Anspruch auf einen Kitaplatz für ihr Kind ab dessen erstem Geburtstag. Eine Studie zeigt: Das verändert, wer zu Hause bleibt – und wer arbeiten geht.

Kita-Rechtsanspruch: Studie zeigt mehr Elternzeit bei Vätern und schnellere Rückkehr von Müttern

Mehr Kitaplätze bedeuten mehr Väter in Elternzeit: Auf zehn neu geschaffene Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren kommen im Schnitt vier Väter, die zusätzlich Elternzeit nehmen.

Das ist ein zentraler Befund einer Studie, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) vorgestellt hat . Seit 2013 haben Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Geburtstag. Die Forschenden aus Wiesbaden wollten wissen: Was hat dieser Anspruch in den vergangenen 13 Jahren tatsächlich verändert?

Je mehr Betreuungsangebot, desto häufiger nahmen Väter Elternzeit

Für ihre Untersuchung werteten sie rund 94.000 Beobachtungen von Familien mit Kindern zwischen 12 und 35 Monaten aus der Kinderbetreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts aus. Diese Daten verknüpften sie mit regionalen Angaben zum Ausbau der Kitaplätze für unter Dreijährige, erhoben zwischen 2012 und 2022.

Was die Daten zeigen: Je mehr Betreuungsplätze eine Region schuf, desto häufiger nahmen Väter Elternzeit – meist für zwei Monate und meist dann, wenn das Kind zwischen 12 und 14 Monate alt war. Genau in dieser Phase wechseln viele Kinder in die Kita. Mütter dagegen verkürzten ihre Elternzeiten. Im zweiten und dritten Lebensjahr des Kindes stieg ihre Erwerbstätigkeit deutlich, während Väter häufiger in Teilzeit statt Vollzeit arbeiteten. Die Arbeitszeiten beider Elternteile näherten sich dadurch etwas an, auch wenn Väter im weiteren Verlauf ihre eigene Arbeitszeit nur leicht reduzierten.

Rollenbilder verändern sich nur schleppend

Für die Studienautoren war das ein Indiz dafür, dass Rechtsanspruch und Elterngeld als familienpolitisches Instrument wesentlich zusammenwirken. Können Eltern sicher planen, dass ihr Kind nach dem ersten Geburtstag betreut wird, lassen sich Elternzeit und Berufsrückkehr besser aufeinander abstimmen. Verlässliche Betreuungsangebote schaffen demnach die Voraussetzung dafür, dass sich Paare Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlicher aufteilen.

Ganz durchgesetzt hat sich diese neue Aufteilung allerdings nicht. Die Forschenden weisen darauf hin, dass sich die tatsächliche Verteilung der Sorgearbeit innerhalb der Familien bislang kaum verändert habe. Rollenbilder wandeln sich offenbar langsamer als das Erwerbsverhalten: Auch wenn Väter öfter in Elternzeit gehen und ihre Arbeitszeit anpassen, bleibt die Frage, wer sich um Haushalt und Kinder kümmert, weitgehend unverändert beantwortet.

Mehr zum Thema
flg/KNA