SpOn 16.09.2026
12:22 Uhr

Kollision von Marineschiffen – Indien protestiert bei Pakistan


Es ist der erste Zwischenfall seit den heftigen Spannungen im vergangenen Jahr: Im Arabischen Meer stoßen ein pakistanisches und ein indisches Schiff zusammen. Neu-Delhi sucht die Schuld beim Erzrivalen.

Kollision von Marineschiffen – Indien protestiert bei Pakistan

Das indische Außenministerium hat eigenen Angaben zufolge den ranghöchsten pakistanischen Diplomaten einbestellt. Zur Begründung hieß es, man wolle gegen »inakzeptables und unprofessionelles Verhalten« pakistanischer Marineeinheiten, das zu einer Kollision mit einem indischen Kriegsschiff geführt habe, scharf protestieren.

Der Zusammenstoß ereignete sich am Dienstag in internationalen Gewässern. Bei einer routinemäßigen Überwachungsmission im nördlichen Arabischen Meer näherte sich ein pakistanisches Marineschiff mit hoher Geschwindigkeit einem indischen Kriegsschiff, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf indische Quellen. Es kam zur Kollision.

Der Vorfall verursachte zwar keinen größeren Schaden, doch Pakistan habe damit »direkt gegen« ein Abkommen aus dem Jahr 1991 zwischen den beiden Ländern verstoßen, erklärte das indische Außenministerium. Das Papier regelt Militärübungen, Manöver und Truppenbewegungen und schreibt vor, dass Marineschiffe und U-Boote beider Länder einen Abstand von mindestens drei Seemeilen zueinander einhalten müssen, um Unfälle in internationalen Gewässern zu vermeiden.

Von pakistanischer Seite gab es zunächst keine Stellungnahme zu dem Vorfall.

Immer wieder Streit um Kaschmir

Die Erzrivalen und Atommächte Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit vom britischen Kolonialindien im Jahr 1947 drei große Kriege geführt, zwei davon um Kaschmir, sowie zahlreiche bewaffnete Scharmützel.

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Im vergangenen Jahr hatte es zwischen beiden Ländern einen viertägigen, heftigen Konflikt gegeben. Die Spannungen konnten mit einem Waffenstillstand beigelegt werden. Seither war die Situation entspannter – bis zu dem nun erfolgten Zwischenfall auf See.

»Dem Geschäftsträger Pakistans wurde empfohlen, den zuständigen pakistanischen Behörden die Notwendigkeit zu verdeutlichen, dass alle Militäreinheiten die gebotene Sorgfalt walten lassen und die Bestimmungen der einschlägigen Abkommen zwischen beiden Seiten respektieren, um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern«, erklärte das indische Außenministerium in einer Stellungnahme.

Der ranghöchste indische Diplomat in Islamabad wurde ebenfalls angewiesen, einen ähnlichen Protest beim pakistanischen Außenministerium einzulegen, hieß es.

Indien und Pakistan haben keine Botschafter mehr in der jeweils anderen Hauptstadt, da sie ihre diplomatischen Beziehungen im Jahr 2019 aufgrund des Kaschmir-Konflikts herabgestuft haben. Ihre Missionen werden seither von einem Geschäftsträger geleitet.

Der amerikanische Ex-Präsident Bill Clinton bezeichnete die Line of Control, die Kaschmir zwischen Indien und Pakistan teilt, um die Jahrtausendwende als »den gefährlichsten Ort der Welt«. Denn dort stehen sich zwei verfeindete Nuklearmächte gegenüber. Im vergangenen Jahr eskalierte der Konflikt – und konnte gerade noch rechtzeitig in eine Waffenruhe geführt werden. Lesen Sie hier mehr dazu. 

mkh/Reuters