SpOn 25.09.2026
17:10 Uhr

Köln: WDR baut Stellen ab und streicht 76 Angebote


Fernsehsendungen, Podcasts, Social-Media-Angebote: Der WDR stellt nach eigenen Angaben bis Ende 2027 Dutzende Formate ein. Neue Angebote sollen entwickelt werden, jedoch mit immer weniger Personal.

Köln: WDR baut Stellen ab und streicht 76 Angebote

Bis Ende des kommenden Jahres will der WDR in seinem Programm 76 Angebote einstellen. Das kündigte die Geschäftsleitung des größten ARD-Senders in Köln an. Auch beim Personal plant der WDR Einschnitte: Jede dritte Stelle, die durch Verrentung frei wird, soll bis 2030 nicht neu besetzt werden.

Dabei handele es sich um 133 Stellen, sagte Intendantin Katrin Vernau der »Rheinischen Post« . Angesichts von knapp 4000 Stellen beim WDR sei das »nicht sehr viel«, aber dennoch ein deutlicher Abbau.

Mit den weitreichenden Veränderungen will der WDR nach eigenen Angaben Ressourcen stärker ins Digitale verlagern. Druck gibt es für den Sender aus mehreren Richtungen. Vernau verwies in einer Mitteilung auf die sich verändernde Mediennutzung, steigende Kosten und eine ungewisse Finanzierung. Derzeit seien noch gut drei Viertel der Ressourcen im klassischen linearen Programm gebunden.

Weniger Aufträge für freie Mitarbeitende

Von den Veränderungen sind auch freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Auch das Auftragsvolumen für sie werde sinken, sagte Vernau der »Rheinischen Post«. Wie viele freie Mitarbeiter betroffen sein werden, könne der WDR derzeit noch nicht beziffern.

Ver.di rechnet mit deutlichen Folgen für die Beschäftigten. Angestellte seien von Versetzungen betroffen, bei freien Medienschaffenden könnte es laut Ver.di zu einer Beendigung oder erheblichen Einschränkung ihrer Beschäftigung kommen, heißt es in einer Mitteilung .

Ver.di übte deutliche Kritik an den Plänen und nahm zugleich die Länder in die Verantwortung. »Eine Rundfunkpolitik, die von den Bundesländern verantwortet wird, spart die Sender kaputt und führt damit auch zu weniger Sendungen für die Breite der Gesellschaft«, sagte Christoph Schmitz-Dethlefsen, im Ver.di-Bundesvorstand für Medien zuständig.

Von 600 auf 300 Angebote

Bereits im Frühjahr hatte der WDR angekündigt, sein Portfolio von derzeit etwa 600 auf 300 Angebote im Jahr 2030 zu verkleinern. Zugleich sollen bis zu 100 neue Angebote entwickelt werden.

Zu den Sendungen, die eingestellt werden, gehört etwa das Fernsehmagazin »Frau tv«. Auch die WDR-4-Sendung »Satire am Sonntag« sowie digitale Angebote wie »studio M«, »Lisas Paarschitt« und mehrere Angebote rund um »Doc Esser« werden beendet. Andere Angebote werden vollständig ins Digitale verlagert. So entfällt etwa für »Erlebnis Erde« die Ausstrahlung im WDR Fernsehen. Welche Angebote im nächsten Schritt eingestellt werden, soll im Frühjahr 2027 entschieden werden.

WDR konzentriert sich im Fernsehen auf den Abend

Auch das lineare Fernsehprogramm soll sich verändern. Der WDR will sich dort auf die Zeit zwischen 17.00 und 22.15 Uhr konzentrieren, in der er nach Angaben Vernaus die meisten Zuschauer erreicht. In den übrigen Zeiten sollen bis auf wenige Ausnahmen Wiederholungen oder Dokumentationen in Zweitverwertung laufen.

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Zugleich will der Sender sein regionales digitales Angebot ausbauen. Regionale Inhalte sollen vorrangig für Web, App und soziale Medien konzipiert und produziert werden. Unter anderem soll das Angebot im Regionalsport auf wdr.de und in der WDR-App wachsen.

Umbau auch bei Produktion und Technik

Neben dem Programm sollen sich auch Produktion, Technik und Verwaltung verändern. Bis 2030 will der WDR rund 20 Prozent der Stellen aus klassischen Produktionsbereichen in technologieorientierte Aufgabenfelder verlagern. Bei Dokumentationen und Unterhaltung soll zudem stärker auf externe Produktionsfirmen und Dienstleister gesetzt werden.

kim/dpa